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Martha Schultz Eine Skigebietsbesitzerin bangt um die Wintersaison

Die Unternehmerin aus Tirol hofft, dass die Reisewarnung spätestens zu Weihnachten fällt. Sonst bleiben ihre Hotels, Hütten und Lifte leer.
26.11.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Nur mit Maske: Auch in den Skiliften gelten in der neuen Saison die Coronaregeln. Quelle: dpa
Skifahrer

Nur mit Maske: Auch in den Skiliften gelten in der neuen Saison die Coronaregeln.

(Foto: dpa)

München Raus aus den Federn und rauf auf den Gipfel: In den Skigebieten von Martha Schultz in Tirol starten die Lifte diesen Winter überall bereits morgens um halb acht. „Damit werden wir alles entzerren“, sagt die Unternehmerin aus dem Zillertal. Schlangen an den Bergbahnen sollen so gar nicht erst entstehen. Denn die Besuchermassen verteilen sich über einen längeren Zeitraum als sonst üblich.

Die vorgezogenen Öffnungszeiten sind nur eine von vielen Maßnahmen, mit denen die 57-Jährige versucht, den Corona-Winter zu retten. Um die Gäste vor einer Ansteckung zu schützen, bleiben die Fenster in den Gondeln jederzeit offen. Die Anlagen laufen zudem schneller, damit die Sportler nicht so viel Zeit nebeneinander verbringen.

Schultz hat alles vorbereitet für die neue Saison. Die Gäste können kommen. Aber dürfen die Urlauber überhaupt anreisen? In Österreich ist das öffentliche Leben bis zum 6. Dezember erst einmal weitgehend lahmgelegt. Die meisten Läden sind zu, die Schulen auch.

Die Reisewarnung schreckt die Deutschen ab

Dann ist da noch die Reisewarnung der deutschen Behörden: Als Berlin im Herbst von Reisen nach Tirol abriet, brach das Geschäft in den Alpentälern abrupt ein. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder äußerte sich kritisch über das Skifahren nächsten Winter.

„Wenn wir Grenzen offen halten wollen, brauchen wir auch eine klare Übereinkunft, was das Skifahren betrifft. Ansonsten wird es eine schwierige Entwicklung“, sagte er am Dienstag. Wer in Risikogebieten Skifahren gehe, müsse zehn Tage in Quarantäne.

Österreich, das seit Monaten betont, die Skigebiete mit entsprechenden Vorkehrungen um jeden Preis öffnen zu wollen, reagierte dagegen am Dienstag mit vehementer Ablehnung. Finanzminister Gernot Blümel forderte Entschädigungen in Milliardenhöhe von der EU, falls Skilifte tatsächlich über die Weihnachtsferien stillstehen sollen.

Die Skigebietsbesitzerin hofft, dass die Gäste spätestens an Weihnachten wieder nach Tirol kommen dürfen. Quelle: Schultz Gruppe
Martha Schultz

Die Skigebietsbesitzerin hofft, dass die Gäste spätestens an Weihnachten wieder nach Tirol kommen dürfen.

(Foto: Schultz Gruppe)

Schultz hofft immer noch, dass die Besucher zumindest an Weihnachten wieder nach Österreich fahren können – an Heiligabend beginnt die Hochsaison. So wie sie bangen derzeit die Hoteliers, Gastwirte und Liftbetreiber in ganz Österreich um den nächsten Winter. Für das Land sind die Skifahrer enorm wichtig. Rund 7,5 Prozent trägt der Tourismus zur Wirtschaftsleistung bei, weit mehr als in vielen Industrieländern.

In Tirol wird sogar jeder dritte Euro mit Tourismus- und Freizeitdienstleistungen erwirtschaftet – und der Anteil der deutschen Gäste daran ist beträchtlich: Gut die Hälfte der Übernachtungen wurde im Winterhalbjahr 2018/19 von Deutschen gebucht. Allein mit Österreichern lassen sich die Bettenburgen von Sölden und Ischgl nicht auslasten.

Die Familienunternehmerin Schultz deckt fast das gesamte Spektrum dessen ab, was den Wintersport in Österreich ausmacht. Gemeinsam mit ihrem Bruder gehört ihr die Schultz-Gruppe: Die Geschwister betreiben eine Handvoll Skigebiete im Zillertal, am Großglockner, im Hochpustertal und Defreggental.

Ihnen gehört darüber hinaus mehr als ein Dutzend Hotels, Apartmenthäuser, Restaurants und Hütten. Dazu kommen ein Golfplatz und eine Wohnbaugesellschaft. In normalen Jahren erzielen Schwester und Bruder mehr als 100 Millionen Euro Umsatz.

In den geschäftigsten Zeiten im Winter beschäftigt die Familie Schultz üblicherweise mehr als 800 Mitarbeiter. Wer ganzjährig dabei ist, der befindet sich derzeit in Kurzarbeit. Die Saisonarbeiter kommen erst Anfang Dezember aus Osteuropa – und werden wohl ebenfalls zunächst in Kurzarbeit gehen.

