VW: „Vorschlag reicht nicht aus“ – Blume verteidigt harten Sparkurs
Wolfsburg. Volkswagen-Chef Oliver Blume hat den Vorschlägen des Betriebsrates zur Sanierung des Konzerns erneut eine Absage erteilt. „Der aktuelle Vorschlag der Mitbestimmung ist ein Startpunkt, reicht aber leider bei Weitem noch nicht aus, die Zukunft von Volkswagen zu verteidigen“, sagte Blume am Mittwoch auf einer Betriebsversammlung im Stammwerk Wolfsburg.
Deshalb müsse man weiter verhandeln und gemeinsam an messbaren und nachhaltigen Lösungen arbeiten, sagte Blume, der unter Protesten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter empfangen wurde. Nach drei gescheiterten Verhandlungsrunden treffen sich die Gewerkschaft IG Metall und das Volkswagen-Management am kommenden Montag zum vierten Mal.
Europas größter Autobauer fordert wegen der schwierigen Konzernlage zehn Prozent Lohnkürzung. Zudem stehen Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen im Raum. Die Beschäftigungssicherung wurde aufgekündigt. Für den Betriebsrat kommen diese Optionen weiterhin nicht infrage.
Betriebsratschefin Daniela Cavallo sagte bei der nicht öffentlichen Versammlung am Mittwochvormittag: „Ich kann an den Vorstand nur appellieren, von seinen Maximalforderungen und Extrempositionen herunterzukommen.“ Stattdessen würde nur Öl ins Feuer gegossen werden.
Cavallo warnte: „Ganz Volkswagen, wie wir es kennen, ist in Gefahr.“ Der Vorstand würde mit der Kultur des Unternehmens brechen, sagte sie vor den Mitarbeitenden des Autokonzerns.
Die Arbeitnehmervertreter haben Ende November selbst ein Konzept zur Sanierung vorgestellt. Dieses sieht vor, dass bei den Arbeitskosten 1,5 Milliarden Euro eingespart werden sollen. Im Gegenzug verlangen die IG Metall und der Betriebsrat Garantien für die Standorte und die Beschäftigung.
Nach Informationen des Handelsblatts aus Konzernkreisen wären jedoch mindestens Einsparungen in Höhe von zwei Milliarden Euro bei den Arbeitskosten nötig, um die finanziellen Ziele zu erreichen. Sollten alle Werke erhalten bleiben, würde der Betrag nochmals steigen, heißt es. Somit scheiterte auch die dritte Tarifrunde des Autobauers. Und es kam Anfang der Woche zu Warnstreiks.
Am Montag hatten Zehntausende vor dem Vorstandshochhaus gegen die harten Sparpläne des Konzerns protestiert, 47.000 Menschen traten allein in Wolfsburg für zwei Stunden in den Warnstreik. An allen neun betroffenen Standorten zusammen waren es laut Gewerkschaft sogar fast 100.000. Auch auf der Betriebsversammlung Anfang September gab es bereits lautstarke Proteste. Mitarbeiter begrüßten den Vorstand mit Transparenten und Sprechchören. 25.000 Teilnehmer wurden damals gezählt.
Arbeitsminister Heil als Gastredner
Auf der Betriebsversammlung stellte sich der als Gastredner geladene Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hinter die Arbeitnehmer des Konzerns. „Es darf keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Es muss gemeinsam gelingen, die VW-Standorte in Deutschland zu sichern“, sagte er, wie Teilnehmer der Veranstaltung berichteten. Am Ende müssten die Sicherung der Standorte, der Beschäftigung und der Zukunft des Unternehmens herauskommen.
Den Auftritt von Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) auf der Betriebsversammlung wertete Cavallo als „wichtiges Zeichen der Wertschätzung – gerade jetzt in diesen turbulenten Zeiten“. Eingeladen habe sie den Minister bereits vor vielen Monaten, bevor die umfangreichen Sparpläne des Konzerns bekannt wurden. Heil, dessen Wahlkreis direkt an Wolfsburg angrenzt, hatte sich nach Bekanntwerden der Sparpläne für den Erhalt aller VW-Standorte ausgesprochen.
Bei VW-Betriebsversammlungen sind regelmäßig Politiker zu Gast. Anfang 2023 kam Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), 2008 dessen Vorgängerin Angela Merkel (CDU), Ende 2021 Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD).
Mit Agenturmaterial