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EY-Analyse Amazon, PSA, Total: Investoren sind dem Standort Deutschland auch in der Krise treu

Ausländische Unternehmen haben im Corona-Jahr deutlich weniger in Europa investiert. Doch Deutschland kam glimpflich davon. Das hat gute Gründe.
07.06.2021 - 00:01 Uhr Kommentieren
Der Online-Handler errichtete in Oelde, Kaiserslautern, Gera und Gersthofen neue Logistikzentren oder erweiterte bestehende und schuf so 4300 neue Arbeitsplätze. Quelle: dpa
Amazon-Logistikzentrum

Der Online-Handler errichtete in Oelde, Kaiserslautern, Gera und Gersthofen neue Logistikzentren oder erweiterte bestehende und schuf so 4300 neue Arbeitsplätze.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Geschlossene Grenzen, unterbrochene Lieferketten, Stillstand der Wirtschaft, Gewinneinbrüche: 2020 waren die Voraussetzungen für die Firmen denkbar schlecht, um im Ausland in neue Produktionsstätten und Dienstleistungszentren zu investieren.

Daran gemessen hielt sich Europas größte Volkswirtschaft gut: Die von ausländischen Unternehmen in Deutschland angekündigten Investitionsprojekte schrumpften im Vergleich zum Vorjahr „nur“ um vier Prozent auf 930. Das zeigt eine Analyse der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY. Dabei wurden nur Projekte erfasst, die zu neuen Standorten und Arbeitsplätzen führen – bloße Übernahmen blieben außen vor.

Deutlich härter traf es viele andere Länder wie Großbritannien und Frankreich – mit Rückgängen um jeweils mehr als zehn Prozent.

Europaweit kündigten ausländische Investoren 5578 Investitionsprojekte an. Das waren 13 Prozent weniger als im Jahr davor – ein Negativrekord. Selbst im Krisenjahr 2009, als die Wirtschaft ähnlich stark wie 2020 eingebrochen war, gingen die Investitionen „nur“ um elf Prozent zurück.

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Standort erkennen

    Deutsche Unternehmen fuhren dagegen ihre Ausgaben zurück: Sie investierten insgesamt in 603 Projekte im europäischen Ausland. Das waren elf Prozent weniger als im Vorjahr. Dennoch belegen deutsche Unternehmen damit hinter US-amerikanischen und weit vor britischen Unternehmen erneut den zweiten Platz im Investorenranking.

    Hauptinvestitionsziel deutscher Unternehmen im europäischen Ausland war im vergangenen Jahr Frankreich mit 159 Projekten. Mit einigem Abstand folgen Großbritannien (64) und Spanien (60).

    Amazon schafft neue Arbeitsplätze

    Zu den großen Investoren in Deutschland zählte einmal mehr Amazon. Der amerikanische Online-Handler errichtete unter anderem in Oelde, Kaiserslautern, Gera und Gersthofen neue Logistikzentren oder erweiterte bereits bestehende und schuf so 4300 neue Arbeitsplätze.

    Der größte Einzelinvestor kam 2020 aus der Automobilbranche: Der Peugeot-Hersteller PSA mit seiner deutschen Tochter Opel investierte gemeinsam mit dem Ölkonzern Total in Kaiserslautern mehr als fünf Milliarden Euro in den Aufbau einer Batteriefertigung. Dabei entstehen 2000 neue Arbeitsplätze. Frankreich und Deutschland fördern das Vorhaben mit insgesamt 1,3 Milliarden Euro.

    Grafik

    Den insgesamt überschaubaren Rückgang bei der Zahl der ausländischen Investitionen in Deutschland wertet EY-Deutschlandchef Henrik Ahlers als Zeichen eines großen Vertrauens in die Wettbewerbsfähigkeit. Die Coronakrise habe zwar im Frühjahr zu einer Art Schockstarre geführt – samt massiven Sparmaßnahmen und einem vorübergehenden Stopp vieler Investitionsprojekte. „Aber schon in der zweiten Jahreshälfte kam die Wirtschaft vielerorts wieder in Gang und das Investitionsumfeld verbesserte sich erheblich.“

    Dass Deutschland anders als die beiden anderen wichtigen Investitionsstandorte Frankreich und Großbritannien geringere Einbußen zu verzeichnen hatte, hat mehrere Ursachen. So sank die Wirtschaftsleistung in Deutschland „nur“ um 4,8 Prozent und damit weniger stark als in Frankreich (–8,1 Prozent) und Großbritannien (–9,9 Prozent).

