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Lee Jae-yongSamsung-Enkel in Handschellen

Dem Konzernchef wird unter anderem Bestechung vorgeworfen. Eigentlich aber geht es um einen viel größeren Fall in Südkorea: die Amtsenthebung von Staatspräsidentin Park Geun-hye. Lee soll Beweise liefern.Martin Kölling 19.02.2017 - 18:39 Uhr Artikel anhören

Die Vorwürfe wiegen schwer: Unter anderem Bestechung und Veruntreuung.

Foto: Reuters

Tokio. Viele Chefs südkoreanischer Familienkonzerne haben schon Gefängnisse von innen gesehen. Das gilt nun auch für Südkoreas größte Firmengruppe Samsung, vor allem bekannt für seine Handys und Fernseher: Die Hände in Handschellen, einen Strick um den Bauch und am Revers die Nummer 3256 – wie ein Schwerverbrecher ist Lee Jae-yong, der faktische Chef von Südkoreas größter Firmengruppe, am Sonntag zum Verhör geführt worden.

Die Vorwürfe wiegen schwer: Bestechung, Falschaussage, Veruntreuung, Verstecken von Vermögen im Ausland und die Verschleierung illegaler Gewinne. Dabei galt der zurückhaltende 48-jährige Enkel des Firmengründers lange als Symbol für ein modernes, sauberes Samsung. Doch die Richter am Zentralen Bezirksgericht der Hauptstadt Seoul gaben dem zweiten Haftantrag eines Sonderermittlungsausschusses gegen Lee statt. Neue Beweise machten dies notwendig, begründeten sie den Schritt. Dabei ist Lee eigentlich nur Kollateralschaden in einem viel größeren Fall: der Amtsenthebung von Präsidentin Park Geun-hye.

Park wurde im Dezember 2016 vom Parlament des Amtes enthoben und wartet nun auf das endgültige Urteil des Obersten Gerichtshof. Ihr wurde nicht nur vorgeworfen, ihre Freundin Choi Soon-sil als heimliche Beraterin beschäftigt zu haben. Sie soll auch die größten Familienkonglomerate des Landes um Spenden für Stiftungen und Organisationen Chois gebeten haben. Lee soll den Ermittlern nun die Beweise liefern, den Fall gegen Park wasserdicht zu machen.

Seine Firmengruppe habe laut den Ermittlern umgerechnet 35 Millionen Euro an Choi gezahlt oder in Aussicht gestellt. Strittig ist aber, ob dies Bestechung ist. Lee hat bisher beteuert, dass Samsung damit einer Bitte der Regierung nachgekommen sei und keine Gegenleistungen erwartet habe. Dies ist nicht unplausibel in der Korea AG. „Falls wir Nein gesagt hätten, wären wir vielleicht bei der Steuerprüfung schikaniert worden“, rechtfertigt sich ein anderer Patriarch.

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Die Sonderermittler wollen belegen, dass Choi Samsung sehr speziell gedankt hat. Sie soll den Nationalen Pensionsfonds gedrängt haben, im Jahr 2015 eine umstrittene Fusion von zwei Firmen der Samsung-Gruppe zu unterstützen. Durch die sicherte sich Lee nach dem Herzanfall seines Vaters in der Gruppe wie im Flaggschiff Samsung Electronics das Sagen. Denn der Senior ist zwar offiziell noch Samsungs Chairman, aber seit fast drei Jahren handlungsunfähig. Aktionäre des Baukonzerns Samsung C&T liefen gegen den Deal Sturm. Denn in ihren Augen wurde ihre Firma zugunsten von Lees heimlicher Holding Cheil Industries drastisch unterbewertet.

Beobachter wollen nicht ausschließen, dass sich der Pensionsfonds tatsächlich auf amtlichen Druck hinter den Deal gestellt hat. „Für die Sicherung ihrer Macht müssen die Familien an den Rand des Erlaubten gehen“, meint ein Experte. Oder womöglich etwas darüber hinaus.

Bei Samsung sitzt der Schock tief. Die Anleger wiederum nahmen Lees Verhaftung gelassen auf. Samsungs Aktie sank am Freitag nur um 0,4 Prozent. Einerseits hätten auch andere Konglomerate nicht durch die Verhaftung ihres Chefs gelitten, erklärt Samsung-Experte Chang Sea-jin, Professor an der Nationalen Universität Singapur. Andererseits würden die Geschäfte von angestellten Topmanagern geführt. Die Anleger glauben offenbar, dass der Konzern auch ohne Lee vorerst auf Wachstumskurs bleibt. Für ihn ist das vielleicht ein Trost.

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