Rüstungsunternehmen: MBDA kooperiert mit ukrainischem Staatskonzern
Berlin. Der Rüstungskonzern MBDA Deutschland und das ukrainische Unternehmen Ukroboronprom wollen bei Systemen für die Luftverteidigung zusammenarbeiten. Eine entsprechende Absichtserklärung haben beide Seiten am 20. Februar unterzeichnet. Dabei geht es unter anderem um die Drohnenabwehr.
Der Geschäftsführer von MBDA Deutschland, Thomas Gottschild, sprach von einem „Meilenstein“ für die Zusammenarbeit der Verteidigungsindustrien beider Länder. Der Chef von Ukroboronprom, German Smetanin, betonte, die Kooperation stärke die Ukraine nicht nur auf dem Schlachtfeld, sondern lege auch eine solide Grundlage für die weitere Entwicklung der heimischen Rüstungsbranche und trage zu ihrer Integration in die Nato-Verteidigungsindustrie bei.
Deutschland und die Ukraine hatten Ende vergangener Woche eine gemeinsame Sicherheitsvereinbarung unterzeichnet, in der auch die Bedeutung einer Kooperation der Rüstungsindustrien beider Länder hervorgehoben wurde.
Luftverteidigung ist für die Ukraine entscheidend bei der Abwehr russischer Angriffe. Bisher gelingt es auch mithilfe westlicher Technik, einen großen Teil der von den russischen Streitkräften abgefeuerten Drohnen, Raketen oder Marschflugkörper abzufangen. Allerdings droht auch hier, ähnlich wie bei der Artillerie, ein Mangel an Munition.
Deutschland hat die Ukraine massiv mit Waffen für die Luftverteidigung unterstützt. Dazu gehören der Flakpanzer Gepard, das vom deutschen Hersteller Diehl Defence entwickelte Abwehrsystem Iris-T SLM oder die Patriot-Systeme, die gemeinsam von den US-Herstellern Raytheon und Lockheed Martin entwickelt wurden, an deren Produktion und Modernisierung aber auch MBDA beteiligt ist.
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hatte bei der Münchner Sicherheitskonferenz ein weiteres deutsches Unterstützungspaket angekündigt, das neben neuen Haubitzen und neuer Artilleriemunition auch ein zweites SkyNex-Luftverteidigungssystem des Herstellers Rheinmetall sowie weitere 100 Lenkflugkörper Iris-T SLS enthält.
Patriot-Großauftrag von der Nato
Außerdem führt Deutschland gemeinsam mit Frankreich eine sogenannte „Fähigkeitskoalition“, einen Verbund von Ländern, welche die Ukraine beim Aufbau einer Luftverteidigung unterstützen wollen. Ziel ist dabei auch, gemeinsame Standards zu schaffen und Systeme aufzubauen, die mit denen der Nato-Staaten kompatibel sind.
MBDA Deutschland ist eine Tochter des Rüstungskonzerns MBDA, der zu jeweils 37,5 Prozent von Airbus und der britischen BAE Systems und zu 25 Prozent vom italienischen Rüstungskonzern Leonardo getragen wird. Das Unternehmen produziert Luftverteidigungssysteme unterschiedlicher Reichweiten, aber auch Waffen wie den Marschflugkörper Taurus sowie Waffensysteme für die Marine.
Anfang Januar hatte MBDA von der Nato einen Großauftrag über bis zu 1000 Patriot-Flugkörper im Volumen von 5,1 Milliarden Euro erhalten. Dafür baut das Unternehmen nun erstmals auch eine Patriot-Fertigung in Deutschland auf.
Erstpublikation: 20.02.2024, 18:08 Uhr