Eine der bedeutendsten Seilbahnbetreiberinnen von Österreich

Die Anfänge des Familienunternehmens waren bescheiden. Es begann mit einer Frühstückspension, die ihre Mutter 1966 eröffnete. Vater Heinrich Schultz, Geschäftsführer der mächtigen Raiffeisenbank im Tal, erwarb bald den ersten Skilift. Zug um Zug erweiterte die Schultz-Familie ihr Netz an Bergbahnen.

Heute gehört sie zu den größten Seilbahnbetreibern der Republik. Es gibt eine klare Arbeitsteilung. Während Martha Schultz für Vertrieb und Marketing zuständig ist, kümmert sich ihr Bruder Heinz, Betriebswirt, um die Finanzen.

Corona ist nicht die erste existenzbedrohende Situation, die Schultz durchstehen muss. Ihr Vater starb unerwartet mit nur 62 Jahren. Da war sie 41 und nicht darauf eingerichtet, die Gruppe zu übernehmen. Vor allem, weil es eine kritische Phase war: „Da hatten wir gerade sehr viel investiert“, erinnert sie sich. Ein schlechter Winter, und es hätte vorbei sein können mit der aufstrebenden Familienfirma.

Es ging aber gut, und seit Jahren wächst die Schultz-Gruppe. In diesen Tagen ist Schultz froh, dass ihr die Regierung unter die Arme greift – so wie allen Unternehmen in dem Land. „Der Staat tut alles, was möglich ist, um die Wirtschaft aufrechtzuerhalten“, lobt Schultz.

Skilifte im Zillertal: In die Gondeln geht's nur mit Mund- und Nasenschutz. Quelle: dpa
Liftstation

Skilifte im Zillertal: In die Gondeln geht's nur mit Mund- und Nasenschutz.

(Foto: dpa)

Dass die Betriebe unterstützt werden, ist nicht zuletzt ihr Verdienst. Einmal die Woche setzt sie sich in den Zug und fährt vom Zillertal nach Wien – vier Stunden hin, vier Stunden zurück. Und das seit zehn Jahren: So lange schon ist sie Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Österreich, der wichtigsten Interessenvertretung der Firmen des Landes.

Nie war der Kontakt zur Politik so bedeutsam wie in diesen Tagen. Denn es geht ums Überleben der Unternehmen.

Beispiel Wintersport: Für die Liftbetreiber ist ein Fixkostenzuschuss des Staates wichtig, damit sich der Betrieb auch dann rechnet, wenn nächste Saison weniger Skifahrer Tickets kaufen. Eine solche Unterstützung käme allen Betrieben in den Gebirgstälern zugute, von den Hotels bis zu den Handwerkern. Denn stehen die Bergbahnen, bleiben die Touristen aus.

Die Touristen buchen nur noch kurzfristig

Zum Glück sei das Geschäft nach der ersten Coronawelle prächtig gelaufen, bis in den Herbst hinein seien ihre Häuser sehr gut gebucht gewesen. Angesteckt habe sich niemand: „Die Gäste waren sehr diszipliniert“, so Schultz. Jede Woche seien 350 Mitarbeiter ihrer Gruppe getestet worden, „ohne einen einzigen Fall“.

Das macht der leidenschaftlichen Skifahrerin Mut für den Winter. „Wir müssen aber flexibel sein“, meint sie. Kaum jemand reserviert lange im Voraus.

Die Unternehmerin ist mit ihren Sorgen nicht allein, jenseits der Grenze in den bayerischen Alpen ist die Lage ähnlich. „Wir fahren alle auf Sicht“, fasst es Sybille Wiedenmann zusammen, Geschäftsführerin von Pro Allgäu.

In der Marketingkooperation haben sich 80 Hotels aus dem Allgäu zusammengeschlossen. Normalerweise würden die Gäste zwei, drei Monate vor Anreise buchen, sagt die Managerin. Zuletzt seien es häufig nur noch zwei Wochen gewesen. Wenn überhaupt. Angesichts der sich ständig ändernden Regeln seien die Besucher verunsichert.

Früher waren es die Schneefälle, die niemand vorhersagen konnte. Mit den Schneemaschinen ist heute sichergestellt, dass auf den Pisten stets beste Bedingungen herrschen. Dieses Jahr ist es die Pandemie, die jegliche Planung zum Glücksspiel macht. Fest stehe momentan lediglich eins, meint Schultz: „Wir müssen sehen, dass die Infektionszahlen runtergehen.“ Nur wenn das gelingt, ist überhaupt an Ferien in den Bergen zu denken.

Mehr: Die Skisaison ist in Gefahr – Wintersportbranche hofft auf offene Pisten im Dezember

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