Consulting: McKinsey, BCG, Accenture: Beratungen ziehen sich aus Russland zurück
Die drei Wirtschaftsberatungen überdenken ihr Russland-Geschäft.
Foto: HandelsblattDüsseldorf. Einige der weltgrößten Strategieberatungen setzen ihr Russlandgeschäft aus. Am Donnerstag gaben McKinsey, die Boston Consulting Group (BCG) und Accenture bekannt, dass sie ihre Aktivitäten im Land deutlich zurückfahren oder sogar komplett aussetzen werden.
Die Botschaft ist auch eine Reaktion auf wachsende interne Kritik an McKinseys Engagement in Russland. Noch am Sonntag hatte Sternfels via Linkedin erklärt, man werde die Kreml-Regierung nicht mehr beraten. Allerdings ließ er offen, ob damit auch staatliche oder teilstaatliche Unternehmen wie die Energiekonzerne Gazprom oder Rosneft gemeint sind – was für Unmut im eigenen Unternehmen sorgte.
McKinsey ist seit fast 30 Jahren in Russland aktiv und betreut laut dem US-Wirtschaftsdienst Bloomberg 21 der 30 größten Unternehmen des Landes. Insgesamt beschäftigt das Beratungshaus etwa 700 Mitarbeiter dort. Eine Sprecherin sagte dem Handelsblatt, die Mitarbeiter würden nach Auslaufen bestehender Mandate auf andere Projekte in anderen Märkten gesetzt. Die Berater könnten ihrer Arbeit jedoch weiter aus Russland nachgehen.
Ähnlich will es BCG handhaben, die Nummer zwei der Branche. „Wir werden keine neue Arbeit annehmen“, erklärte Weltchef Christoph Schweizer in einem Statement. Noch vor ein paar Tagen hatte der deutsche Manager lediglich erklärt, man werde das gesamte Portfolio der Arbeit in Russland kritisch prüfen.
„Big Four“ geraten unter Handlungsdruck
BCG will seinen Moskauer Standort beibehalten. Man fühle sich den Mitarbeitern verpflichtet, schreibt Schweizer in einer internen Mail, die dem Handelsblatt vorliegt. „Wir als BCG mussten unseren Wunsch nach einer mutigen Haltung – passend zu unseren Werten – in Einklang bringen mit unserem Engagement für unsere 400 BCG-Mitarbeiter in Moskau.“ Ähnlich wie bei McKinsey werden auch bei BCG sukzessive Berater auf andere Projekte außerhalb Russlands gesetzt, sobald ihre aktuellen Tätigkeiten auslaufen.
Verglichen damit ist der Exit von Accenture deutlich härter. Laut „Financial Times“ seien die Mitarbeiter bis zu ihrer Kündigungsfrist freigestellt und bekämen „großzügige“ Abfindungen angeboten. Accenture beschäftigt 2300 Menschen in Russland.
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Der Einmarsch in die Ukraine hat zu einer Massenabwanderung internationaler Unternehmen aus Russland geführt. Accenture, BCG und McKinsey reihen sich in eine Liste von Firmen ein, die ihr Geschäft in der vergangenen Woche zurückgefahren oder ausgesetzt haben.
Gerade große internationale Beratungen und Wirtschaftsprüfungen sind jedoch tief verflochten mit den größten Unternehmen in ihren Märkten und leben von der Nähe zu den wichtigsten wirtschaftlichen Spielern in einer Region. Der Rückzug der drei Branchenschwergewichte dürfte daher massiv den Druck auf andere internationale Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften erhöhen – darunter auch die vier größten Wirtschaftsprüfer EY, Deloitte, KPMG und PwC.
Am Mittwoch hatte Deloitte als erster der „Big Four“ mitgeteilt, man überprüfe sein Russlandgeschäft und die Präsenz vor Ort. Es dürften weitere folgen.