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Steve Angel im Interview Linde will Geschäft mit Wasserstoff massiv ausbauen

Der weltgrößte Industriegase-Spezialist stellt sich auf einen zweiten Corona-Ausbruch ein. Doch CEO Steve Angel will der Krisenstimmung trotzen – etwa mit einer Wasserstoff-Strategie.
28.05.2020 - 10:42 Uhr 2 Kommentare
Der Linde-Chef stellt sich auf eine zweite Corona-Welle ein. Quelle: Monika Höfler für Handelsblatt
Steve Angel

Der Linde-Chef stellt sich auf eine zweite Corona-Welle ein.

(Foto: Monika Höfler für Handelsblatt)

München Der fusionierte Linde-Konzern rechnet nur mit einem langsamen Aufschwung der Weltkonjunktur. „Steil wird es nicht bergauf gehen“, sagte Linde-CEO Steve Angel dem Handelsblatt. Zum einen könnten Branchen wie die Autoindustrie die Produktion nicht von einem auf den nächsten Tag wieder hochfahren – die Lieferketten müssten zuerst wieder funktionieren. Zudem hielten Fachleute eine zweite Corona-Welle für wahrscheinlich. „Auch deswegen rechne ich in diesem Jahr nicht mit einer starken Erholung der Wirtschaft.“

Linde ist der weltgrößte Anbieter von Industriegasen. Diese werden in der Produktion zum Beispiel in der Chemieindustrie und bei den Autobauern eingesetzt. Das Virus werde uns noch eine Weile begleiten, sagte Angel. „Aber wir werden auf eine mögliche zweite Welle besser vorbereitet sein.“ Mit einer langen Rezession rechne er daher nicht. 2021 wird es schon wieder besser laufen als dieses Jahr.

Die neue Linde plc ist aus der Fusion der deutschen Linde mit dem US-Konkurrenten Praxair hervorgegangen. Angel will nach der Integration vor allem das Geschäft rund um den grünen Wasserstoff massiv ausbauen. „Wir machen schon heute mehr als zwei Milliarden Dollar Umsatz mit der Produktion, dem Vertrieb, der Speicherung und der Anwendung von Wasserstoff“, sagte er. Angesichts der erwarteten Investitionsvorhaben von mehr als 100 Milliarden Dollar weltweit könne sich das Wasserstoffgeschäft „in Zukunft vervierfachen“.

Die Dekarbonisierung, also die Senkung des Ausstoßes von Kohlenstoffdioxid, sei überall auf der Welt der große Trend, sagte Angel. So plane Europa, seine Konjunkturprogramme mit der Reduzierung von CO2 zu verknüpfen. „Grüner Wasserstoff wird dabei eine große Rolle spielen.“ Das gelte auch für China, Südkorea und Japan.

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    Angel bestätigte Berichte der IG Metall, dass Linde in Deutschland nochmals 834 Stellen streichen will. Die Gewerkschaft hatte über die Pläne bereits im Herbst berichtet, das Unternehmen hatte sie bislang aber nicht konkret bestätigt. Der Abbau sei mit den Betriebsräten vereinbart, gerade arbeite man die Details aus, sagte Angel. „Ob darüber hinaus Maßnahmen nötig sind, hängt, wie gesagt, von der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung ab.“

    Lesen Sie hier das komplette Interview:

    Herr Angel, Linde ist ein deutsch-amerikanischer Konzern mit Holding in Dublin und Aufsichtsratssitzungen in London. Wie fühlt es sich an, so ein globalisiertes Unternehmen in Corona-Zeiten nur noch ferngesteuert aus Danbury an der US-Ostküste zu führen?
    Ich war jeden Tag im Büro. Das war auch während des Shutdowns erlaubt, weil wir aufgrund unseres Gesundheitsgeschäfts systemrelevant sind. Der Arbeitsalltag lässt sich mithilfe von Videokonferenzen ganz ordentlich bewältigen, aber ich würde natürlich auch lieber wieder das Geschäft vor Ort sehen können.

