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Bürokommunikation Flip: Das WhatsApp für Unternehmen ist plötzlich stark gefragt

Erfahrene Industrieführer trauen dem Start-up den Durchbruch zu. Die Nachfrage jedenfalls steigt gerade in Zeiten von Homeoffice.
18.03.2020 - 07:50 Uhr Kommentieren
Die Flip-Gründer saßen Tür an Tür mit der aktuellen Thyssen-Krupp-Chefin Martina Merz. Quelle: Flip
Benedikt Ilg (r.) und Giacomo Kenner

Die Flip-Gründer saßen Tür an Tür mit der aktuellen Thyssen-Krupp-Chefin Martina Merz.

(Foto: Flip)

Stuttgart Wer bei Flip anfängt, darf sich eine Pflanze aussuchen. Die kommt neben seinen Computer, und der oder die Neue muss sich dann auch darum kümmern − sprich gießen. „Das klappt gut, hilft dem Raumklima und ist ein schöner Kontrast zur virtuellen Welt in den Bildschirmen“, sagt Benedikt Ilg. Der 27-Jährige hat vor zwei Jahren das Start-up Flip gegründet. Der englische Firmenname bedeutet „umdrehen“ gemeint ist: umdenken.

Ilg möchte, dass die Kommunikation in Unternehmen grundlegend anders läuft. So wie bei WhatsApp im Privaten, nur eben rechtssicher über alle Ebenen hinweg vernetzt. Investoren haben den Gründern im Februar 3,6 Millionen Euro anvertraut. Darunter sind Business-Angels wie der BASF-Aufsichtsratsvorsitzende Jürgen Hambrecht oder Kurt Lauk, Oberaufseher des Zuliefergiganten Magna International.

Mit der Beschaulichkeit in den Räumlichkeiten ist es seit vergangenem Freitag vorbei, seit klar ist, dass in fast allen Unternehmen wegen des Coronavirus Homeoffice angesagt ist. Die Firmen suchen händeringend nach Möglichkeiten, ihre Mitarbeiter zeitnah zu erreichen oder, wenn man die gut gefüllten Straßencafés in der Stuttgarter Innenstadt bei Sonne und 20 Grad sieht, ihrer überhaupt habhaft zu werden. „Es geht bei uns ab wie Schmidts Katze. Das Telefon steht nicht mehr still“, sagt Ilg.

Derzeit hat Flip 30 Leute. In diesem Jahr soll sich die Belegschaft verdoppeln. Brauchen könnte Ilg die Spezialisten alle schon jetzt. Hin- und hermailen über die eigenen Server ist zwar für die Unternehmen relativ sicher, war aber schon vor dem Ausbruch des Coronavirus kompliziert und zeitaufwendig.

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    Flip ist ein WhatsApp für Firmen. In Unternehmen sind allerdings in der Regel Messengerdienste sozialer Medien aus Sicherheitsgründen für die interne Kommunikation verboten. Es geht ja schließlich auch um Firmengeheimnisse, die Mitarbeiter austauschen.

    „Wir haben das Sicherheitsproblem gelöst“, versichert Benedikt Ilg. Die Anwendung basiere auf einem DSGVO-konformen Daten- und Arbeitnehmerschutz-Konzept, das mit Experten und Betriebsräten mehrerer Dax-Konzerne gemeinsam validiert worden sei. Auch die „Junge IG Metall“ zählt zu den Kunden. Ein Unternehmen kann mit Flip alle Mitarbeiter simultan erreichen, auch wenn sie wie Produktions- oder Logistikkräfte sowie Außendienstler nicht am PC sitzen, sondern nur ihr Mobiltelefon haben oder eben wie derzeit flächendeckend in der Heimbüro-Quarantäne arbeiten.

    Tipps von der heutigen Thyssen-Krupp-Chefin

    2018 gründeten Benedikt Ilg und Giacomo Kenner Flip in einem sogenannten Coworking-Space mit dem hippen Namen „Code_n Spaces“ im eher tristen Stuttgarter Industriegebiet Fasanenhof, wo Start-ups und erfahrene Wirtschaftslenker ihre Büros Tür an Tür haben. Austausch durchaus erwünscht. Wertvolle Hinweise kamen von der Zimmernachbarin und heutigen Thyssen-Krupp-Chefin Martina Merz. Vor ihrem Fulltime-Engagement bei dem krisengeschüttelten Stahlkonzern hatte sie ihr Büro als Berufs-Aufsichtsrätin direkt neben dem Start-up. Man kam sich näher.

