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Freizeitpark Gäste werden zu Avataren: Europapark Rust setzt mit neuer Attraktion auf virtuelle Welten

Europapark-Juniorchef Michael Mack eröffnet die Hightech-Attraktion „Yullbe“. Die Technologie will er weltweit verkaufen – auch an Einkaufszentren.
16.09.2020 - 18:05 Uhr Kommentieren
Europapark Rust: Juniorchef Mack eröffnet Hightech-Attraktion Quelle: Imago
Michael Mack

Der 41-Jährige treibt seit Jahren digitale Zukunftsprojekte in dem traditionsreichen Familienunternehmen voran.

(Foto: Imago)

München Der Pandemie entkommt niemand – außer er fährt in den Europapark. Denn Juniorchef Michael Mack eröffnet an diesem Donnerstag mit „Yullbe“ eine Hightech-Attraktion, mit der die Besucher in virtuelle Welten fliehen können. Der Mittelständler aus dem badischen Rust hofft, das Digitalerlebnis schon bald an Einkaufszentren und Freizeitparks rund um den Globus zu verkaufen.

„Wer möchte nicht einmal stärker, schöner oder größer sein?“, sagt Mack. Und so steckt er seine Kunden jetzt in Computerhelme, legt ihnen spezielle Hand- und Überschuhe an. Als Avatare dürfen die Besucher von „Yullbe“ in vom Rechner erzeugten Umgebungen Abenteuer gemeinsam bestehen.

Vier Millionen Euro hat Mack eigenen Angaben zufolge in „Yullbe“ investiert. Knapp die Hälfte davon ging für die Software drauf, der Rest floss in ein neues Gebäude, das Mack gleich neben seinem Spaßbad „Rulantica“ errichtet hat. Hier will der Unternehmer beweisen, dass das Konzept technisch funktioniert – und genügend zahlende Kunden anlockt.

Der 41-Jährige treibt seit Jahren digitale Zukunftsprojekte in dem traditionsreichen Familienunternehmen voran. Sein erster Exportschlager waren Virtual-Reality-Brillen, mit denen die Gäste auf Achterbahnen durch künstliche Welten rasen. Mehr als 80 Parkbetreiber weltweit nutzen inzwischen das System, das sie in der Digitalschmiede des Parks in Kaiserslautern entwickelt haben.

Dabei geht der Badener immer gleich vor: Er entwickelt eine Technologie und testet sie im hauseigenen Europapark so lange, bis alles zusammenpasst. Dann lädt er die Konkurrenz aus der ganzen Welt ein, um ihnen die Innovationen vorzustellen.

So haben es schon Vater und Großvater gemacht, allerdings mit realen Fahrgeschäften. Die produziert die Familie Mack seit Generationen im nahen Waldkirch – und nutzt seit der Gründung vor gut 40 Jahren den Europapark als Schaufenster.

Erste Kundenanfragen zu neuem Projekt

In dem Familienunternehmen ist Michael Mack der Mann für Hightech und Medien. Ein Bereich, der Patriarch Roland Mack, 70, eher fremd ist. So sei auch „Yullbe“ eine „Vater-Sohn-Challenge“, wie Michael Mack zugibt. Oder anders gesagt: Der Junge will dem Alten beweisen, dass seine Ideen Hand und Fuß haben.

Bei den Computerbrillen für die Achterbahnen hat das geklappt. Aber nicht alles, was Michael Mack anpackt, ist erfolgreich. Seine schwerste Schlappe musste der verheiratete Familienvater vor zwei Jahren hinnehmen. Da hatte er nach einem Treffen mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron vollmundig angekündigt, eine Seilbahn vom Elsass über den Rhein in den Europapark zu bauen.

So wollte er den Gästen aus dem Nachbarland die Anreise erleichtern und den Verkehr eindämmen. Eigentlich ganz im Sinne des Naturschutzes. Dennoch liefen Vertreter der Umweltverbände Sturm gegen die Gondeln, würden sie doch über wertvolle, unberührte Flächen gleiten. Mack, der Frankreich als Honorarkonsul eng verbunden ist, musste das Vorhaben zu den Akten legen.

Bei „Yullbe“ sieht es für den Betriebswirt besser aus. Es gebe bereits die ersten Anfragen von Kunden. Wegen Corona startet das Projekt allerdings nur mit halber Kraft: Statt acht dürfen jeweils nur vier Personen gleichzeitig in die Arena. Wer seinen Mitspielern zu nahe kommt, den warnt das System zudem auch in der Kunstwelt eindringlich.

Ob sich die Parks aber überhaupt neue Attraktionen leisten können? Die Betriebe haben es dieses Jahr schwer. Im Frühjahr waren sie wegen der Seuche lange geschlossen. Nun drehen sich die Karussells wieder. Um die Abstandsregeln einzuhalten, dürfen die Parks aber nicht so viele Tickets wie sonst verkaufen.

Besonders betroffen sind Anbieter, die auf Gäste aus dem Ausland angewiesen sind. „Parks mit regionalem Einzugsgebiet tun sich momentan leichter als jene, die von Touristen abhängen“, sagt Jakob Wahl, Executive Director des Weltverbands der Freizeitparks IAAPA. Der Europapark werde dieses Jahr bestenfalls eine schwarze Null erwirtschaften, fürchtet Patron Roland Mack.

Neue Einnahmequellen können da nicht schaden. Im Herbst will Michael Mack daher das nächste Digitalprodukt vorstellen: „Swim VR“. Die Virtual-Reality-Brillen von den Achterbahnen hat der Unternehmer so umgebaut, dass sie sich nun auch im Wasser nutzen lassen. So sollen sich die Gäste im Schwimmbecken in spannende Kunstwelten beamen lassen. Mack will das Konzept Badbetreibern auf der ganzen Erde anbieten.

Wer angesichts der Coronapandemie Entspannung sucht, der sollte von einem Besuch bei „Yullbe“ absehen. Vor dem Virus kann sich jeder schützen, vor den virtuellen Zombies nicht unbedingt.

Mehr: Freizeitparks mit Besuchergrenzen werden zum Zuschussgeschäft

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