Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Vitesco Dieser Zulieferer steht im Brennpunkt des Umbruchs in der Autoindustrie

Diesel- und Benzinmotoren, Kerngeschäft der Conti-Tochter Vitesco, werden zum Auslaufmodell. Der Sprung ins Elektrozeitalter ist komplex – und einige Mitarbeiter bleiben auf der Strecke.
30.01.2020 - 16:42 Uhr 1 Kommentar
Vitesco war früher Continentals Antriebssparte. Quelle: Vitesco
Elektroauto

Vitesco war früher Continentals Antriebssparte.

(Foto: Vitesco )

Roding, Regensburg, Nürnberg Claus Helmers ist es zu eng geworden. Der Werksleiter des Nürnberger Vitesco-Werks lässt deswegen die Wände einreißen. Die bisherigen Räume, in denen er für das Antriebsunternehmen Bauteile für Elektromotoren bauen ließ, sind zu klein geworden.

„Vor nicht einmal zwei Jahren hatten wir nur eine Produktionslinie für Leistungselektronik, bald schon werden es acht sein“, sagt Helmers und deutet auf die Wände, die hier bald verschwinden werden. Der 55-jährige Maschinenbauingenieur steht in einem Reinluftraum, eingepackt in einen Schutzanzug mit weißen Überschuhen und Gesichtsmaske.

Helmers sieht aus wie ein Forensiker, der einen Tatort betritt, und nicht wie ein Werksleiter eines Autozulieferers. Schon kleinste Staubkörnchen könnten die Produktion der Leistungselektronik, die den Stromfluss zwischen Batterie und Elektroantrieb regelt, stören. Deswegen putzen sie hier alle zwei Stunden alles ab.

Vitesco Technologies war früher mal die Antriebssparte von Continental, die sich vom großen Zulieferer aus Hannover abspaltet. Conti will das Antriebsgeschäft abschütteln und sich auf Fahrerassistenzsysteme und Software konzentrieren. Vitesco muss aus eigener Kraft den großen Bruch in der Automobilindustrie bewältigen: den Wandel vom Verbrennungs- zum Elektromotor – und der beansprucht in Nürnberg immer mehr Platz.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Vitesco ist der Brennpunkt des Umbruchs in der Autoindustrie, die jetzt rasant auf Elektroantriebe umschaltet. Nach langem Zögern rüsten Daimler, BMW und Volkswagen ihre Werke auf Stromautos um, die Klimavorgaben der EU zwingen zu radikalen Schnitten.

    Grafik

    Um das Jahr 2026 will VW den letzten Verbrennungsmotor entwickeln, erklärte der Konzern bereits Ende 2018. Es droht eine Joberosion. Die IG Metall geht im schlimmsten Fall von 410.000 Arbeitsplätzen aus, die bis 2030 durch die Elektromobilität in Deutschland verloren gehen könnten.

    Wer allerdings den Sprung zum Stromantrieb schafft, dem winken Chancen. 2030 sollen mit 42 Millionen Stück bereits knapp die Hälfte aller weltweit produzierten Autos eine elektrifizierte Antriebsvariante besitzen, rechnet das Beratungsunternehmen LMC Automotive vor.

    „Kurzfristig wird das größte Wachstum vom Plug-in-Sektor, also von Elektroautos und per Stecker aufladbaren Hybriden, ausgehen“, sagt Al Bedwell von LMC Automotive. Davon dürfte auch die Produktion von Invertern (Stromwandlern) in Nürnberg profitieren, die sowohl in Hybrid- als auch in Elektroautos zum Einsatz kommen.

    Einer McKinsey-Studie zufolge wird sich der Markt dafür von einem Volumen von 3,4 Milliarden Dollar im Jahr 2018 auf zwölf Milliarden Dollar im Jahr 2025 vergrößern. Jährliche Wachstumsrate: 20 Prozent.

    Das Dilemma von Roding

    Helmers sieht darin eine Chance. Er will noch schneller in Richtung Elektrifizierung gehen, viel höhere Mengen der Leistungselektronik herstellen. Zurück in seinem Büro, in dem er von Elektrobauteilen umgeben ist, deutet er mit seinen Fingern auf Unterlagen, auf denen Balkendiagramme zu sehen sind: „Jetzt gilt es, in die Mengen zu kommen“, sagt er. In Nürnberg können sie das Zeitalter der Elektromobilität kaum erwarten.

    Das gleiche Unternehmen 130 Kilometer entfernt: Hier ist von der Elektroeuphorie nicht viel zu spüren. Im Vitesco-Werk am bewaldeten Stadtrand von Roding werden in vier Jahren die Lichter ausgehen. 540 Arbeitsplätze verschwinden aus einer Stadt mit knapp 12.000 Einwohnern.

