Werhahn-Führungsduo: „Wir wollen das Denken in Stämmen überwinden“
Vorstandssprecher und Finanzvorständin von Wehrhahn präferieren bekannte Geschäftsfelder.
Foto: Wolfgang Bathe, Werhahn KGNeuss. Entspannt sitzt Anton Werhahn im achten Stockwerk seiner Neusser Holdingzentrale, assistiert von Finanzchefin Kathrin Dahnke. Das Oberhaupt der zehntreichsten Industriellenfamilie Deutschlands hält immer wieder bunte Listen in die Höhe. Auf ihnen haben Mitarbeiter minutiös die Wochenergebnisse von Werhahns 197 konsolidierten und assoziierten Einzelfirmen notiert. Die Einträge reichen vom Solinger Messerhersteller Zwilling bis zum Baustofflieferanten Basalt AG. Auch ein Friseurbedarf und Finanzdienstleister wie Abcfinance oder die Bank 11 sind vermerkt.
Herr Werhahn, wo werden Sie künftig investieren?
Wir wollen perspektivisch, dass die drei Unternehmensbereiche Baustoffe, Konsumgüter und Finanzen zu rund je einem Drittel zum operativen Ergebnis (Ebita) beitragen. Das heißt, dass wir die Unternehmensbereiche Konsumgüter und Finanzdienstleistungen deutlich ausbauen wollen.
Mit welchem Zweck?
Die damit einhergehende Ergebnis- und Wertsteigerung soll der zunehmenden Zahl der Gesellschafter Rechnung tragen. Wir haben ein Jahrzehnt mit nur moderatem Wachstum hinter uns. Jetzt wird es dynamischer.
Das muss es auch, damit die Ausschüttung für 409 Gesellschafter auch reicht.
Die Regel lautet, dass der überwiegende Teil im Unternehmen bleibt. Ich kann mich aber nicht entsinnen, dass in den letzten 20 Jahren keine Ausschüttung vorgenommen wurde.
Investieren Sie auch in ganz neue Geschäftsbereiche?
Dahnke: Wir sehen in den bestehenden Geschäftsbereichen genügend Wachstum. Man bleibt besser bei dem, was man kennt.
Werhahn: Wir wollen auch durch Übernahmen wachsen, die Bilanz gibt größere expansive Schritte her. Zwilling ist da sicherlich ein Schwerpunkt. Wir wollen möglichst nah bei den bestehenden Geschäften bleiben. Das Arbeitsgebiet ist jeweils groß genug.
In welchem Zeitraum planen Sie hier Übernahmen?
Bis 2020 haben wir uns einiges vorgenommen.
Wie viel Geld sehen Sie für Zukäufe vor?
Dazu machen wir keine Angaben.
Innovationen und der Trend zu Digitalem sind bislang in Ihrem Firmenportfolio nicht sichtbar ...
Unser Konsumgüterbereich steht dabei ganz vorne. Wir haben gerade eine neue Website mit einem Onlineshop gelauncht. Dazu gibt es Applikationen für alle Smartphones. Auch im Finanzdienstleistungsbereich bieten wir unseren mittelständischen Kunden Online-Portallösungen an.
Investieren Sie künftig erstmals in Start-ups?
Bei uns gibt es dazu Überlegungen. Die sind aber noch nicht spruchreif. Unser Ansatz ist eher, dass wir uns in den bekannten Bereichen umtun.
Zurzeit erleben die Finanz-Start-ups einen Boom, auch im Bereich Leasing. Haben Sie da auch Pläne?
An dem Thema sind wir dran. Mehr können wir Ihnen jetzt nicht sagen.
Laut Geschäftsbericht für 2014 erwarten Sie aber in vielen Bereichen Rückgänge in diesem Jahr …
Die ersten Monate sind sehr erfreulich angelaufen. Aber – das Jahr ist noch nicht zu Ende.
Ihr größter Geschäftsbereich, die Basalt AG, schwächelt. Wie soll der Befreiungsschlag aussehen?
Wir haben 2014 das fünftbeste Ergebnis erzielt und das beste nach der Finanz- und Wirtschaftskrise. Man muss auf die Bedingungen im Umfeld achten. Wir sind zufrieden.
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Foto: HandelsblattUnseren Informationen zufolge bereitet das Naturstein-Geschäft in Russland Probleme. Das Geschäft soll schlecht aufgebaut sein.
Wir hatten uns vor Jahren entschieden, im Bereich Natursteine auch ins Ausland zu expandieren. Russland hatten wir unter anderem als rohstoffreiches Land mit Nachholbedarf in der Infrastruktur identifiziert. Wir haben den ersten Standort am Onegasee als Greenfield Operation aufgebaut und dort Maschinen und Anlagen eingesetzt, die wir auch hier in Deutschland einsetzen. Das betrifft auch unsere Standards im Umweltschutz.
Und damit liefen dann die Kosten aus dem Ruder?
Manchmal dauert das Ans-Laufen-Bringen bei solchen Projekten länger. Wir schreiben unsere Anlagen innerhalb von acht bis zehn Jahren ab. Nach dem ersten guten Halbjahr 2014, in dem wir eine sehr gute Entwicklung in Produktion und Versand hatten, kam dann die Russland-Krise. Wir werden davon in diesem Jahr mehr betroffen sein.
Wie sehr betrifft Sie die Russland-Krise?
Die öffentlichen Haushalte in Russland sparen. Wir reagieren darauf und passen unsere Kapazitäten dieser Situation an. Auch im Konsumgüterbereich haben wir Produkte für die kaufkräftige Mittelschicht in Russland. Allerdings erwirtschaften wir weniger als fünf Prozent vom Zwilling-Umsatz in Russland.
Auch in Deutschland wächst Zwilling nicht mehr so stark. Wie wollen Sie den Heimatmarkt zurückerobern?
Dahnke: Wir wachsen in Deutschland stärker als der Wettbewerb. Zweifellos ist China, unser wichtigster Markt, aber im Moment der Wachstumstreiber.
Auf der Agenda steht bei Ihnen ein Verkauf der Friseur-Aktivitäten. Ist er zu klein, oder warum wollen Sie ihn verkaufen?
Es gibt keine Verkaufsentscheidung.
Laut Berichten gibt es Unfrieden zwischen den Werhahn-Stämmen.
Wir wollen das Denken in Stämmen überwinden. Die Familie ist im Unternehmen willkommen, und wir werben darum. Außer mir sind noch vier Familienmitglieder im Unternehmen tätig. Drei sind unmittelbar in der nächsten Führungsebene. Einer arbeitet in der zweiten Führungsebene. Wir bieten zudem Praktika für die jüngeren Familienmitglieder an.
Herr Werhahn, Frau Dahnke, vielen Dank für das Interview.