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US-FlugzeugbauerBoeing zahlt wegen 737-Max-Debakels mehr als 2,5 Milliarden Dollar Strafe

Der US-Flugzeugbauer muss wegen Betrugs- und Verschwörungsvorwürfen eine Milliardenstrafe zahlen. Anleger reagieren gelassen, die Aktie ist nur leicht im Minus. 07.01.2021 - 23:21 Uhr Artikel anhören

Die 737-Max-Krise hat den US-Flugzeugbauer finanziell massiv unter Druck gebracht.

Foto: AFP

Washington, Seattle. Das Desaster um den Absturzflieger 737 Max kommt den US-Luftfahrtriesen Boeing teuer zu stehen. Der Flugzeugbauer habe wegen Betrugs- und Verschwörungsvorwürfen im Zusammenhang mit dem Skandal Strafzahlungen von mehr als 2,5 Milliarden Dollar (2,0 Milliarden Euro) zur Beilegung strafrechtlicher Verfahren zugestimmt, teilte das US-Justizministerium am Donnerstag in Washington mit.

Er umfasse eine Geldstrafe in Höhe von 243,6 Millionen Dollar, Entschädigungszahlungen an Boeings 737-Max-Airlinekunden in Höhe von 1,77 Milliarden Dollar und die Einrichtung eines 500-Millionen-Dollar-Fonds für die Absturzopfer zur Entschädigung der Erben, Verwandten und gesetzlichen Begünstigten der Passagiere.

Die 737 Max war im März 2019 nach zwei Abstürzen in Indonesien und Äthiopien, bei den insgesamt 346 Menschen ums Leben gekommen waren, für mehr als 20 Monate aus dem Verkehr gezogen worden. Als Unglücksursache galten Probleme mit der Steuerung. Die US-Justizbehörden beschuldigen Boeing nun unter anderem, die Regierung mit irreführenden Angaben dabei behindert zu haben, die Sicherheit im öffentlichen Flugverkehr zu gewährleisten.

„Die tragischen Abstürze des Lion-Air-Flugs 610 und des Ethiopian-Air-Flugs 302 brachten betrügerisches und irreführendes Verhalten von Mitarbeitern eines der weltweit führenden Flugzeughersteller zum Vorschein“, erklärte David P. Burns von der strafrechtlichen Abteilung des Justizministeriums. Boeings Angestellte hätten den Profit über die Aufrichtigkeit gestellt und der US-Luftfahrtaufsicht FAA Informationen vorenthalten.

Sowohl Boeing als auch die FAA waren im Zuge der Unglücke vom Oktober 2018 und März 2019 heftig in die Kritik geraten. Als hauptsächliche Unfallursache gilt eine defekte Steuerungssoftware von Boeing, die eigentlich rasch hatte repariert werden sollen. Stattdessen dauerte es über anderthalb Jahre, bis die FAA den wegen der Abstürze mit Startverboten belegten Unglücksflieger wieder zuließ.

Boeings Aktie leicht im Minus

Eine Stellungnahme von Boeing lag zunächst nicht vor. Die hohe Strafe dürfte den aufgrund des 737-Max-Skandals und der Coronakrise stark angeschlagenen Airbus-Rivalen zwar schmerzen. Doch verglichen mit den immensen Kosten, die das Debakel um den wichtigsten Flugzeugtyp des Konzerns bereits verursacht hat, ist die Summe noch relativ überschaubar. Anleger reagierten vergleichsweise gelassen, Boeings Aktien gerieten nachbörslich zunächst nur leicht ins Minus.

2018 und 2019 sind zwei Boeing-Maschinen des Typs 737-Max abgestürzt. Die daraufhin von US-Behörden angestoßenen Ermittlungen werden nun eingestellt – gegen eine Zahlung des Flugzeugbauers von rund 2,5 Milliarden Dollar.

Die 737-Max-Krise hat Boeing finanziell bereits massiv unter Druck gebracht. Zahlreiche Aufträge wurden storniert, Boeing entstanden etliche Milliarden an Sonderkosten. In den drei Monaten bis Ende September fiel der vierte Quartalsverlust in Folge an. Der Konzern reagiert auf die klamme Finanzlage mit drastischen Sparmaßnahmen und will seine Mitarbeiterzahl bis Ende 2021 auf rund 130.000 senken. Zum Vergleich: Anfang 2020 hatte Boeing noch etwa 160.000 Beschäftigte.

Vor der Bestrafung durch das Justizministerium hatte bereits ein Untersuchungsausschuss des US-Kongresses heftige Kritik an Boeing geäußert. „Die Max-Abstürze waren nicht das Ergebnis eines einzelnen Versagens, technischer Fehler oder schlecht gehandhabter Ereignisse“, hieß es im Abschlussbericht.

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„Sie waren der schreckliche Höhepunkt einer Reihe falscher technischer Annahmen von Boeing-Ingenieuren, mangelnder Transparenz aufseiten des Managements und einer grob unzureichenden Aufsicht durch die FAA.“ Boeing war zudem auch in dem Bericht schon eine „Kultur des Verheimlichens“ vorgeworfen worden.

rtr, dpa
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