„Führungskräfte-Radar“: Ein Drittel aller Manager hadert mit der eigenen Führungsrolle
Sind Manager überlastet, färbt das oft auch auf die Mitarbeiter ab.
Foto: obs/BG ETEM/Creatas ImagesDüsseldorf. Deutschlands Unternehmen haben ein Problem in ihren Führungsetagen – und zwar sind es die Manager selbst. Oder genauer gesagt: ihre Einstellung und ihr Grad an Zuversicht.
Denn fast ein Drittel aller Führungskräfte hadert massiv mit sich und der eigenen Rolle. Vor allem junge Manager plagen große Selbstzweifel. Das zeigt der aktuelle „Führungskräfte-Radar“ der Bertelsmann Stiftung, den die Denkfabrik in Zusammenarbeit mit dem Reinhard-Mohn-Institut für Unternehmensführung (RMI) an der Universität Witten/Herdecke erstellt hat.
Danach urteilt jede fünfte Führungskraft, dass sie den eigenen Ansprüchen im Job nicht gerecht werde. Und gut 25 Prozent der Befragten stimmen sogar der Aussage zu, dass sie einen höheren Beitrag zu einer Gruppe leisten würden, wenn diese nicht von ihnen, sondern von jemand anderem geführt würde.
„Dieser Befund stellt ein gravierendes Problem für Unternehmen dar“, heißt es in dem Bericht, der dem Handelsblatt vorab vorlag. Denn, so begründen es die Autoren: Unsichere Manager würden seltener ihre Ziele erreichen und bei Mitarbeitern schlechter mit ihren Botschaften durchdringen. „Führungszweifel gehen mit geringerer Führungswirkung einher“, schreiben die Autoren.
An der repräsentativen Befragung haben rund 1.000 Führungskräfte in Deutschland teilgenommen.
Junge Führungskräfte besonders betroffen
Besonders tief scheinen die Selbstzweifel in der Generation Y (Geburtsjahrgänge 1980 bis 2001) verwurzelt zu sein. Dort hadern fast 44 Prozent der befragten Führungskräfte mit sich und ihrer Aufgabe. Am selbstsichersten hingegen sind der Umfrage zufolge die sogenannten Baby Boomer (Geburtsjahrgänge 1946 bis 1964). Hier gaben nur 21 Prozent hohe Führungszweifel an.
Einen großen Unterschied zwischen Männern und Frauen konnte die Studie in Sachen Selbstzweifel nicht feststellen. Auch die Größe des Unternehmens spielte eine eher untergeordnete Rolle.
Begründet wird die erstaunliche Verunsicherung der Managerriege mit mangelnder Klarheit und zu großen bürokratischen und formalen Hürden beim Erledigen der eigenen Aufgaben.
Was der „Führungskräfte-Radar“ auch aufzeigt: Die hohe Belastung der Manager färbt oft negativ auf die Produktivität und Zufriedenheit der Mitarbeiter ab. So gaben rund 45 Prozent der stark belasteten Führungskräfte an, dass sie gegenüber ihren Mitarbeitern eine eher skeptische Grundhaltung einnehmen. Bei den weniger belasteten Managern bejahten diese Frage nur 16,4 Prozent. Wirklich stark motivieren dürften solche Chefs ihre Teams wohl kaum.
„Führungskräfte selbst brauchen motivierende und unterstützende Bedingungen, um wirksam zu führen und eine kreative und innovative Arbeitsatmosphäre für ihre Teams zu schaffen, sowie Veränderungen umzusetzen“, sagt Liz Mohn, stellvertretende Vorsitzende des Vorstandes der Bertelsmann Stiftung.
Die Studienmacher geben daher folgende Tipps, wie Unternehmen verunsicherten Führungskräften helfen können:
- In Entwicklungsgesprächen sollte das Belastungsthema offen angesprochen werden.
- Gegebenenfalls kann verunsicherten Führungskräften über die Personalabteilung mit Workshops und Coachings Unterstützung angeboten werden.
- Die Bedingungen der Manager sollten regelmäßig – am besten halbjährlich oder quartalsweise – überprüft werden: Wo lassen sich Unklarheiten beseitigen? Wo Bürokratie abbauen?
- Im Mittelmanagement können die Vorgesetzten auf der Ebene darüber Vorbildfunktionen einnehmen – und daran appellieren, an sich selbst zu arbeiten.
- Wer jedoch dauerhaft unter der eigenen Rolle als Manager leide, müsse sich im Zweifel aus der Verantwortung herausnehmen – und andere Aufgaben wahrnehmen, schreiben die Studienautoren.
Dass Führung für viele Manager alles andere als ein Traumberuf ist, zeigt auch regelmäßig das Manager-Barometer, das die Personalberatung Odgers Berndtson exklusiv in Kooperation mit dem Handelsblatt einmal im Jahr erstellt.
An Spaß und Sinnhaftigkeit mangelt es vielen Managern
Demnach gaben bei der vergangenen Befragung nur gut 55 Prozent an, dass sie Freude an ihrer Aufgabe als Führungskraft haben. 52 Prozent sehen eine Sinnhaftigkeit in ihrer Führungsaufgabe oder dem Unternehmenszweck. Das bedeutet im Umkehrschluss: Fast der Hälfte der Manager mangelt es an dieser Sinnhaftigkeit.
„Führung wird immer individueller, situativer und anspruchsvoller“, erklärt Markus Trost, Partner bei Odgers Berndtson und Leiter des Manager-Barometers. „Die sich ständig weiterentwickelnden Anforderungen an die Kundenbedürfnisse machen es zum Beispiel erforderlich, agiler zu führen und Zwischenziele immer wieder neu abzustimmen.“
Das werde vor allem dann von Führungskräften als belastend empfunden, wenn die Grundmotivation im Unternehmen ohnehin auf einem niedrigen Niveau ist „und damit permanent Führungsleistung in die Motivation investiert werden muss“, sagt Trost.