Porsche E-Bike: So will Porsche die Radwege erobern
Ottobrunn. Radweg statt Rennstrecke: Porsche drängt auf den Milliardenmarkt der E-Bikes. Der Sportwagenhersteller entwickelt unter Hochdruck einen neuen Antrieb sowie eigene Elektrofahrräder. Jan Becker, Chef der Porsche eBike Performance GmbH, bestätigt dem Handelsblatt: „Das soll ein für Porsche relevantes Geschäft werden.“ Bei einem Konzern mit zuletzt 40 Milliarden Euro Umsatz ist das eine gewaltige Aufgabe.
Zudem schlägt Porsche einen anderen Weg ein als die Konkurrenten bei den E-Bike-Antrieben. Dazu zählen Konzerne wie Bosch, Brose, Mahle oder Shimano.
Einerseits will Porsche zwar Motoren an Radhersteller verkaufen. Darauf konzentrieren sich die Wettbewerber, die sich als Zulieferer der Marken verstehen. Andererseits plant Porsche aber auch, komplette E-Bikes unter eigenem Namen anzubieten.
Porsche produziert weiter „Fazua“-Motoren
Dass Porsche damit gleichzeitig Lieferant und Mitbewerber wird, scheint die Veloproduzenten nicht zu stören. Denn sie sind offenbar interessiert an dem Porsche-Motor. Manager Becker sagte: „Wir haben mit potenziellen Kunden unseres Antriebs schon einige Projekte konkret vereinbart. Die Resonanz ist gut.“ Namen wollte er allerdings nicht nennen.
Mit ihren Elektrorädern sind die Stuttgarter spät dran. Der Autozulieferer Bosch etwa rüstet die Branche schon seit über einem Jahrzehnt mit E-Bike-Antrieben sowie Zubehör aus.
Um nicht noch mehr Zeit zu verlieren, hat Porsche deshalb vor zwei Jahren das Start-up Fazua übernommen. Die kleine Firma mit dem bayerischen Namen – auf Deutsch: „Fahr zu“ – hatte sich auf Elektroantriebe fokussiert, die leicht sind und im Rahmen eines E-Bikes kaum sichtbar.
Diese Motoren werden nach wie vor in Ottobrunn bei München produziert und unter dem Namen Fazua vertrieben. Vom ehemaligen Stammsitz von Fazua aus führt Becker nun die E-Bike-Division von Porsche. Der Bereich zählt eigenen Angaben zufolge 350 Beschäftigte.
Der Fazua-Antrieb wird von namhaften Radherstellern verwendet, von Marken wie Canyon, Haibike und Trek. Trotzdem konstruieren die Ingenieure nun einen völlig neuen Motor. Dabei würden sie sich an den Sportwagen von Porsche orientieren, erklärt Becker. Denn „leistungsstark und leicht“ soll der Antrieb werden. Zudem hat Porsche das kroatische Unternehmen Greyp übernommen. Es liefert die dazugehörige Software.
In ihren Anfängen waren sie als Seniorenräder verschrien. Inzwischen aber sind E-Bikes für Jung und Alt attraktiv. So haben die Händler im vergangenen Jahr erstmals mehr Elektroräder als klassische Modelle abgesetzt. Das belegt der Industrieverband ZIV.
84 Millionen Räder stehen dem ZIV zufolge in Deutschland in den Garagen. Davon sind rund elf Millionen E-Bikes. Rein rechnerisch entfällt damit auf jeden Einwohner ein Rad. Trotzdem ist eine Marktsättigung nicht zu erkennen, denn der Trend geht zum Zweit- oder Drittrad.
Zuletzt lief es in der Branche allerdings alles andere als rund. Während der Pandemie hatte das Geschäft geboomt. Anschließend aber waren die Lager voll und die Preise niedrig. Hersteller wie der E-Bike-Spezialist Van Moof mussten Insolvenzantrag stellen und auch einzelne Händler gingen pleite.
Die Internetplattform Fahrrad.de wurde vom Zusammenbruch des Immobilien-Imperiums von René Benko mitgerissen. Und beim börsennotierten Radhändler Bike24 ging der Umsatz im ersten Quartal um elf Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück. Binnen Jahresfrist haben die Aktien von Bike24 mehr als die Hälfte an Wert verloren.
E-Bikes mit dem Porsche-Logo sind bereits heute erhältlich. Allerdings stammen die elektrischen Mountainbikes vom Radhersteller Rotwild. Die Motoren dafür liefert Shimano. Die Preise reichen von knapp 9000 Euro bis gut 14.000 Euro. Damit bewegt sich Porsche, wie bei den Sportwagen, auch bei den Elektrorädern im Luxussegment. Zum Vergleich: Vergangenes Jahr zahlten die Deutschen im Schnitt 2950 Euro für ein E-Bike.
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Etwa 10.000 Euro werden die Porsche-Räder auch in zwei Jahren kosten, wenn die ersten selbst produzierten Modelle auf den Markt kommen. Zuvor allerdings werde ausgiebig und aufwendig getestet. „Die Marke ist auch bei den E-Bikes eine Verpflichtung“, sagte Becker. Anfangs werde sich Porsche auf elektrische Mountainbikes konzentrieren.
Allzu schnell wird der zweirädrige Porsche nicht
Zudem muss der Manager noch einige wichtige Entscheidungen fällen. „Wo produziert wird, ist noch offen. Fest steht nur, dass wir eigene Produktionslinien aufbauen“, informierte er über den Stand der Dinge.
Und klar ist auch: Zum Rennfahrer wird mit den Porsche-Bikes niemand, denn bei 25 Kilometer pro Stunde hört die Unterstützung durch den Antrieb wie bei allen Elektrofahrrädern hierzulande auf. Wer schneller unterwegs sein möchte, der muss kräftig in die Pedale treten. Mit den Stollenreifen ist das durchaus kräftezehrend.
Erstpublikation: 29.06.2024, 10:58 Uhr.