    Hauptgründe dafür sind die Exportstärke Deutschlands und das starke verarbeitende Gewerbe. Viele Länder, vor allem China und die USA, öffneten sich nach dem ersten Lockdown im vergangenen Frühjahr schneller als Europa. Davon profitierte der Standort Deutschland. Die Exporte zogen rasch wieder an – und mit ihnen kamen die Investoren zurück.

    Darüber hinaus kommt Deutschland seine Lage in der Mitte Europas und die vergleichsweise gute Verkehrsinfrastruktur zugute: So hat sich die Zahl der Logistikprojekte 2020 im Vergleich zum Vorjahr von 63 auf 129 mehr als verdoppelt. Der Standort Deutschland wird damit mehr und mehr zu einem Drehkreuz für West- und Osteuropa.

    Schließlich werden gut ausgebildete Arbeitskräfte und die politische, soziale und rechtliche Sicherheit im Ausland sehr geschätzt. Diese Sichtweise wird durch eine Umfrage der Amerikanischen Handelskammer in Deutschland (AmCham) unter ihren Mitgliedsunternehmen vom Frühjahr untermauert.

    Demnach beurteilen gut 90 Prozent der Befragten das Potenzial als Arbeitsmarkt und die Qualität von Forschung und Entwicklung in Deutschland als gut oder sehr gut. Die Qualität der Fachkräfte und ausgebildeten Mitarbeiter, wozu das duale Ausbildungssystem gehört, wurde sogar von allen Befragten ausnahmslos als gut bewertet.

    Maschinenbau und Autoindustrie fahren Investitionen herunter

    Angesichts der starken Gewinneinbrüche im produzierenden Gewerbe fuhren 2020 vor allem Unternehmen aus dem Maschinenbau und der Autoindustrie ihre Investitionen europaweit deutlich um 21 beziehungsweise 35 Prozent herunter. Pharmaunternehmen hingegen bauten ihre Kapazitäten kräftig aus: Die Investitionen stiegen europaweit um 62 Prozent. Dieser Boom dürfte sich nach EY-Prognosen im laufenden Jahr fortsetzen.

    Bemerkenswert ist die Zweiteilung in der zukunftsträchtigen IT- und Softwarebranche: Europaweit sank die Zahl der Investitionsprojekte um 14 Prozent auf 1046, in Deutschland gab es dagegen einen Anstieg um 13 Prozent auf 164 Projekte.

    Eines der herausragenden Projekte kommt von Alphabet und seiner Tochter Google. Um seinen Standort in München auszubauen, hat der amerikanische IT-Konzern das Gelände des Postpalasts an der Hackerbrücke gekauft. Zu den bereits 1000 Beschäftigten sollen weitere 1500 Mitarbeiter hinzukommen, um am firmeneigenen Browser und an Datenschutz-Details zu arbeiten.

    EY-Deutschlandchef Ahlers rechnet mittelfristig mit einer noch größeren Bedeutung IT-bezogener Investitionen: „Die Pandemie hat bestehende Schwachstellen im Bereich der Digitalisierung gnadenlos offengelegt.“

    Wer in der Krise 2020 auf analoge Kommunikation und Geschäftsmodelle gesetzt hat – ob in den Unternehmen oder in der öffentlichen Verwaltung –, bekam in Lockdown-Zeiten oftmals erhebliche Probleme. Das dürfte sich künftig in stärkeren IT-Investitionen widerspiegeln.

    Mehr: Deutsche Konzerne erholen sich schneller als erwartet

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