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Hanno RennerStart-up Personio ist auf halbem Weg zum Einhorn

Der Anbieter von Personal-Software stemmt seine bislang größte Finanzierungsrunde. Damit soll die Expansion in Europa nochmals beschleunigt werden. Axel Höpner 21.01.2020 - 01:01 Uhr

„Wir haben intensiv an der Mitarbeiterentwicklung gearbeitet, die Stimmung im Team ist weiterhin super.“

Foto: Personio

München. Als eines der hoffnungsvollsten deutschen Start-ups galt Hanno Renners Personio schon bislang. Der 29-Jährige will den größten Anbieter von Software für kleine und mittlere Unternehmen in Europa schaffen – und damit als Standardlösung eine Art SAP für Personaler.

Dem Ziel ist er nun einen großen Schritt näher gekommen. In einer aufgrund des Investoreninteresses vorgezogenen Finanzierungsrunde hat Personio weitere namhafte Geldgeber gewonnen und sammelte insgesamt 75 Millionen Dollar ein. Insgesamt haben Investoren inzwischen 130 Millionen Dollar in das Vorzeige-Start-up gesteckt.

„Die Finanzierungsrunde war die Krönung eines sehr erfolgreichen Jahres“, freut sich Renner. Die Umsätze verdreifachten sich laut Branchenschätzungen 2019 auf einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag, im laufenden Jahr will Renner das Tempo trotz der höheren Ausgangsbasis halten.

Vor allem aber konnte sich Personio nach seiner Einschätzung trotz des hohen Tempos den Start-up-Charakter bewahren. „Wir haben intensiv an der Mitarbeiterentwicklung gearbeitet, die Stimmung im Team ist weiterhin super.“

Personio bietet Betriebssysteme für die Personalverwaltung mit etwa zehn bis 2000 Mitarbeitern, an die auch andere Softwaremodule angedockt werden können. Im Kern bietet Personio Lösungen zum Beispiel für das Bewerbermanagement und die Urlaubsplanung.

Noch wird bei den kleineren und mittleren Unternehmen viel per Hand oder mit Excel-Tabellen gemacht. Personio will daher durch rasches Wachstum in dem neuen Markt zur Standardlösung in seinem Segment werden. Dann wären auch Milliardenumsätze möglich.

Die Tech-Beratung GP Bullhound führt Personio in einer Liste von 50 europäischen Start-ups, denen zugetraut wird, demnächst eine Milliardenbewertung zu haben - und damit zu einem sogenannten Einhorn zu werden. Bei der jüngsten Finanzierungsrunde wurde Personio laut Branchenschätzungen mit einem mittleren dreistelligen Millionenbetrag bewertet. „Der halbe Weg zum Einhorn ist geschafft“, sagt Renner.

In der Zentrale von Personio in der Münchener Innenstadt gibt es eine zentrale Kaffeeküche, viele Grünpflanzen und Loft-Atmosphäre. Der Gründer und Vorstandschef versucht, eng an den Teams zu bleiben. Über der Tür zu seinem kleinen Büro ist groß „Hanno“ gemalt, an der Wand hängt ein Fahrrad. Im Winter trifft sich der Unternehmer zweimal die Woche auf einem Heimtrainer mit einem Start-up-Kollegen aus Berlin zum gemeinsamen Training auf virtuellen Strecken, zuletzt ging es gemeinsam durch den Central Park.

Personio ist derzeit auf allen Ebenen eine Wachstumsstory. Die Zahl der Mitarbeiter verdoppelte sich auf mehr als 350. Im laufenden Jahr ist eine weitere Verdoppelung geplant. Mit dem Erlös aus der Finanzierungsrunde soll die Expansion nun noch stärker vorangetrieben werden.

„Wir wollen stark in die Produktentwicklungsteams investieren und die Funktionalitäten unserer Software vertiefen“, sagt Renner. Zuletzt wurde zum Beispiel eine App fürs Mobiltelefon entwickelt, das den Kunden die Arbeit erleichtern soll. Zudem ist eine weitere Internationalisierung geplant.

Leidenschaftlicher Sportler

Angeführt wird die Finanzierungsrunde vom Venture-Capital-Spezialisten Accel aus dem Silicon Valley. Der Geldgeber investierte in Unternehmen wie Slack und Facebook und begleitete Spotify beim Börsengang.

„Software-Unternehmer haben sich in der Vergangenheit zu wenig um die Entwicklung von speziellen Lösungen für kleine und mittlere Unternehmen gekümmert“, sagte Accel-Partner Harry Nelis. Millionen von kleineren Unternehmen seien aktuell auf der Suche nach Lösungen, um das eigene Personalmanagement und Recruiting zu verbessern. Personio sei hier bestens positioniert.

Weiteres Kapital kommt von Lightspeed Venture Partner sowie von Lars Dalgaard. Der Gründer von Success Factors, der seine cloud-basierte Human-Resources-Software 2011 für mehr als drei Milliarden Dollar an SAP verkaufte, steigt privat beim Münchener Anbieter ein. „Da ich selbst HR-Software für Unternehmen entwickelt habe, weiß ich, welchen Beitrag sie zum Unternehmenserfolg leisten kann“, sagte Dalgaard.

Es sei ungewöhnlich, in einer relativ späten Phase mit einer hohen Bewertung noch einen Business Angels wie Dalgaard zu gewinnen, der seine Erfahrungen mit HR-Software einbringen könne, sagt Renner. „Wir telefonieren fast jede Woche.“ Die bisherigen Geldgeber Index Ventures, Northzone, Global Founders Capital und Picus Capital beteiligen sich ebenfalls an der Finanzierungsrunde.

Renner hatte das Unternehmen 2015 gemeinsam mit Roman Schumacher, Ignaz Forstmeier und Arseniy Vershinin gegründet. Das Start-up entstand aus einem Programm des Center for Digital Technology and Management (CDTM) an der TU München heraus.

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Der leidenschaftliche Sportler, der neben dem Studium als Skipper gearbeitet hat und Beachvolleyball spielt, hat mit dem Unternehmen noch viel vor. Den für Personio adressierbaren Markt schätzt er auf zehn Milliarden Euro allein in Europa, einschließlich Lohnbuchhaltung könnten es bis zu 30 Milliarden Euro sein. Für große Konzerne bieten Software-Anbieter wie Cornerstone on Demand oder Workday Lösungen an, um die kleinen bemühen sich bislang eher Start-ups.

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