    Die Industriegase von Linde werden weltweit eingesetzt – ob in der Chemieproduktion oder beim Autobau. Wie ist die Stimmung in den verschiedenen Regionen der Welt?
    In China konnten wir zuerst die Rückgänge sehen, und entsprechend erholt sich China jetzt auch als erstes. Dort sind wir schon wieder bei 90 Prozent des Geschäfts verglichen mit dem Niveau vor Ausbruch des Coronavirus. Das Land kommt ganz gut aus der Krise – aber natürlich hat die Pandemie Auswirkungen auf die Verbraucherstimmung vor Ort und den chinesischen Export.

    Und wie sieht es in Europa und den USA aus?
    Europa, speziell Deutschland, ist den USA in Sachen Erholung einen guten Schritt voraus. Die USA hinken noch etwas hinterher. Wir sind hier in Danbury nah am Epizentrum New York, das hart getroffen wurde. Aber inzwischen sehen wir in allen Staaten erste Lockerungen.

    Wie beurteilen Sie das Krisenmanagement der US-Regierung von Präsident Trump?
    Keine Regierung macht alles zu 100 Prozent richtig. Es ist ein Lernprozess für alle Regierungschefs, weil bislang niemand mit einer derartigen Pandemie konfrontiert war.

    Die Arbeitslosigkeit in den USA ist enorm gestiegen. Was bedeutet das für die Präsidentschaftswahlen im Herbst?
    Die Wahlen sind erst im November, bis dahin kann noch viel passieren. Aber mittlerweile gibt es mehr als 30 Millionen Arbeitslose in den USA, das ist eine gewaltige Herausforderung. Wir müssen die Menschen wieder in Arbeit bringen.

    In Deutschland wird der Anstieg der Arbeitslosigkeit durch Kurzarbeit deutlich abgemildert. Ist das nicht das bessere Instrument?
    Europa hatte vor Corona eine höhere Arbeitslosigkeit verglichen mit dem Rekordtief in den USA. Das hat sich nun gedreht. Ich halte Kurzarbeit für sinnvoll, aber nur, wenn es sich um einen überschaubaren Zeitraum handelt. Mir wäre eine starke Wirtschaft, die Jobs schafft, lieber.

    Erwarten Sie generell einen V-förmigen Konjunkturverlauf mit einer raschen Erholung oder eher ein U oder gar eine längere Rezession, also ein L?
    Das laufende zweite Quartal wird das schwierigste für Linde werden. Im dritten und im vierten Quartal rechnen wir mit einer leichten Erholung. Doch steil wird es nicht bergauf gehen. Nehmen Sie das Beispiel Automobilindustrie, eines unserer Kundensegmente, dort kann man nicht einfach von einem Tag auf den anderen die Produktion hochfahren. Die Lieferketten müssen zuerst wieder funktionieren. Wir rechnen daher für das Gesamtjahr, Stand jetzt, mit einem Volumenrückgang im niedrigen bis mittleren einstelligen Bereich.

    Sie gehen aber nicht von einer langen Rezession aus, oder?
    Nein, 2021 wird es schon wieder besser laufen als dieses Jahr. Viel hängt aber, gerade auch in den USA, vom Verbrauchervertrauen ab. Keiner weiß, ob die Konsumenten nach der Krise nicht erst einmal vorsichtiger sein werden.

    Wird es eine zweite Corona-Welle geben, zum Beispiel im Herbst?
    Fachleute halten dies für wahrscheinlich. Auch deswegen rechne ich in diesem Jahr nicht mit einer starken Erholung der Wirtschaft. Dieses Virus wird uns wohl noch eine Weile begleiten. Aber wir werden auf eine mögliche zweite Welle besser vorbereitet sein.

    „Alle globalen Lieferketten müssen überprüft werden“

    Sie haben angekündigt, die Investitionen um 400 Millionen Dollar zu kürzen. Wo wollen Sie sparen?
    Wenn die Wirtschaft wächst, brauchen wir zum Beispiel auch mehr Gas-Zylinder oder Tanks. Da setzen wir jetzt zuerst an.

    Wollen Sie Jobs streichen?
    Das lässt sich so allgemein nicht sagen. In manchen Regionen stellt sich diese Frage nicht, in anderen Regionen mag es sein, dass wir die Beschäftigung der Nachfrage anpassen müssen.