    „Frau Merz hatte sehr gute Tipps für uns“, welche, verrät Ilg nicht. „Wir wuchsen so schnell, dass wir keine Zeit hatten, uns um neue Büroräume zu kümmern. Ehe wir uns versahen, nahmen wir langsam, aber sicher das Büro von Martina Merz ein. Aus der Übernahme des Arbeitsplatzes entwickelte sich schließlich ein freundschaftliches Verhältnis und aus einer Büronachbarin wurde meine Mentorin“, erzählt der Flip-Gründer.

    Aus den besten Funktionalitäten der beliebtesten Social-Media-Apps bastelten die beiden Gründer ihre Unternehmens-App. Auf die Plattform können auch Personalsachen gepackt werden wie Reiseabrechnungen oder Krankmeldungen. Dabei hat jeder Mitarbeiter ein eigenes Profil und ist wie bei Facebook in einer Gruppe, die Informationen und Dokumente austauscht. Es gibt auch die Möglichkeit zu direkter Kommunikation mit nur einer Person. Anders als bei anderen Systemen kann die Kommunikation nicht von Vorgesetzten eingesehen werden. Genauso wie die Vorstandsgruppe auch sicher vor unbefugtem Zugriff ist.

    Es geht bei uns ab wie Schmidts Katze. Das Telefon steht nicht mehr still. Benedikt Ilg, Flip-Gründer und CEO

    Die Idee ist natürlich nicht neu. Große US-Konkurrenten wie Microsoft mit Team oder auch Slack sind schon auf dem Markt. Slack hat von Investoren bereits über eine Milliarde Euro eingesammelt. Die Kalifornier haben erst vor wenigen Monaten eine Niederlassung in München gegründet, um den deutschen Mittelstand mit seinen Familienunternehmen aufzurollen. Aber Ilg lässt sich nicht einschüchtern. Er hat Argumente, die im deutschen Mittelstand verfangen: „Bei uns ist alles in Deutschland gehostet, um optimalen Datenschutz gewähren zu können.“

    Umzug spontan vorgezogen

    Die Geschäftsidee kam Ilg, als er ein duales Studium bei Porsche absolvierte. „Die interne Kommunikation muss doch besser gehen“, dachte Ilg sich damals und begann mit seinem Kumpel Giacomo Kenner zu programmieren. Schnell war klar, dass er die Selbstständigkeit einer sicheren Konzernkarriere vorzieht. Porsche ist erster und noch immer wichtiger Kunde von Flip. Inzwischen vertrauen auch Edeka, Bauhaus und Wüstenrot auf die Schwaben. Auch die Deutsche Telekom gehört zu den Partnern. „Wir freuen uns, Flip in unserem Techboost-Programm zu haben, und bekommen in allen Innovationsworkshops mit unseren Kunden ein sehr positives Feedback über Team und Lösung“, betont Matthias Schievelbusch von der Deutschen Telekom.

    Die entwickelte Standardlösung wird innerhalb einer Woche an die Kundenwünsche angepasst, dann folgt eine Testphase von zwei bis vier Monaten. „Bislang führen dann fast alle Unternehmen Flip ein“, sagt Ilg. Die App wird als Abonnement verkauft und wird pro Nutzer abgerechnet, mit Großkundenrabatt versteht sich. Den genauen Umsatz will Ilg aber nicht verraten. Aber er lag wohl deutlich über einer halben Million Euro im vergangenen Jahr – Tendenz stark steigend.

    Handelsblatt Morning Briefing - Corona Spezial

    Die Hauptinvestoren sind neben den Business-Angels LEA Partners und Cavalry Ventures gemeinsam mit Plug and Play Ventures. „Wir sind überzeugt, dass Flip mit seinem sicheren, leichten und äußerst leistungsfähigen Produkt neue Maßstäbe in diesem noch jungen Markt setzt“, sagt Claude Ritter von Cavalry Ventures.

    Den Umzug in größere Büroräume in Stuttgarts City hat Ilg dieser Tage spontan vorgezogen. „Wir wollten erst im April umziehen, aber wegen Corona dachten wir, das klappt vielleicht dann nicht mehr“, sagt Ilg. Sein Instinkt gab ihm recht. Seit heute arbeiten seine Leute allerdings nicht im neuen Büro, sondern im Homeoffice und natürlich alle verbunden mit Flip. Die offene Frage: Wer gießt jetzt die Pflanzen?

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