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Virus-Auswirkungen Corona wird für Homeoffice-Anbieter zum Härtetest

Das Coronavirus zwingt viele Firmen zu großen Umstellungen. Etablierte Homeoffice-Dienste etwa von Microsoft geraten unter Druck. Aber die Telekomnetze halten.
17.03.2020 Update: 17.03.2020 - 19:19 Uhr Kommentieren
Das Coronavirus stellt die Anbieter auf die Probe. Quelle: dpa
Homeoffice

Das Coronavirus stellt die Anbieter auf die Probe.

(Foto: dpa)

Düsseldorf, Berlin Zahlreiche deutsche Unternehmen haben ihre Mitarbeiter aufgrund der Coronavirus-Pandemie ins Homeoffice geschickt. Tausende sitzen mittlerweile zu Hause im Arbeits- oder Wohnzimmer. Auch Politiker verzichten auf persönliche Treffen und schalten sich aus der Ferne zusammen.

An die Stelle von Meetings und Gesprächen in der Teeküche treten Telefonkonferenzen und Videodienste. Anbieter wie Cisco und Microsoft, Teamviewer und Zoom verzeichnen in diesen Wochen deutlich höhere Zugriffszahlen, was sie mit ihren Gratisangeboten selbst verstärken.

An den ersten Tagen des „Shutdown“, wie die massiven Einschränkungen des öffentlichen Lebens in den sozialen Medien knackig genannt werden, ist es allerdings zu einigen Störungen gekommen. Am Montag war beispielsweise der Kollaborationsdienst Teams von Microsoft in Europa nur bedingt erreichbar. Am Dienstag vermeldete Cisco bei seinem Dienst Webex eine „beeinträchtige Leistung“, vor allem bei der Anwendung Meetings.

Die hohe Last macht sich bemerkbar, wie Microsoft in einer E-Mail an die Kunden unumwunden zugibt: „Um neues Wachstum und neue Nachfrage in diesen beispiellosen Zeiten zu bewältigen“, schränkt der Konzern einige „nicht-essenzielle“ Funktionen zeitweilig ein, heißt es in dem Schreiben, das dem Handelsblatt vorliegt. So wird die Videoauflösung vermindert, zudem prüft das System seltener die Präsenz der Teilnehmer. „Wir erwarten keine signifikanten Auswirkungen für die Nutzererfahrung“, betont Microsoft aber.

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Standort erkennen

    Auch klassische Telefonkonferenzsysteme geraten in diesen Tagen immer wieder an ihre Grenzen. In den sozialen Medien kursieren diverse Berichte, dass Nutzer nicht in der Lage sind, sich einzuwählen: Die Leitungen sind besetzt, viele Teilnehmer bleiben außen vor. Die Systeme sind offenkundig für kleinere Kreise ausgelegt.

    Die Telekommunikationsanbieter betonen, dass sie das erhöhte Volumen an Anrufen und Videokonferenzen bewältigen können. „Alles im grünen Bereich“, sagte ein Sprecher der Deutschen Telekom. Bis zum Dienstag sei auch kein besonders starker Anstieg der Datenvolumen registriert worden. „Es gab gestern kleinere und vereinzelt Störungen. Diese standen oder stehen nicht in Zusammenhang mit Corona“, sagte der Sprecher.

    Der Netzbetreiber Telefónica Deutschland (Marke O2) gab sich ebenfalls gelassen. „Wir sehen im Mobilfunknetz aktuell eine leicht, aber nicht signifikant steigende Datennutzung. Stärker gestiegen ist die Zahl der Telefonate, aber auch das führt zu keiner ungewöhnlichen Netzbelastung“, sagte der Telefónica-Sprecher.

    Einwahlknoten als Schwachstelle

    Die Berichte über Störungen lägen nicht an einer Überlastung der Telekommunikations-Netze, sagte der Telefónica-Sprecher. „Gegebenenfalls können Störungsmeldungen auch damit zusammenhängen, dass gewisse Anwendungen, zum Beispiel Meeting-Dienste. in deutlich größerer Zahl genutzt werden, aber das wird nicht durch Netzkapazitäten verursacht“, vermutete der Sprecher. Die Telekomnetze hielten hingegen stand.

