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Leasing-UnternehmenGrenke-Chefin Leminsky tritt zurück – Nachfolger steht schon fest

Im vergangenen Jahr war Grenke wegen seines Geschäftsmodells in die Kritik geraten. Nun verlässt die Vorstandsvorsitzende Antje Leminsky nach acht Jahren das Unternehmen.Felix Holtermann, René Bender 15.06.2021 - 14:10 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Die Chefin von Grenke räumt ihren Posten Ende Juni aus „aus persönlichen Gründen“.

Foto: Grenke AG

Frankfurt, Baden-Baden. Beim krisengeschüttelten Leasingspezialisten Grenke aus Baden-Baden kehrt weiter keine Ruhe ein. Am Montagabend gab das Unternehmen überraschend den baldigen Abgang seiner mehrjährigen Chefin bekannt.

Antje Leminsky habe sich aus persönlichen Gründen entschieden, nach acht Jahren im Vorstand, davon drei Jahre als Vorstandsvorsitzende, das Unternehmen zum 30. Juni 2021 zu verlassen, hieß es. „Der Aufsichtsrat dankt Frau Leminsky für ihre wertvolle Arbeit in den letzten Jahren. Wir bedauern sehr, dass sie Grenke verlassen wird“, wurde Aufsichtsratschef Ernst-Moritz Lipp in einer Mitteilung zitiert.

„Acht Jahre lang war ich Mitglied im Vorstand der Grenke AG“, erklärte Leminsky. „Unser letzter Jahres- und Konzernabschluss zeigt, dass wir auch das Krisenjahr 2020 gut gemeistert haben.“

Grenke war im vergangenen Jahr wegen seines Geschäftsmodells und des Umgangs mit Franchise-Gesellschaften in die Kritik geraten. Seitdem versuchte das Unternehmen, die Vorwürfe zu entkräften. Die Finanzaufsicht Bafin initiierte eine Sonderprüfung. Mitte Mai 2021 gab Grenke schließlich bekannt, von der Prüfungsgesellschaft KPMG ein uneingeschränktes Testat für den Konzernabschluss 2020 bekommen zu haben.

„Das uneingeschränkte Testat der KPMG, der achtbare Geschäftsverlauf in den ersten Monaten des Jahres 2021 und die nunmehr abgeschlossenen aufsichtlichen Prüfungen untermauern: Die Grenke AG ist resilient“, so Leminsky weiter. Die „wesentlichen Voraussetzungen für eine nachhaltige Vertrauensbasis unserer Investoren, Kunden und Mitarbeiter“ seien geschaffen.

Bei den Anlegern kam die Nachricht nicht gut an. Im nachbörslichen Handel gaben die Grenke-Aktien um mehr als 1,6 Prozent nach, nachdem sie am Montag bereits 1,5 Prozent verloren hatten.

Michael Bücker wird Nachfolger

Aus Finanzkreisen verlautbart, dass keine neuen Erkenntnisse vonseiten der Finanzaufsicht Bafin in Baden-Baden angekommen seien. Der Abtritt von Leminsky habe rein persönliche Gründe. Die Belastung durch die jüngste Situation sei für die Vorstandschefin sehr hoch gewesen.

Dies wiederum dürfte maßgeblich mit der Kritik der von der Bafin mit einer Sonderuntersuchung beauftragten Prüfgesellschaft Mazars zu tun haben, die in den vergangenen Monaten zu einem Dauerdruck auf Leminsky führte. Nach Handelsblatt-Informationen drängte die Bafin nicht auf die Ablösung der Vorstandschefin, jedoch auf eine umfangreiche und tiefgehende Sonderprüfung. Mazars hatte unter anderem das undurchsichtige Franchisesystem von Grenke und nicht öffentlich gemachten Transaktionen mit dem Unternehmen nahestehenden Personen kritisiert – teils auch unter der Ägide von Leminsky.

Dazu soll sich auch das Verhältnis von Leminsky zu ihrem einstigen Förderer und Konzerngründer, Wolfgang Grenke, zuletzt abgekühlt haben, wie aus Insiderkreisen verlautet. Grenke soll sich dabei vor allem in den vergangenen Monaten mit der zunehmenden Emanzipation des Konzerns von seiner Person nicht immer leicht getan haben.

Firmengründer Wolfgang Grenke lässt sein Aufsichtsratsmandat derzeit ruhen, will jedoch seinen Sohn in das Kontrollgremium berufen. Laut einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ vom April hatte sich Wolfgang Grenke kritisch zur aktuellen Konzernführung um Leminsky geäußert. Leminsky hatte die Dissonanzen Ende April als für erledigt erklärt.

Noch Ende Mai hatte Leminsky in einer Pressekonferenz auf die Frage, ob es weitere Veränderungen im Vorstand geben werde, kein entsprechendes Signal gegeben. Man befinde sich mitten in der Vorbereitung der Hauptversammlung und warte auf abschließende Informationen vom Aufsichtsrat, so Leminsky.

Dass Leminsky das Unternehmen auch zukünftig führen will, galt zu dieser Zeit indes im Unternehmen schon längst nicht mehr als ausgemachte Sache, so ein Insider. So habe man sich wohl im Konzern schon mit einer möglichen Nachfolge an der Firmenspitze beschäftigt.

In einem Schreiben an die Mitarbeiter führte Leminsky am Montag aus, das erteilte KPMG-Testat Mitte Mai seien „endlich wieder gute Nachrichten“ gewesen: „Dies war nach langer Zeit der harten Arbeit ein wunderbarer Tag.“ 2020 seien „Corona und ein Shortseller“ gekommen, ein „gewaltige[r] Orkan“. Nun, da die „Familie“ Grenke den „schwersten Kampf“ überstanden habe, sei es Zeit zu gehen.

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Leminsky verwies in dem Mitarbeiterbrief auf erreichte Erfolge, etwa die „Phase extremen Wachstums“ in den vergangenen Jahren. Den Firmengründer erwähnte sie wie folgt: „Für mich persönlich war es ein besonderer Moment, als unser Gründer Wolfgang Grenke sein Lebenswerk übergeben und mir gemeinsam mit unserem Aufsichtsrat das Vertrauen für seine Nachfolge als CEO ausgesprochen hat.“

Leminskys Nachfolger bei Grenke wird zum 1. August Michael Bücker, zuletzt Mitglied des Vorstands der Bayerischen Landesbank. Während der Übergangsphase greifen laut Mitteilung die Vertretungsregelungen innerhalb des Vorstands.

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