Inflationsfolgen: Deutsche sparen in Energiekrise an Bio-Lebensmitteln – erste Märkte insolvent
Die Deutschen kaufen weiter Bio-Lebensmittel ein, aber wechseln auf günstigere Produkte. Darunter leiden Markenanbieter und Fachhändler.
Foto: nenetus - stock.adobe.comDüsseldorf. Unternehmerin Nicola Baumgartner wandte sich Ende Juli mit einem Post an ihre Kunden: „Wir brauchen deine Hilfe! Denn die Krise hat Shuyao Teekultur voll erwischt ... Ich musste Insolvenz anmelden, so kurz vor unserem 16. Geburtstag.“
Shuyao aus Düsseldorf verkauft Bio-Tees und nachhaltige Trinkbecher „made in Germany“. Die Hälfte der 19 Mitarbeiter sind Menschen mit Behinderung, die nur schwer auf dem Arbeitsmarkt unterkommen. Deshalb wurde Shuyao vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales 2020 mit dem „Inklusionspreis der deutschen Wirtschaft“ ausgezeichnet.
Doch nun haben Inflation und Spartrieb der Konsumenten die Geschäfte einbrechen lassen. Der Umsatz im Webshop ging um die Hälfte zurück. „In Zeiten von Inflation gönnen sich die Deutschen weiter ihren Urlaub, zu Hause dann sparen viele an hochwertigen, nachhaltigen Lebensmitteln. Wir haben unsere Preise nicht erhöht, aber schließlich gibt es günstigeren Bio-Tee im Beutel“, sagt Baumgartner, die Shuyao zur Teemarke Nummer eins im deutschen Teleshopping aufgebaut hatte.
Inflation: Superbiomarkt und Reformhaus-Kette Bacher insolvent
Shuyao ist kein Einzelfall. Markenhersteller und Fachhändler nachhaltig produzierter Lebensmittel geraten in Existenznot, weil die Deutschen am guten Gewissen sparen. So meldete die Reformhauskette Bacher Ende Juli Insolvenz in Eigenverwaltung an. Das Familienunternehmen aus Düsseldorf hat bundesweit mehr als 100 Filialen.