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Kevin Mayer TikTok statt Disney: Jobwechsel nach China wird zu Politikum

Topmanager Kevin Mayer wechselt vom amerikanischsten aller Konzerne zu Chinas heißestem Start-up: Doch dem neuen Chef von TikTok schlägt bereits das Misstrauen der US-Politik entgegen.
19.05.2020 - 07:44 Uhr Kommentieren
Mayer hat dem Streamingdienst Disney+ zu einem erfolgreichen Start verholfen. Quelle: Getty Images
Kevin Mayer

Mayer hat dem Streamingdienst Disney+ zu einem erfolgreichen Start verholfen.

(Foto: Getty Images)

San Francisco Kevin Mayers Jobwechsel ist gerade erst bekannt geworden, da hat der Manager schon eine inoffizielle Vorladung vor den US-Senat bekommen. Der glühende China-Kritiker und Republikaner Josh Hawley schrieb auf Twitter an Mayers Adresse, sein neuer Arbeitgeber habe sich bislang geweigert, Top-Manager zur Anhörung nach Washington zu schicken. Aber Mayer lebe ja in den USA und könne sich einer Befragung unter Eid kaum entziehen.

Dass die berufliche Veränderung des 58-jährigen Mayer hochpolitisch ist, erschließt sich erst auf den zweiten Blick. Bislang leitete der Ingenieur das Streaming-Geschäft von Disney. Künftig führt er TikTok, die erfolgreiche Kurzvideo-App, die mit Instagram und Snapchat um die Aufmerksamkeit von Teenagern buhlt. Doch TikTok gehört dem in Peking ansässigen Digitalkonzern Bytedance. Ausgerechnet China. Ausgerechnet Disney.

Kein Konzern verkörpert Amerikas Selbstbild von der anständigen, einfallsreichen und, wenn nötig, zu Heldentaten fähigen „leuchtenden Stadt auf einem Hügel“ wie Disney. Selbst „Captain America“ gehört zu seinem reichen Arsenal beliebter Helden, seit der weltgrößte Unterhaltungskonzern 2009 Marvel übernahm – ein Deal, den Mayer wie so viele andere einfädelte. Als langjähriger Strategiechef von CEO Bob Iger prägte Mayer den Umbau der Walt Disney Company zur dominanten Macht an der Kinokasse und dem Merchandise-Regal.

Zuletzt managte er den erfolgreichen Start des hauseigenen Streamingdienstes Disney+, aktuell der einzige Lichtblick im schwer unter der Coronakrise leidenden Konzern. Seine Nachfolgerin wird Rebecca Campbell, die seit 23 Jahren in verschiedenen Sparten für den Entertainment-Riesen arbeitet.

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    Die meisten Disney-Kenner hatten auf Mayer als Igers Nachfolger gesetzt. Als der im Februar überraschend seinen Rückzug auf den neuen Posten des Executive Chairman bekanntgab, folgte ihm aber nicht Mayer, sondern Bob Chapek nach, der die „Disneyland“-Parks geführt hatte.

    Dass Mayer bleiben würde, war schon damals unwahrscheinlich – nicht nur gilt der Harvard-MBA als fordernd, direkt und bis in die Haarspitzen ambitioniert. Disney hat auch eine Historie hässlicher Nachfolgekämpfe – „Disney-Krieg“ heißt ein berühmtes Buch über die Kabale im „House of Mouse“ unter Iger-Vorgänger Michael Eisner.

    Kulturkampf statt „Disney-Krieg“

    Statt in einen „Disney-Krieg“ gerät Mayer nun in einen Kulturkampf. TikTok ist die erste App aus China, die in den USA und Europa die Massen begeistert. Junge Menschen stellen 15-Sekunden-Clips auf TikTok, in denen sie singen, tanzen oder Witze reißen. Anders als auf Instagram oder Snapchat kann jeder jeden sehen. Ein Algorithmus spielt eine ewige Folge von Videos aus, die quasi den Fernseher ersetzt. Seit einigen Jahren zählt TikTok bereits zu den meist heruntergeladenen Apps der Welt, mehr als 800 Millionen Menschen weltweit sollen den Dienst regelmäßig nutzen.

    Der Erfolg nährt aber auch das Misstrauen amerikanischer Politiker, die Zensur und Datenabfluss nach China fürchten. Die US-Regierung untersucht seit November, ob TikTok die nationale Sicherheit der USA bedroht.

    Zwar beteuert Bytedance, dass TikTok und ihr nur in China verfügbares Äquivalent Douyin komplett getrennt sind und keine Nutzerdaten aus dem Westen chinesische Server erreichen. Selbst eine organisatorische Abspaltung von TikTok als eigenes Unternehmen soll Bytedance-Gründer Zhang Yiming bereits angedacht haben.

    Doch Hawley will TikTok aus den USA verjagen – im März hat er ein Gesetz eingebracht, das öffentlichen Angestellten in den USA den Download der App verbietet. Die Gelegenheit für drastische Maßnahmen ist günstig: Seit der Corona-Pandemie, die in China ihren Ursprung nahm, sind die sino-amerikanischen Beziehungen so schlecht wie lange nicht mehr.

    In dieser Weltlage wird Mayer TikTok-Chef und Chief Operating Officer von Bytedance, das mit 75 Milliarden Dollar wertvollste Start-up der Welt. Als Stratege und Dealmaker ist Mayer erfahrener als fast jeder andere im Entertainment-Geschäft. Im Gespräch mit der „New York Times“ nennt er Computerspiele und Musik als zwei Bereiche, in die TikTok expandieren könnte. Mit seinen Lip-Sync- und Tanzvideos ist TikTok schon heute wichtig für das Marketing neuer Songs, doch hat bislang schwierige Beziehungen mit den großen Musiklabels.

    Rechteverhandlungen kennt Disneys Ex-Streamingchef bestens – es werden kaum die schwierigsten Gespräche in seinem neuen Job sein.

    Mehr: Kevin Mayer im Interview – „Deutsche lieben Star Wars“

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