    Die IG Metall hatte schon vor einigen Monaten kritisiert, dass in Deutschland 850 Arbeitsplätze wegfallen sollen.
    Um genau zu sein, sind es 834 Stellen, der Abbau ist mit den Betriebsräten vereinbart, gerade arbeiten wir die Details aus. Ob darüber hinaus Maßnahmen nötig sind, hängt, wie gesagt, von der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung ab.

    Wird die Globalisierung nach der Krise ein Stück weit zurückgedreht? Schon vor Corona gab es Handelskonflikte und protektionistische Tendenzen.
    Alle globalen Lieferketten, die sich im Zuge der Corona-Pandemie anfällig gezeigt haben, werden überprüft werden müssen. Nehmen Sie beispielsweise den Gesundheitssektor, hier wird die Produktion sicher teilweise dezentralisiert werden. Die Pandemie hat gezeigt, wie anfällig die weltweiten Lieferketten in Bereichen wie medizinischer Ausrüstung sind.

    Welche Folgen wird die Pandemie noch haben?
    Der Healthcare-Bereich wird an Bedeutung gewinnen, das ist gut für uns. Wir haben mit Lincare ein Unternehmen im Portfolio, das auf die Behandlung von Patienten mit Atemwegserkrankungen in den eigenen vier Wänden spezialisiert ist. Außerdem wird die Digitalisierung an Bedeutung zunehmen: Zum einen können wir schon heute unsere Produktionsstätten überall in der Welt aus der Ferne überwachen, analysieren und steuern. Und zum anderen beliefern wir beispielsweise Hersteller von Halbleitern, die von der Digitalisierung stark profitieren.

    Wie geht es mit dem angeschlagenen Verhältnis zwischen den USA und China weiter?
    Beide Länder müssen zusammenarbeiten. Wir brauchen eine globale Kooperation. Ich hoffe, dass sich diese Erkenntnis bei allen Beteiligten durchsetzt und man die offenen Fragen in einem konstruktiven Dialog bespricht.

    „Menschen mit Covid-19 helfen“

    Ihre Industriekunden stecken teilweise in großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Was sagen die dazu, wenn ihr Zulieferer Linde Margen von 20 Prozent und mehr hat?
    Unser Anteil an den Gesamtkosten unserer Kunden ist im Verhältnis eher gering. Im Übrigen ist es so, dass unsere Kunden von Linde eine zuverlässig hohe Qualität erwarten und beständig Innovationen einfordern, um damit wiederum ihre Produktion nicht nur kostengünstig, sondern auch mit höchsten Umweltstandards fahren zu können. Das hat seinen Preis.

    Wie stark profitiert die Healthcare-Tochter Lincare von der Pandemie?
    In Sachen Beatmungstherapie ist Lincare eine „zweite Verteidigungslinie“, denn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter helfen dabei, Covid-Patienten aus dem Krankenhaus nach Hause zu verlegen. Das ist wichtig für die Entlastung der Krankenhäuser, und es macht uns stolz, weil wir einen Beitrag zu einem funktionierenden Gesundheitssystem leisten können. Ich bin sehr zufrieden mit der Entwicklung bei Lincare.

    Dabei waren Sie ja vor dem Zusammenschluss von Praxair und Linde kein großer Freund des Gesundheitsgase-Geschäfts und überlegten, es nach der Fusion abzustoßen.
    Es gab damals viele offene Fragen und auch einige Schwierigkeiten. Ich wollte das Geschäft erstmal verstehen und habe es mir deshalb in Ruhe angesehen. Mittlerweile kann man sagen, es läuft immer besser bei Lincare, gerade jetzt in der Coronakrise, denn unsere Produkte können Menschen mit Atemwegserkrankungen wie Covid-19 helfen. Lincare ist auf gutem Weg.

    Und darf nun langfristig im Konzern bleiben?
    Ja, soweit man überhaupt in der Lage ist, langfristige Bestandsgarantien abzugeben.

    Gilt das auch für den Anlagenbau von Linde? Auch der stand mit seinen niedrigeren Margen zur Disposition.
    Das stimmt. In der Praxair-Welt hatten wir nur eine kleine Engineering-Sparte. Linde stemmte schon immer viel größere und komplexere Projekte. Doch wir haben die Vorteile des Anlagenbaus zu schätzen gelernt, weil er Synergien mit dem Gase-Geschäft liefert.

