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Fuerst Wiacek Neues Bier aus Deutschland: Vom Küchentopf in die eigene Brauerei

Trotz des schrumpfenden Bierabsatzes hat Craft-Bier stetig Marktanteile gewonnen. Nun sind Kneipen geschlossen, Feiern ist verboten. Die Gründer Fürst und Wiacek starten dennoch ihre eigene Produktion.
18.01.2021 - 13:43 Uhr 1 Kommentar
Das junge Berliner Unternehmen setzt auf neue Bierstile für Deutschland und Europa. Quelle: Jan Welchering für Handelsblatt
Fuerst Wiacek

Das junge Berliner Unternehmen setzt auf neue Bierstile für Deutschland und Europa.

(Foto: Jan Welchering für Handelsblatt)

Berlin Georg Fürst und Lukasz Wiacek haben eine fast klassische Gründergeschichte. Aus Interesse wurde Tüftelei in der Wohnung, aus dem Hobby wurde Profession. Nun stehen die beiden Berliner vor der Eröffnung ihrer eigenen Fabrik. Ungewöhnlich für ein deutsches Start-up ist ihr Produkt: Bier.

Aus der Idee ist inzwischen ein international angesehenes Start-up geworden, nun wollen die Berliner den nächsten Entwicklungsschritt machen. Die Kleinbrauerei Fuerst Wiacek steht vor der Eröffnung der ersten eigenen Produktionsstätte.

Bisher mieten sich die Unternehmer für jedes neue Bier bei anderen Brauereien ein. Ihre Craft-Biere – vor allem hopfige IPAs (India Pale Ales) – werden größtenteils im Ausland getrunken. Rund 70 bis 80 Prozent der Produktion gehen vor allem in europäische Länder wie Spanien und die skandinavischen Staaten.

Doch spätestens seit November haben Pandemie und Lockdown zu deutlichen Umsatzeinbußen geführt. Vor allem der wichtige Verkauf von Fässern für die Gastronomie ist komplett eingebrochen. Leere Bars, abgesagte Festivals oder ausfallende Partys sind auch durch gute Businesspläne kaum zu ersetzen.

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    „Anders als im Frühling und Sommer halten unsere Kunden ihr Geld jetzt zusammen. Die Pandemie scheint auch finanziell bei den Leuten angekommen zu sein“, sagt Georg Fürst. Schon allein das schlechtere Wetter belastet das junge Unternehmen, in den warmen Monaten konnten Gastronomen die Dosen noch deutlich einfacher „to go“ verkaufen.

    Noch stehen die beiden Brauer in einer leeren Halle, die bald ihre neue Heimat werden soll. Quelle: Jan Welchering für Handelsblatt
    Georg Fürst (l.) und Lukasz Wiacek

    Noch stehen die beiden Brauer in einer leeren Halle, die bald ihre neue Heimat werden soll.

    (Foto: Jan Welchering für Handelsblatt)

    Mit dem Start der Impfungen hoffen die Gründer – zusammen mit der ganzen Gesellschaft –, dass Europa in absehbarer Zeit ein Stück Normalität zurückgewinnen kann. Diese manchmal schon utopisch scheinende Zukunft sollte nach dem Wunsch des Brau-Start-ups am besten schon im Frühsommer beginnen. Ab April 2021 wollen sie ihr Bier in der eigenen Brauerei in Berlin herstellen.

    Kennengelernt haben Fürst und Wiacek sich in einer Kletterhalle. Häufiges Gesprächsthema: Bier und Whisky. Schließlich haben sie das Brauen einfach ausprobiert. Die ersten Ergebnisse probierten vor allem Freunde und Verwandte, 2015 gab es den ersten größeren Ausschank in einem Berliner Surfer- und Skater-Laden.

    Knochenjob am Wochenende

    Nur wenig später pendelten sie an vielen Wochenenden aus der Hauptstadt nach Bayern und mieteten sich tageweise in einer Brauerei ein. Hinfahren, 2000 bis 4000 Liter brauen, schlafen im Campervan – alles neben ihrem Hauptberuf. Fürst arbeitete im Projektmanagement, Wiacek als Webentwickler.

    Doch vor allem Hopfen, Malz und Hefe weckten ihren Enthusiasmus. Neben dem Do-it-yourself-Ansatz mit vielen Rezeptversuchen und Recherchen im Netz haben sich die Berliner im Austausch mit anderen Kleinbrauereien, quasi bei der Konkurrenz, fortgebildet.

    In der Anfangszeit nahm Lukasz Wiacek ein Sabbatjahr und machte Praktika bei Brauereien in London, Chicago, Tallinn und Jordanien. Auch heute macht Fuerst Wiacek mehrmals im Jahr Kollaborationen für einzelne Biere mit anderen Brauern. Der Wissensaustausch über verschiedene Anlagen, Prozesse und Rezepte sei oft ein großer Gewinn, sagt Fürst.

    Fuerst Wiacek setzte vor allem auf hopfige IPAs.
    Design auf Dosen

    Fuerst Wiacek setzte vor allem auf hopfige IPAs.

    Nach anderthalb Jahren in Bayern produzierten sie eine Zeit lang bei einer Mietbrauerei in Berlin, mittlerweile wird das Bier nach ihren Rezepten in der Nähe von Kopenhagen gebraut. Im Gegensatz zu den meisten großen Konkurrenten gibt es keine drei, vier Biere, die immer wieder gebraut werden. Nur ein paar ausgewählte Sorten werden nochmals aufgelegt.

    Neben ihren internationalen Vertriebspartnern ist in der Pandemie der eigene Onlineshop zu einem Anker geworden. Auch mit raren Bieren von Größen der Brauszene wie Other Half aus New York locken sie neue Kunden.

