VW-Tochter: Audi will Sportwagenbauer McLaren kaufen – Voraussetzung: Die Formel 1 wird nachhaltiger
Das Formel-1-Team der Briten könnte bald Audi gehören.
Foto: Getty ImagesMünchen. Audi zeigt Interesse am britischen Sportautohersteller McLaren. Konzernkreisen zufolge werfe die VW-Tochter bereits einen Blick in die Bücher. McLaren könne für Audi eine Option sein, in die Formel 1 einzusteigen, hieß es am Montag.
Allerdings sei die Voraussetzung, dass die Rennserie ab 2026 auf Hybridantriebe und E-Fuels setze. Zudem wolle Audi nicht nur den Rennstall, sondern auch die Sportwagenmarke übernehmen. Konkrete Verhandlungen oder gar eine Einigung gebe es aber noch nicht, hieß es in Ingolstadt. „Wir beschäftigen uns im Rahmen unserer strategischen Überlegungen laufend mit verschiedenen Kooperationsideen“, sagte eine Sprecherin.
Einen Bericht des britischen Automagazins „Autocar“, nach dem McLaren-Chef Paul Walsh sich bereits mit Audi geeinigt habe, dementierte McLaren scharf. Auch bei Audi verweist man darauf, dass die Überlegungen erst am Anfang stünden. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete am Dienstag mit Verweis auf Insider, dass der Audi-Aufsichtsrat am Mittwoch über das Thema beraten werde.
Klar ist: Audi sucht wie die Konzernschwester Porsche einen Weg in die populäre Rennserie. Audi-Chef Markus Duesmann ist Rennsportfan und war jahrelang Motorenentwickler des BMW-Formel-1-Teams.
Sein Kalkül: Wenn ab 2026 das Regelwerk nur noch Hybridantriebe und E-Fuels zulässt, ist die Formel 1 für Audi die ideale Bühne. Die VW-Premiumtochter will ab 2026 die Entwicklung von Verbrennungsmotoren einstellen und die Modellpalette auf Elektroantriebe umstellen. Auch die Konzernschwester Porsche liebäugelt dann mit einem Einstieg und sucht Branchenkreisen zufolge die Nähe zum Red-Bull-Team.
Audi und Porsche könnten ab 2026 eigene Rennställe haben
Denn ohne die Expertise der eingespielten Rennställe fährt kein Autokonzern in der Formel 1 mit. Teams wie McLaren haben über Jahrzehnte das nötige Wissen aufgebaut, wie Antriebe und Fahrwerke auf die Extrembelastungen der Formel 1 ausgerichtet werden müssen. Neben Ferrari ist McLaren der älteste und erfolgreichste Rennstall der Rennserie.
Um einzusteigen, muss sich Audi vor allem mit der Mumtalakat Holding Company des Staats Bahrain einigen, die aktuell 30 Prozent der Anteile hält und damit wichtigster Investor von McLaren ist. Audi will nicht nur den Rennstall, sondern die gesamte McLaren Technology Group übernehmen, zu der neben dem Marketing und Catering auch eine kleine, aber feine Sportwagenproduktion gehört. Es mache keinen Sinn, nur den Rennstall zu kontrollieren, während die Sportwagen einem anderen Autokonzern gehören, heißt es aus dem Audi-Umfeld.
Die McLaren-Sportwagen wären für Audi eine gute Ergänzung. Heute gehört der VW-Tochter bereits die italienische Sportwagenmarke Lamborghini. Gemeinsam mit den von Audi selbst geplanten Supersportwagen könnten alle drei Marken auf eine gemeinsame technische Basis gestellt werden und kooperieren, so die Pläne in Ingolstadt. Insgesamt würde Audi ein Unternehmen mit rund 3000 Beschäftigten übernehmen.
Die Überlegungen, in die Formel 1 einzusteigen, zeugen von einem neuen Selbstbewusstsein in Ingolstadt. Unmittelbar nach dem Dieselskandal 2015 hatte Audi seine Motorsport-Aktivitäten heruntergefahren und die Budgets gekürzt. In der Formel 1 würde sich die VW-Tochter nicht nur mit der Konzernschwester Porsche, sondern vor allem mit Mercedes messen. Die Stuttgarter dominieren seit Jahren den Wettbewerb und stellen regelmäßig den Weltmeister.