    In Deutschland gibt es die Diskussion, ob Konglomerate oder fokussierte Spezialisten erfolgreicher sind. Praxair setzte sehr eng auf Industriegase. Sehen Sie in der Krise nun stärker die Vorteile einer breiten Aufstellung wie bei Linde?
    Wir sind weiterhin eine Industriegase-Firma. Wenn ich morgens aufwache, dann denke ich an Industriegase, und wenn ich abends ins Bett gehe, denke ich immer noch an Industriegase. In Konglomeraten hingegen verteilt sich die Aufmerksamkeit auf verschiedene Geschäftsfelder. Deshalb sind Konglomerate nur sinnvoll, wenn es echte Synergien zwischen den Bereichen gibt.

    „Grüner Wasserstoff wird ein Mega-Trend“

    Aber konzentriert sich Linde unter Ihrer Führung nicht zu stark auf das Geschäft mit Industriegasen, das nur noch wenig Wachstumspotenzial hat? Was ist mit den viel beschworenen Megatrends und neuen Geschäftsfeldern, von denen Wolfgang Reitzle gern sprach, als er noch Linde-Chef war? Wo bleibt die Fantasie, vor allem für die Investoren?
    Am Anfang des Zusammenschlusses mussten wir erst einmal die beiden großen Unternehmen Linde und Praxair integrieren, das war viel Arbeit. Jetzt können wir nach vorne schauen. Gesundheit wird – schon aus demografischen Gründen – ein Megatrend bleiben. Doch das spannendste Feld für mich ist der ganze Bereich rund um den „grünen Wasserstoff“. Darunter verstehen wir Wasserstoff, der aus regenerativen Energiequellen, wie beispielsweise Wind, hergestellt wird.


    Grafik


    Warum ist das so spannend für Linde?
    Die Dekarbonisierung, also die Senkung des Ausstoßes von Kohlenstoffdioxid, ist überall auf der Welt der große Trend. Europa beispielsweise plant, seine Konjunkturprogramme mit der Reduzierung von CO2 zu verknüpfen. Grüner Wasserstoff wird dabei eine große Rolle spielen. Das gilt auch für China, Südkorea und Japan.

    Was für Geschäftsmöglichkeiten sehen Sie konkret für Linde bei Wasserstoff?
    Wir machen schon heute mehr als zwei Milliarden Dollar Umsatz mit der Produktion, dem Vertrieb, der Speicherung und der Anwendung von Wasserstoff. Und angesichts der erwarteten Investitionsvorhaben von mehr als 100 Milliarden Dollar denke ich, dass sich unser Wasserstoffgeschäft in Zukunft vervierfachen könnte.

    Wie wollen Sie das Potenzial ausschöpfen?
    Wir haben erst in der vergangenen Woche das Geschäftsfeld „Clean Hydrogen“ geschaffen, damit unsere Ressourcen weiter gebündelt und so das aufstrebende Thema Wasserstoff noch stärker in den Fokus gerückt. Zudem investieren wir in Technologien und in Menschen. Wir nehmen das Thema sehr ernst, denn das ist unsere größte Wachstumschance.

    Bei Ihrem großen Konkurrenten Air Liquide redet man schon länger viel von Wasserstoff. Sind die Franzosen weiter?
    Sicherlich nicht, der Markt ist groß genug für mehr als einen Player und wir haben die notwendige Expertise und sind in guter Form. Heute werden weniger als zwei Prozent der Energie aus Wasserstoff gewonnen, der Markt steckt noch in den Kinderschuhen. Das gilt auch für den Bereich der Mobilität.

    Die alte Linde hatte in Wasserstofftankstellen und Wasserstoff-Carsharing investiert. War das nicht der falsche Weg? Bei Autos scheint sich die Technologie nicht durchzusetzen.
    Gerade bei großen Transportmitteln wie Lastwagen, Zügen, Fähren und Bussen wird sich Wasserstoff zuerst durchsetzen. Denn bei größeren Fahrzeugen und bei Schiffen stehen die Zuladung sowie die Befüllungszeiten im Vordergrund. Da wird die Brennstoffzelle wegen ihrer Gewichts- und Reichweitenvorteile eine bedeutende Rolle spielen. Und dafür benötigt man die notwendige Infrastruktur, für die Linde schon seit Langem die Technologien entwickelt.

