Rüstung: Rheinmetall bekommt Flugabwehr-Auftrag aus Rom
Düsseldorf, Rom. Rheinmetall hat sein neues Flugabwehrsystem Skynex erstmals komplett an einen Nato-Staat verkauft. Man habe einen Auftrag von Italien über zunächst 73 Millionen Euro bekommen, teilte Deutschlands größter Rüstungskonzern in Düsseldorf mit.
Es geht um ein System mit einer Sensoreinheit zur Luftraumüberwachung, einer Einsatzzentrale und vier 35-Millimeter-Geschützen, die den Angaben zufolge bis zu 1000 Schuss pro Minute abgeben können. Der Vertrag beinhaltet die Option auf drei weitere Systeme – insgesamt könnte Rheinmetall knapp 280 Millionen Euro bekommen. Die Lieferung des ersten Pilotsystems soll bis Mitte 2026 abgeschlossen sein.
An Rumänien hat Rheinmetall das Flugabwehrsystem bereits verkauft, jedoch ohne Kanonen – Rumänien nutzt seine bisherigen Flugabwehrkanonen weiter, modernisiert seine Anlagen aber mit Rheinmetall-Komponenten. Außerdem ist Skynex bereits in der Ukraine im Einsatz.
Das System gehört zur sogenannten Skyranger-Reihe von Rheinmetall. Während es sich bei den Skyranger-Systemen um mobile Luftverteidigungseinheiten handelt, sind die Skynex-Systeme stationär.
Die Kanone des Systems kommt unter anderem auch beim Schützenpanzer Lynx des Rüstungsunternehmens zum Einsatz. Der Lynx kann wahlweise als Schützenpanzer oder in der sogenannten Skyranger-Variante als Flugabwehrpanzer mit einer Kanone des Kalibers 30 bis 35 Millimeter genutzt werden.
Wichtige Rolle im Rahmen der europäischen Flugabwehr-Initiative
Rheinmetall hatte Mitte vergangenen Jahres angekündigt, den Schützenpanzer in der Ukraine zu bauen. Ende 2024 wurde der erste Lynx in der Schützenpanzervariante an die Ukraine zu Testzwecken übergeben. Auch das eigene Werk in der Ukraine will Konzernchef Armin Papperger im Zweifel mit den eigenen Skynex-Systemen gegen mögliche russische Angriffe verteidigen, wie er in einem Interview mit der „Bild“ 2023 angedeutet hatte.
Wie beim bereits ausrangierten Flugabwehrpanzer Gepard kommt auch bei der Skynex-Kanone eine 35-Millimeter-Munition zum Einsatz. Eine Variante dieser Munition lässt sich zudem so programmieren, dass diese lenkbar wird. Nach Abschuss dieser Munition lasse sich diese Rheinmetall zufolge durch elektromagnetische Gegenmaßnahmen nicht beeinflussen.
Die Flugabwehrvariante des Lynx-Panzers spielt auch im Rahmen der europäischen Flugabwehr-Initiative „European Skyshield Initiative“ eine bedeutende Rolle. So hatte Ungarn Ende 2023 Rheinmetall mit der konzeptionellen Entwicklung des Skyranger-Turms für die zukünftige Flugabwehrvariante des Lynx beauftragt.
Dem Skynex-Auftrag aus Italien wiederum kommt eine besondere Rolle zu, da Referenzkunden in der Rüstungsindustrie wichtig sind. Der Vertrag mit Rom könnte sich also als Türöffner für Flugabwehrgeschäfte mit anderen Nato-Staaten erweisen.