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Dr. OetkerNeuer Chef Carl Oetker will „Druck in Märkten aufrechterhalten“

Ab Mai führt mit Carl Oetker wieder ein Familienmitglied die Firmen-Gruppe in Bielefeld. In Deutschland will der 44-Jährige kräftig investieren.Anja Müller 30.04.2025 - 19:09 Uhr aktualisiert Artikel anhören
Carl Oetker: Ab dem 1. Mai steht wieder ein Familienmitglied an der Spitze des Lebensmittelriesen. Foto: Friso Gentsch/dpa

Bielefeld. Es ist der erste offizielle Auftritt von Carl Oetker, als er am Mittwoch gemeinsam mit dem Vorsitzenden der Geschäftsführung, Albert Christmann, die Zahlen für die Nahrungsmittelsparte der Oetker-Gruppe vorstellt.

Sie hat mit den Marken Dr. Oetker und Coppenrath & Wiese ihren Umsatz im Geschäftsjahr 2024 um drei Prozent auf 4,3 Milliarden Euro gesteigert. Im Vorjahr war die Sparte noch um sieben Prozent gewachsen. Hierzulande war der Umsatz im Geschäft mit Pizza sowie Kuchen und Desserts leicht gesunken.

Die Zahlen der gesamten Gruppe werden erst Mitte Juni bekannt gegeben. Im Jahr 2023 hatte deren Umsatz bei 6,5 Milliarden Euro gelegen.

Die Verkündung der Zahlen fällt auf den letzten Arbeitstag von Albert Christmann; er war der erste familienfremde Oetker-Chef in der Firmengeschichte. Christmann wechselt zum 1. Mai in den Beirat, das oberste Aufsichtsgremium der Oetker-Gruppe.

Der 62-Jährige zeigte sich „angesichts der gegenwärtigen geopolitischen Situation und der teils erheblichen negativen Auswirkungen auf die Weltwirtschaft“ mit dem Jahresergebnis zufrieden. Er freue sich besonders „über das organische Wachstum, das den Markt übertrifft“.

Das Jahresergebnis nannte er „erfreulich respektabel“. Dass sich Christmann dazu äußert, ist ungewöhnlich. Normalerweise hält sich die Gruppe beim Thema Gewinne bedeckt.

Ab 1. Mai wird Carl Oetker als Mitglied der Unternehmerfamilie die Gruppe führen. Er verantwortete bislang das Einkaufsressort in der Geschäftsführung der Gruppe. Carl Oetker ist der Sohn von Richard Oetker, der die Gruppe bis 2016 führte.

Dr. Oetker investiert Millionen in Deutschland

Auf den heute 44-jährigen Carl Oetker kommen „volatile“ Zeiten zu, das weiß er. Er ist bereits seit 2020 im Unternehmen, zunächst als Assistent von Christmann. Dass er ihm nachfolgen werde, sei ihm 2019 noch nicht klar gewesen, betont er. Und er habe auch „Respekt vor den Risiken in der Welt“, liebe aber das Unternehmen. Die Nahrungsmittelsparte sei sein „Steckenpferd“. Und: Er lebt in Bielefeld.

Carl Oetker gehört damit zu den wenigen Nachfolgern in Unternehmerfamilien, die einen Konzern mit vielen Milliarden Euro Umsatz selbst operativ führen. Nach Ansicht von Tom Rüsen, Geschäftsführer der Wifu-Stiftung des Wittener Instituts für Familienunternehmen, muss dafür eine Voraussetzung erfüllt sein: Nachfolgeprozess und Kompetenzentwicklung müssten gut strukturiert sein und „das unumschränkte Vertrauen der Gesellschafterfamilie sichergestellt“ sein. Mit wachsender Größe von Familienunternehmen gehen zunehmend Nachfolgerinnen und Nachfolger in die Aufsichtsgremien.

Firmenlogo von Dr. Oetker: Die Lebensmittelsparte der Oetker-Gruppe hat in Deutschland120 Millionen Euro investiert. Foto: dpa

Oetker will zunächst Kontinuität wahren und wie sein Vorgänger weiter investieren und modernisieren. Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat die Geschäftsführung 184 Millionen Euro investiert, das waren acht Prozent mehr als 2024. Ein neuer Rekordwert.

Davon hat die Sparte allerdings aktuell noch nicht profitiert – und auch für das Geschäftsjahr 2025 rechnet die Gruppe für die Lebensmittelsparte erneut nur mit einem moderaten Wachstum.