    Die Stellen, die hier abgebaut werden, sind Teil des auf zehn Jahre angelegten Sparprogramms, das sich Continental noch vor Abspaltung der Antriebssparte auferlegt hat. Claudia Hecht, Betriebsrätin des Rodinger Vitesco-Werks, kennt die Einzelschicksale.

    „Zu mir kommen oft junge Väter und Mütter, die mir erzählen, dass sie gerade ein Haus bauen“, sagt die 50-Jährige, die in vier Jahren auch ihren Arbeitsplatz verliert und mit zwei betroffenen Mitarbeitern zum Gespräch gekommen ist. „Die wissen nicht mehr, wie es weitergehen soll. Von solchen Situationen ist das Management weit weg. Die sitzen in Regensburg und bekommen die Ängste der Mitarbeiter nicht mit.“

    Zu „denen in Regensburg“ zählt Andreas Wolf, seit Oktober 2019 Chef von Vitesco. Er spricht lieber über die elektrisierende Zukunft des Antriebsunternehmens. „Je schneller die Elektrifizierung kommt, desto schneller werden wir wachsen“, sagt er. „Es wird eine Sonderkonjunktur im Bereich Elektrifizierung geben, die es so in kaum einer anderen Industrie gibt.“

    „Je schneller die Elektrifizierung kommt, desto schneller werden wir wachsen“ Quelle: Vitesco
    Vitesco-Chef Andreas Wolf

    „Je schneller die Elektrifizierung kommt, desto schneller werden wir wachsen“

    (Foto: Vitesco )

    Und Wolf ist sich sicher, dass sein Unternehmen Gewinner dieser Entwicklung sein wird. Vitesco beherrsche jede Spielart des Stromautos: Mild-, Plug-in-Hybride oder batterieelektrische Antriebe. „Unsere Ingenieure sind Software- und Systemspezialisten“, sagt Wolf.

    In Roding findet diese Elektrifizierung nicht statt. Hier werden keine Inverter hergestellt, keine E-Achsen, keine Elektro- oder Hybridantriebe. Die Ingenieure hier sind Spezialisten für den Verbrennungsmotor. Sie stellen Hochdruckpumpen für Benzin- und Dieselmotoren her – Produkte, die Vitescos Noch-Mutterkonzern Continental in spätestens zehn Jahren auslaufen lässt. Die Mitarbeiter in Roding sind die Verlierer der Elektrowende – und sie werden nicht die einzigen sein.

    Denn was die Mitarbeiter von Vitesco in Nürnberg, Regensburg und Roding gerade miterleben, betrifft alle Menschen, die derzeit in Deutschland für Antriebsunternehmen arbeiten, egal ob bei großen Zulieferern wie Bosch und ZF, mittelgroßen wie Hella oder Mahle oder den unzähligen Kleinstbetrieben in der Provinz, die fast unbemerkt untergehen. Ein ganzer Industriezweig im Land bröckelt auseinander, weil das Geschäftsmodell Verbrennungsmotor zerfällt.

    Vitesco braucht Investoren

    Franz Reichold, Bürgermeister von Roding, befürchtet, dass ihm durch die Schließung Steuereinnahmen wegfallen. „Für eine Kommune wie unsere ist es immer schlimm, wenn so ein großer Arbeitgeber sein Werk schließt“, sagt er. Vitesco-Mitarbeiter, die ihren Job verlieren, zahlen keine Einkommensteuer.

    Das Unternehmen selbst wiederum zahlt keine Gewerbesteuer mehr. „Eine Kommune unserer Größe ist auf diese Einnahmen angewiesen“, sagt der Bürgermeister. Es droht zudem eine Kettenreaktion. Denn viele kleinere Zulieferer, die Lieferbeziehungen mit Vitesco haben, verlieren einen wichtigen Kunden.

    Für Reichold ist die Schließung des Werks auch eine persönliche Niederlage. Vor über zehn Jahren hatte er sich noch für den Ausbau des Standorts starkgemacht – und damals Andreas Wolf kennen gelernt. Der Manager war am Ausbau mitbeteiligt. Jetzt baut Wolf den Standort ab, und Reichold muss dabei zusehen.

    Abhängig vom Verbrenner
    Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen
    Mehr zu: Vitesco - Dieser Zulieferer steht im Brennpunkt des Umbruchs in der Autoindustrie
    1 Kommentar zu "Vitesco: Dieser Zulieferer steht im Brennpunkt des Umbruchs in der Autoindustrie"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Tot gesagte leben länger!
      Nur weil die Medien uns ständig einhämmern, dass der Verbrennungsmotor out ist, wird der Konsument noch lange nicht diese unsinnigen E-Autos kaufen!
      Im Grunde ist es eine kriminelle Technologie, wenn man nur an die Millionen Tonnen Sondermüll denkt, die da produziert werden soll.
      Für den Konsumenten bringt diese Technologie nur Nachteile, die man hier gar nicht aufzählen muss.
      Die unsinnige CO2-Einsparung ist ebenfalls umstritten. Also wozu der Unsinn?

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%