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Handelskonzern Haniel-Chef Stephan Gemkow läutet das Ende der Ära Metro ein

Der Haniel-Chef verrät einiges über den neuen Metro-Investor und stellt klar, dass kein Portfolio-Unternehmen sich zu sicher fühlen sollte.
04.09.2018 - 18:02 Uhr Kommentieren
Die Beteiligungen an Metro und Ceconomy fuhren Haniel einen Verlust von 949 Millionen Euro im ersten Halbjahr ein. Quelle: dpa
Stephan Gemkow

Die Beteiligungen an Metro und Ceconomy fuhren Haniel einen Verlust von 949 Millionen Euro im ersten Halbjahr ein.

(Foto: dpa)

Duisburg-Ruhrort Einmal im Jahr lädt der Vorstandschef von Haniel zu den „Schifffahrtsgesprächen“ nach Duisburg-Ruhrort ein. Schon zum sechsten Mal geht es an Deck der Haniel 14. Die schmalen dunklen Holzstiegen hinauf sind blank poliert. Der Kapitän begrüßt, die Mannschaft spurt. Dreimal läutet die Schiffsglocke.

Diesmal hat Stephan Gemkow seinen neuen Vorstandskollegen Thomas Schmidt mitgebracht. Seit anderthalb Jahren gehört dieser zum Haniel-Vorstand, zusätzlich führt er auch den Hygiene- und Arbeitskleidungsspezialisten CWS Boco. „Das größte Asset im Haniel-Portfolio“, wie Gemkow an diesem Tag in der gefühlten Nach-Metro-Ära betont.

Es ist warm an diesem Septembernachmittag, es sieht nach Regen aus, doch bis auf ein paar Tropfen kommt nichts herunter. Ein Sonnensegel schützt die Gespräche. So bleiben auch der Haniel-Chef und sein neuer Vorstandskollege im Trockenen. Selbst auf dem Schiff bläst ihnen kein Wind ins Gesicht. Gemkow, 58, nutzt die Gelegenheit, und räumt mit ein paar Fakten auf. Natürlich dreht sich alles um die Metro.

Diesmal reagiert der Vorstandschef weit weniger einsilbig als sonst auf die Fragen rund um den Handelskonzern. Seitdem Haniel vor anderthalb Wochen ankündigte, zunächst einen Anteil von 7,3 Prozent an den tschechischen Unternehmer Daniel Křetínský zu verkaufen, verbunden mit einer Call-Option auf die noch verbleibenden direkten Anteile von 15,2 Prozent, ist Gemkow beim Thema Metro weit auskunftsfreudiger als früher.

Es geht in die richtige Richtung für ihn. Schon lange hatte er die Metro und danach auch die aufgespaltenen Teile Metro AG (Cash & Carry) und Ceconomy (Unterhaltungselektronik) als reine Finanzbeteiligungen bezeichnet. Bereits 2013 und 2015 hatte er Metro-Anteile verkauft. Nun kann er endlich das Ende der Ära Metro einläuten, Fakten schaffen.

Auch wenn es natürlich sehr betrüblich sei, dass die Metro-Beteiligung zu einem negativen Gesamtergebnis 2018 bei Haniel führen werde. Einen Verlust von 949 Millionen Euro fuhren die Beteiligungen an Metro und Ceconomy für Haniel im ersten Halbjahr ein. Wenngleich – und das ist dem Haniel-Chef wichtig – das Ergebnis der operativen Geschäfte von Haniel – zu denen Metro und Ceconomy nicht zählen – sich positiv entwickele.

„Keine Torschlusspanik“

Der frühere CFO der Lufthansa, der seit 2012 die Geschäfte bei Haniel führt, stellt klar, dass es sich beim jüngsten Metro-Deal keineswegs um „Torschlusspanik“ gehandelt habe. Es sei lange diskutiert worden mit den Gesellschaftern des 1756 gegründeten Familienunternehmens.

Aufsichtsratskreise bestätigen das und ziehen auf Nachfrage eine positive Bilanz: Metro habe den Haniel-Gesellschaftern im Schnitt jedes Jahr mehr als 15 Prozent Rendite gebracht. Gemkow wird an diesem Nachmittag noch viel konkreter: „Im Schnitt lag die Rendite pro Jahr bei 16,6 Prozent, 50 Prozent mehr als bei Celesio“, sagt Gemkow mit seinem typischen Lächeln, das stets ein wenig verschmitzt daherkommt. Allerdings: „Seit 2007 lag sie bei minus sieben Prozent“, ergänzt er.

Hätten die mehr als 680 Haniel-Gesellschafter ihre Metro-Anteile in besseren Zeiten verkauft, hätten sie somit noch mehr herausholen können. Gemkow stellt aber klar: Unterm Strich war das mehr als 50 Jahre währende Engagement von Haniel bei Metro positiv.