    Im Lager packen die Gründer viele Kartons der Online-Bestellungen noch selbst. Viererpacks der eigene IPAs kosten rund 23 bis 25 Euro. Vergleichbare Biere etwa aus den USA gibt es auch in anderen Webshops für zehn bis zwölf Euro – allerdings pro Dose.

    Deutsche Sparsamkeit

    Für einige Kunden ist auch die Hälfte noch ein Preisschock – jedoch zuallererst in Deutschland. „Die Bereitschaft, für Bier mehr zu bezahlen, ist im Ausland wesentlich höher“, sagt Fürst. Die Kunden in vielen Nachbarländern seien höhere Bierpreise gewohnt. Über die Vertriebspartner in Dänemark, Schweden oder auch Spanien und Italien erzielt Fuerst Wiacek wichtige Umsatzanteile.

    Anfangs war auch die Gastronomie ein Problemfeld. „Für unsere Biere hat der Markt in Deutschland so gut wie nicht existiert“, sagt Lukasz Wiacek. „In Berlin waren wir präsent, aber außerhalb der Stadt war es kaum möglich, ein Fass zu verkaufen.“ Ein Großteil der Kneipen habe feste Verträge mit Brauereien, andere wollten sich nicht auf das Risiko einlassen.

    Doch Markt und Konsumenten wandeln sich auch in Deutschland. Noch setzen viele der rund 1500 deutschen Brauereien eher auf Tradition. „In bestimmten Bierstilen war die Qualität in Deutschland auch immer hoch“, sagt Fürst. Doch ein wesentlicher Teil der neuen Brauer-Generation – seit 2014 stieg die Zahl der Brauereien um mehr als 14 Prozent – hat neue Ansätze.

    Insgesamt geht der Bierverbrauch pro Kopf zurück, doch der Anteil von Craft-Bier wird größer. „Immer mehr Brauereien bringen diese Art von Bier heraus“, so Wiacek. Das sei auch gut für ihre Firma. „Die Akzeptanz steigt, auch für diese Preise.“

    Im Vergleich zu klassischen Pils- und Weizen-Bieren aus dem Supermarkt sind die recht hoch. Neben kleineren Skalierungseffekten liegt das vor allem an einem wesentlich kostenintensiveren Rohstoffeinsatz. Während Großbrauereien Hopfen nur in sehr geringen Dosen oder als günstigen Extrakt verwenden, werden IPAs und vergleichbare Craft-Biere mit großen Mengen teurem Aromahopfen gebraut. Dieser unterscheidet sich von reinem Bitterhopfen durch seine starken Frucht- oder Kräuternoten.

    Teures Aroma

    Bei Fuerst Wiacek macht der Hopfen rund 60 Prozent der Rohstoffkosten aus. Ein Großteil davon kommt aus den USA, die den Weltmarkt für Aromahopfen dominieren. Ein zusätzliches großes Problem für kleinere Brauereien sind die langfristigen Lieferverträge. Deutlich mehr als 90 Prozent der Ernte in den Hauptanbauländern werden darüber vergeben – und die Abnahmeverpflichtungen laufen teilweise fünf Jahre oder länger.

    Zeit ist bei den Fuerst-Wiacek-Bieren auch in anderer Hinsicht relevant. Das Hopfenaroma ist flüchtig, zu viele Tage im Regal sowie hohe Temperaturen schmälern den Geschmack. Deshalb sind gekühlte Lagerung und ein möglichst frisches Produkt enorm wichtig für den Anspruch der Brauer und der Kunden. Das Mindesthaltbarkeitsdatum beträgt nach Abfüllung höchstens sechs Monate.

    Für das beste Aroma empfehlen Fuerst Wiacek und viele Branchenkollegen, hopfige Biere innerhalb der ersten drei Monate zu trinken. Im andauernden Lockdown wird das für die neue Brauergeneration zur finanziellen Belastung. Je länger die Beschränkungen andauern, umso mehr Fässer müssen vernichtet werden.

    In den leeren Hallen sollen spätestens ab April Sudkessel und Gärtanks stehen.
    Baustelle in der Siemensstadt

    In den leeren Hallen sollen spätestens ab April Sudkessel und Gärtanks stehen.

    In der Pandemie werden den Gründern die Vorteile einer eigenen Brauerei immer deutlicher: „Wir sind dann nicht mehr auf gebuchte Lagerzeiten angewiesen und insgesamt viel flexibler“, sagt Wiacek. Auf Absatzkrisen könne das Unternehmen dann schneller mit Sorten reagieren, die länger lagerfähig sind.

    Auch auf der Baustelle nahe dem Volkspark Jungfernheide spüren die Gründer die Corona-Auswirkungen: Ein großer Teil der Verträge ist unterschrieben, die Produktionshalle nimmt erste Formen an. Doch hakt es bei der Abfüllanlage, der Geldgeber des 500.000 Euro teuren Mietkaufs hat sich auf unbestimmte Zeit zurückgezogen. Wenn die Sache mit Corona vorbei sei, könne man noch mal sprechen, lautete die letzte Nachricht.

    Dennoch überwiegt bei Fürst und Wiacek der Optimismus. Die Vorstellung, in ihrer eigenen Brauerei gemeinsam zu brauen, Pläne zu schmieden und Kunden zu treffen, schlägt die Corona-Herausforderungen.

    Mehr: Hochprozentiges für das Depot – Welche Brauereiaktien Chancen bieten.

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    1 Kommentar zu "Fuerst Wiacek: Neues Bier aus Deutschland: Vom Küchentopf in die eigene Brauerei"

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    • Cheers Jungs!! Gutes Gelingen!

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