    Diese Einschätzung teilt Joachim Richter, Partner bei der Unternehmensberatung Axxcon, der auf den IT-Betrieb spezialisiert ist und viele Jahre in der Telekommunikationsbranche gearbeitet hat. In Deutschland sei das Kernnetz – Backbone genannt – sehr leistungsfähig. „Die Leitungen, die in die Rechenzentren reingehen, bieten ausreichend Bandbreite“, urteilt er daher. Angesichts der Spitzenlast könne aber die Rechenkapazität der Server zu gering sein.

    Bei dediziert genutzten Telekommunikationsdiensten sei häufig der Einwahlknoten – von Fachleuten als Access Point bezeichnet – das Problem. Dort werde nur eine bestimmte Kapazität bereitgestellt, erläutert Richter. „Wenn statt 100 auf einmal 1000 Leute simultan anrufen, ist auf einmal die Grenze erreicht.“

    Es sei zwar möglich, die Kapazität zu erhöhen, aber das dauert, zumal die IT-Abteilungen bereits mit der Einrichtung von Homeoffice-Lösungen ausgelastet sind. Sein Fazit: „Die Coronakrise legt schonungslos offen, ob Unternehmen auf Krisen vorbereitet sind oder nicht.“

    Kann zu Ausfällen kommen

    Nach Einschätzung des IT-Verbands Bitkom kann es bei Gruppenchats per Video oder Telefon infolge der verstärkten Homeoffice-Aktivitäten aufgrund der Coronakrise zu Ausfällen kommen. „Sofern es in Einzelfällen aktuell zu Problemen kommt, ist dies weniger auf die Netzwerkinfrastruktur zurückzuführen, als vielmehr auf die punktuelle Überlastung einzelner Server auf Seiten der Anbieter“, sagte Verbandspräsident Achim Berg dem Handelsblatt. „Diese arbeiten mit Hochdruck an der Aufstockung der Kapazitäten.“

    Grundsätzlich aber sei die Breitbandinfrastruktur für die erhöhten Anforderungen im Zuge der aktuell verstärkten Nutzung von Homeoffice und E-Learning „gut gewappnet“.

    Etwaige Verbindungprobleme können laut Berg auch mit unzureichender IT-Ausstattung der Nutzer zusammenhängen. „Auf der Anwenderseite sollten Unternehmen unbedingt sicherstellen, über eine ausreichende Anzahl an Lizenzen zur Nutzung von Diensten und Anwendungen zu verfügen, etwa für VPN-Zugänge und Videokonferenz-Tools“, sagte der Bitkom-Präsident. „Auch die Mitarbeiter im Homeoffice sind gefordert, bei sich zuhause eventuelle Engpässe zu beseitigen, zum Beispiel indem dienstliche Geräte und Anwendungen in den Router-Einstellungen priorisiert werden.“

    Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des eco-Verbands der Internetwirtschaft, Klaus Landefeld, verglich die Situation mit Engpässen im Supermarkt. „Im Grunde verhält es sich mit den Serverkapazitäten genauso wie wir es aktuell bei anderen Ressourcen wie Toilettenpapier oder Nudeln beobachten: Eigentlich ist genug für alle da, aber wenn einzelne ohne Rücksicht alle Ressourcen aufkaufen gibt es halt einen temporären Engpass“, sagte Landefeld dem Handelsblatt.

    Da der Wechsel des überwiegenden Teils der Bürger ins Homeoffice sehr kurzfristig und meist nur mit minimalem Vorlauf von teils einigen Stunden stattgefunden habe, könne es durchaus zu einer kurzfristigen Überlastung der Plattformen kommen. „Diese wird aber aller Voraussicht nach in wenigen Tagen behoben sein“, ist Landefeld überzeugt. Die Anbieter von Diensten wie „Microsoft Teams“ hätten bereits Maßnahmen ergriffen, um kurzfristig weitere Serverkapazitäten für ihre Produkte in der Cloud bereitzustellen.

    Der aktuelle Engpass an dieser Stelle sei aber durchaus nachvollziehbar, so Landefeld. „Die erweiterten Serverkapazitäten können zwar in der Cloud sehr schnell, aber auch nur in begrenztem Umfang unmittelbar zur Verfügung gestellt werden“, erläuterte der IT-Experte. „Derzeit reden wir von einer massiven, spontanen Zunahme der Nutzung von einer ganzen Größenordnung - das ist von der normalen Vorhaltung von Reservekapazitäten nicht abgedeckt.“

    Mehr: Das Homeoffice birgt Sicherheitsrisiken. Experten erklären, worauf es jetzt ankommt.

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