Im Mai sei der neue Metro-Investor Daniel Křetínský auf Haniel zugekommen, ein Glücksfall, so scheint es. Und Haniel wird wohl einen ordentlichen Paketzuschlag erhalten haben, über den Gemkow natürlich schweigt. „Der Käufer hat uns gefunden, wir hatten ihn nicht auf dem Schirm“, gibt Gemkow zu. Sowohl Haniel als auch die Banken hätten ihn nicht gekannt, auch weil er einfach vorher in andere Bereiche investiert hatte.

Über Křetínský weiß Gemkow einiges zu erzählen. Er sei ein „echter Unternehmer, der wisse, was er tut“, sei überaus höflich. Gemkow lässt es sich nicht nehmen, aus einer SMS von ihm zu zitieren, um dessen Zuvorkommenheit beim Metro-Deal zu illustrieren. Es sei ihm zunächst nicht leichtgefallen, ähnlich höflich per SMS zu antworten. Křetínský sei ein „hochprofessioneller Geschäftspartner“, mit scharfem Verstand, absolut verlässlich und persönlich sehr angenehm, resümiert Gemkow.

„Ich habe durchaus das Gefühl, dass er sich als Unternehmer bei der Metro versteht.“ Man solle ihn in jedem Fall nicht unterschätzen. Ob Křetínský den Handelskonzern von der Börse nehmen wolle, wisse er nicht, vorstellen könne er sich das aber schon, sagt Gemkow.

Firmen müssen liefern

An Ceconomy will Gemkow zunächst festhalten, als Finanzbeteiligung, mit dem durchaus geringeren Wertverlust als bei der Metro. Auf die Frage, ob sein Optimismus auch bei Ceconomy inzwischen gebremst sei, nickt der Haniel-Chef. Zur Nachricht, dass sich auch der chinesische Mischkonzern Fosun für den Anteil, den Ceconomy noch an der Metro hält, interessiert, kann er wenig sagen. Aber schon zu Zeiten von Eckhard Cordes, der zugleich Chef von Metro und Haniel war, habe es Gespräche mit Fosun über die Metro gegeben.

Wenngleich das Thema Metro derzeit sehr dominiert, betont der Vater zweier Söhne, wie wichtig Diversifikation im Portfolio aus sechs Unternehmen ist. Und er weiß durchaus, dass er nicht bei der Schlacht um große, wachstumsstarke Investments unbeschränkt mithalten kann und will. Daher setzt er auf mittelständische Firmen. Vor allem der Fischverarbeitungsspezialist Optimar in Norwegen ist nach seinem Geschmack. „Ich bin doch ein Fischkopf“, sagt der in Lübeck Geborene.

Gemkows Forderungen an die Portfoliofirmen des Haniel-Reichs, das zuletzt 4,1 Milliarden Euro Umsatz machte, sind indes hoch. Nicht alle haben die gewünschten Ergebnisse im ersten Halbjahr geliefert. Seine Wortwahl ist härter als in den vergangenen Jahren bei den Schifffahrtsgesprächen: „Das Portfolio ist nicht statisch“, stellt er klar. „Wenn es einen Interessenten geben sollte, der einen Preis bietet, dem man nicht widerstehen kann, würde ich bei jeder unserer Beteiligungen aktiv werden.“ Will heißen: Keine Firma – selbst ein Ertragsbringer wie CWS Boco – kann sich zu sicher fühlen. Gemkow betont: „Es darf keine Sentimentalitäten geben.“

Haniel-Vorstand und CWS Boco-Chef Schmidt, der direkt neben Gemkow an Deck der Haniel 14 sitzt, hört dies wohl. Er weiß, wie wichtig sein Erfolg für Gemkow und Haniel ist. Das Joint Venture mit dem Hygiene- und Reinraumspezialisten Initial, an dem Haniel etwas mehr als 82 Prozent hält, ist der wichtigste Ergebnistreiber und das wichtigste Asset, sagt Gemkow. Das hat er so noch nie öffentlich gesagt. Es ist aber auch Gemkows größter Zukauf seit seinem Amtsantritt 2012.

Damals hatte er erst einmal das Portfolio bereinigt und auch die Dividende gestrichen. Seitdem liefert er jedes Jahr. Auch 2018 soll Haniel dividendenfähig sein. Einige Jahre musste sich Gemkow anhören, dass ihm nach dem Verkauf des Pharmagroßhändlers Celesio vor fünf Jahren noch immer Ersatz im Portfolio fehle. Zu den Finanzbeteiligungen an Metro und Ceconomy gebe es noch keinen aktiv gemanagten Ersatz. Nun ist klar, dass Gemkows Hoffnungen vor allem auf CWS Boco und Thomas Schmidt ruhen.

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