    Bremsen die niedrigen Ölpreise diese Entwicklung?
    In manchen Märkten vielleicht, aber in Europa gibt es ein klares Bekenntnis zum Green Deal, mit dem die EU-Kommission die Pariser Klimaziele erreichen will.

    „Wir werden unsere Ziele nicht erreichen können“

    Apropos Deal: Im vergangenen Jahr waren Sie mit mehr als 22 Millionen Dollar Top-Verdiener im Dax, im Jahr davor war es noch einmal deutlich mehr. In Deutschland werden die hohen Gehälter von vielen kritisch gesehen.
    Meine Vergütung ist fast vollständig erfolgsabhängig, ich bin zu 90 Prozent im Risiko. Wenn wir als Unternehmen nicht erfolgreich sind, sinkt auch mein Gehalt. Für dieses Jahr hatten wir uns sehr ehrgeizige Ziele gesetzt. Wegen Corona werden wir diese so kaum erreichen können – und als Folge werde ich weniger verdienen, so einfach ist das.

    Sollte es aus moralischen Gründen nicht eine Obergrenze geben? In Deutschland sind das bei manchen Unternehmen zehn Millionen Euro.
    Betrachten Sie es aus der Sicht der Eigentümer: Die Aktionäre investieren in gut geführte Unternehmen und wollen dafür Leistung sehen. Wenn Sie die Vergütung kappen, dann könnten sich einige der stärker Performance-getriebenen CEOs entscheiden, etwas anderes zu tun.

    In Europa gibt es zudem die Diskussion, ob Unternehmen in der derzeitigen Krise Aktien zurückkaufen und Dividenden zahlen sollten – erst recht, wenn sie Staatshilfe erhalten oder von Kurzarbeit profitieren. Wie sehen Sie das?
    Das hängt letztlich von der finanziellen Verfassung jedes einzelnen Unternehmens ab. Von Firmen wie Linde, die sich gut entwickeln, wird Dividendenkontinuität erwartet.

    Linde ist bislang solide durch die Krise gekommen. Dabei mussten Sie gleichzeitig die schwierige Integration stemmen. Was war das größte Problem beim Zusammenschluss?
    Das waren definitiv die anspruchsvollen Anforderungen der verschiedenen Kartellbehörden. Wir waren schon in den Startlöchern und wollten mit der Integration beginnen, mussten dann aber doch noch etwas länger auf grünes Licht warten.

    Und die Kulturunterschiede?
    Das Gase-Geschäft ist sehr lokal. Wir mussten beispielsweise Praxair-Mitarbeiter mit Linde-Mitarbeitern in China zusammenzubringen. Da ging es eher um chinesische Kulturfragen. Anderswo war es ähnlich. Bei unserer Führungskräftetagung in Houston zu Beginn des Jahres hätten Sie nicht sagen können, wer früher Praxair und wer Linde war.

    In Deutschland gab es lange von den Arbeitnehmervertretern erbitterten Widerstand gegen die Fusion. Sie fürchteten, dass die amerikanische Seite durchregiert und Synergien vor allem in Deutschland gehoben werden.
    Das Verhältnis zu den Arbeitnehmervertretern und Gewerkschaften würde ich als konstruktiv bezeichnen – sie sind engagiert und stellen die richtigen Fragen. Aber schon vor der Fusion hat Linde weniger als zehn Prozent seines Geschäfts in Deutschland gemacht. Es war bereits ein sehr globales Unternehmen. Und heute haben wir immer noch 7000 Beschäftigte in Deutschland – fast die Hälfte davon in Pullach bei München, unserem weltweit größten Standort.

    Herr Angel, vielen Dank für das Interview.

    Mehr: Grüner Wasserstoff gilt als wichtiger Baustein für die Energiewende. Welches Potenzial hat der vermeintliche Heilsbringer wirklich?

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