Oetker ergänzte: „Trotz der derzeitigen Situation auf den Weltmärkten rechnen wir für das Jahr insgesamt mit einer stabilisierten Konsumnachfrage. Darüber hinaus werden wir mit Innovationen, gezielten Aktionen im Handel sowie direkten Verbraucheransprachen in allen relevanten Kanälen unseren Druck in den Märkten aufrechterhalten.“

Für 2025 kündigte Oetker eine weitere Erhöhung der Investitionen an. Diese seien insbesondere für die Zukunftsbereiche Innovationen, Nachhaltigkeit und Digitalisierung vorgesehen. Insgesamt, so hatte es Christmann vor einem Jahr verkündet, will die Gruppe bis 2027 rund 1,5 Milliarden Euro investieren.

Familienunternehmen

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Oetker will künftig noch mehr auf das Dienstleistungsgeschäft setzen, zu dem auch die Getränkelieferungen zählen. Inzwischen stammt bereits ein Drittel des Umsatzes aus diesem Zweig. Auch die Internationalisierung will er weiter vorantreiben.

Wachstumsmöglichkeiten ergeben sich zugleich beim Thema Digitalisierung. Mit der Oetker-Tochter Oediv bietet das Familienunternehmen IT- und Cyber-Security-Dienstleistungen an. Dieser Bereich, der bereits rund 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter  beschäftigt, könnte wegen der wachsenden Cyberrisiken noch deutlich zulegen. „Cybersicherheit ist gekommen, um zu bleiben“, wie Christmann es ausdrückt. Und der Bedarf an von den USA unabhängigen Cloud-Lösungen wächst ebenfalls. Mit der Schwarz-Gruppe, die solche Lösungen anbietet, besteht bereits eine Kooperation.

Carl Oetker zeigt sich, wie schon sein Vorgänger, mit Blick auf die künftige Bundesregierung zuversichtlich. Mit der künftigen Wirtschaftsministerin Katherina Reiche und dem Digitalminister Karsten Wildberger erwarte er mehr Austausch zwischen Unternehmen und Wirtschaft. „Deutschland hat an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt.“ Das gelte es nun zu ändern.

Die kommende Bundesregierung dürfte sich freuen, dass die Oetker-Lebensmittelsparte allein 120 Millionen Euro in Deutschland investiert hat. Derzeit halten sich viele Familienunternehmen hierzulande zurück mit Investitionen. Das Kiel Institut für Weltwirtschaft hatte zuletzt über die anhaltende Investitionsschwäche seit 2019 berichtet, die sich auch 2025 fortsetzen werde.

Auch die Oetker-Gruppe hatte im Jahr 2022 ein Kosten- und Effizienzprogramm gestartet und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entlassen. Inzwischen jedoch hat die Gruppe durch Übernahmen wieder mehr Beschäftigte. Bis Ende des Jahres soll das Programm auslaufen.

Dr. Oetker erzielt mehr als 65 Prozent seines Gesamtumsatzes außerhalb von Deutschland und beschäftigt dort auch viele der insgesamt etwa 16.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Die Zolldrohungen tangieren Dr. Oetker kaum

Das im Vergleich zum vorangegangenen Jahr schwache Wachstum des Geschäfts mit Tiefkühlpizzen und -torten, Backpulver, Pudding und Co. begründete das 1891 gegründete Familienunternehmen auch mit verunsicherten Verbrauchern. Der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine, die anhaltenden Kämpfe im Nahen Osten, die Politik von US-Präsident Donald Trump und das vorzeitige Aus der Ampelregierung seien Gründe dafür.

Studien belegen diesen Effekt. Deutsche sparen derzeit und zeigen sich laut Handelsverband Deutschland (HDE) wenig konsumfreudig – auch wenn die Inflation sich stark dem Zwei-Prozent-Ziel nähert.

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Albert Christmann: Er war der erste familienfremde Chef der Oetker-Gruppe, zum 1. Mai wechselt er in den Beirat. Foto: Dr. Oetker

Von den aktuell zwar ausgesetzten, aber vom US-Präsidenten angedrohten Zöllen wird der global aufgestellte Konzern nur wenig betroffen sein, heißt es aus Unternehmenskreisen. Denn: Das wichtigste Produkt, die Tiefkühlpizza, wird in den USA kaum verkauft. Das dort ansässige Geschäft mit Backdekoren sei allerdings herausfordernd gewesen. Der Umsatzanteil liege im einstelligen Prozentbereich. In Kanada und Mexiko hingegen wachse das Geschäft.

Auf die Frage, wie der künftige Oetker-Chef es mit der 2020 für geschätzt rund 800 Millionen Euro übernommenen Flaschenpost halte, gab sich Carl Oetker zuversichtlich: Obwohl man noch nicht profitabel sei, brauche man keine anderen Investoren: „Wir können uns diesen Weg leisten.“

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