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RheinmetallProduktion von Artilleriemunition in der Ukraine in Planung

Am Rande der Sicherheitskonferenz hat Rheinmetall eine Absichtserklärung mit einem ukrainischen Partnerunternehmen unterzeichnet. Das Joint Venture will ein neues Artilleriewerk in der Ukraine bauen.Martin Murphy, Roman Tyborski 20.02.2024 - 08:52 Uhr
Noch in diesem Quartal soll der Bau des gemeinsamen Artilleriewerkes beginnen. Foto: dpa

Düsseldorf. Rheinmetall will gemeinsam mit einem ukrainischen Partnerunternehmen Artilleriemunition in der Ukraine herstellen. Am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz hat der Düsseldorfer Dax-Konzern eine entsprechende Absichtserklärung im Beisein von Alexander Kamyshin, dem ukrainischen Minister für strategische Industrien, unterzeichnet.

Das „Ukrainische Kompetenzzentrum für Munition“ solle künftig eine sechsstellige Zahl von Geschossen im Kaliber 155 Millimeter pro Jahr fertigen, inklusive entsprechender Treibladungen, heißt es in einer Mitteilung von Rheinmetall. Aus Branchenkreisen heißt es, dass die Kapazität des Werkes an die 200.000 Schuss heranreichen solle.

Der Bau des Werks soll noch in diesem Quartal beginnen. Insidern zufolge wollen Rheinmetall und der Joint-Venture-Partner das gemeinsame Artilleriewerk in der Ukraine innerhalb von 15 Monaten komplett hochfahren. Der Dax-Konzern wird 51 Prozent der Anteile an dem Gemeinschaftsunternehmen halten, der ukrainische Partner die verbliebenen 49 Prozent.

Rheinmetall hat erst am Montag gemeinsam mit Bundeskanzler Olaf Scholz und Verteidigungsminister Boris Pistorius den Spatenstich für eine neues Artilleriewerk im niedersächsischen Unterlüß gefeiert. Dort sollen ab 2025 ebenfalls Artilleriegranaten des Kalibers 155 Millimeter gefertigt werden. Ziel ist es im Werk in Unterlüß 200.000 Granaten jährlich zu fertigen.

Mit den derzeitigen Aufbauplänen wird Rheinmetall die Schwelle von einer Millionen Artilleriegranaten pro Jahr durchbrechen. Das Düsseldorfer Unternehmen wäre damit mit Abstand der weltweit größte Produzent von Artilleriemunition.

Rheinmetall will wehrtechnische Industrie in der Ukraine wiederaufbauen

„Das Gemeinschaftsunternehmen wird einen wesentlichen Beitrag zur Verteidigungsfähigkeit der Ukraine leisten und damit der Sicherheit in Europa dienen“, sagt Rheinmetall-Chef Armin Papperger. Das Unternehmen wolle die einst starke wehrtechnische Industrie in der Ukraine wiederaufbauen und die Autonomie ukrainischer Kapazitäten sicherstellen. „Schon heute sind wir der wichtigste rüstungsindustrielle Partner des Landes. Insgesamt haben wir mit der Ukraine aktuell Projekte im Wert von mehreren Milliarden Euro in Arbeit, und fast täglich wird es mehr.“

Die ukrainischen Streitkräfte leiden derzeit unter akutem Munitionsmangel. Am Samstag mussten sich die Truppen nach monatelangem Kampf wegen fehlender Artilleriemunition aus der umkämpften Stadt Awdijiwka zurückziehen. Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski hat auf der Münchner Sicherheitskonferenz nochmals eindringlich um weitere militärische Unterstützung von Partnerländern im Westen gebeten.

Münchner Sicherheitskonferenz

„Fragt Euch, warum Putin den Krieg noch führen kann“: Selenski fordert verstärkte Anstrengungen gegen Russland

Dass der Ukraine die Munition auszugehen droht, hängt unter anderem an den festgefahrenen Gesprächen zwischen Demokraten und Republikanern im US-Repräsentantenhaus über ein Hilfspaket für die Ukraine in Höhe von 60 Milliarden US-Dollar. Europa wiederum kann die aktuell ausbleibende militärische Unterstützung der USA nicht kompensieren, da die europäische Rüstungsindustrie nach wie vor nicht zur Massenproduktion in der Lage ist.

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Die Europäische Union wollte ursprünglich bis März 2024 der Ukraine eine Millionen Artilleriegranaten aus europäischer Produktion bereitstellen. Die Initiative ist allerdings am Zeitplan gescheitert. Bis März werden nur 500.200 Schuss geliefert werden. Militärexperten gehen davon aus, dass die Ukraine im Kampf gegen die russischen Invasoren pro Jahr etwa 2,4 Millionen Schuss Artillerie benötigt. 

Erstpublikation: 17.02.2024, 17:26 Uhr.

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