Leadership: Schwere Zeiten, starke Männer? – Die riskante Sehnsucht nach der harten Hand
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Düsseldorf. Der Bizeps spannt unter dem T-Shirt, der Blick geht nach vorn, die Faust drischt auf einen Boxsack ein. Die Welt verfolgt diese Szene aus dem Leben von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron in Schwarz-Weiß. Der Effekt ist da noch größer als in Farbe. Ein Macher, der sich durchboxt. Ein Mann, der angeht, was sich ihm in den Weg stellt. Das ist die Botschaft, die der innenpolitisch in Bedrängnis geratene Staatschef per Bild da vor wenigen Tagen an die Nation sendet.
Es ist eine ungewöhnliche Pose für einen demokratischen Staatschef. Aber die französische Verfassung meint es ja gut mit jenen Präsidenten, die ihr Selbstbewusstsein nicht verstecken wollen. In bester napoleonischer Tradition kann sich der Mann an der Spitze der Grande Nation manche Extravaganz leisten.
Da hat es ein deutscher Bundeskanzler schon schwerer. Aber auch Olaf Scholz versucht sich in diesen Wochen als starker Anführer, der sagt, wo es langgeht. Kritisiert man den Regierungsleiter etwa wegen seiner Weigerung, der Ukraine Marschflugkörper vom Typ Taurus zu liefern, antwortet er neuerdings: „Ich bin der Kanzler, und deshalb gilt das.“