P&C-Geschäftsführer John Cloppenburg: Ein Praktikum für den Millionär
Für ihn ist die Arbeit an der Basis wichtig.
Foto: Peek & CloppenburgDüsseldorf. Die Cloppenburgs sind eine verschwiegene Familie, die selten in der Öffentlichkeit zu sehen ist. Doch wer Glück hat, der kann John Cloppenburg sogar persönlich treffen. Denn zweimal pro Monat verkauft der 48-Jährige im Düsseldorfer Bekleidungshaus von Peek & Cloppenburg (P&C) Hosen, Blusen und Jacken. Dann klärt der groß gewachsene Mann mit dem kurz geschnittenen Bart auf seine ruhige, charmante Art die Kunden über Details und Wertigkeit auf.
Davon versteht John Cloppenburg etwas. Er ist in der Geschäftsführung von P&C für den Einkauf und die Premiummarken zuständig. Und er ist das Gesicht des Unternehmens. Ihn hat die Familie zu ihrem Sprecher auserkoren. Und nur von ihm gibt es offizielle Fotos. Für den Mann, der sein Handgelenk mit Lederarmbändern und einer Uhr der Luxusmarke Panerai schmückt, ist die Arbeit an der Basis wichtig. Es geht darum „zu sehen, welche Bedürfnisse und Wünsche die Kunden bei uns erfüllt bekommen möchten“, wie er sein regelmäßiges Praktikum dem Handelsblatt erklärt. Er will wissen, was beim Textilkonzern gut läuft – und was nicht.
Zalando und Amazon verändern die Modebranche
Die Modebranche verändert sich durch Online-Plattformen wie Zalando und Amazon so schnell, dass es auch für ein Unternehmen wie P&C – nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Unternehmen in Hamburg – immer schwerer wird mitzuhalten. „Unser Geschäft in Deutschland stagniert“, räumt John Cloppenburg ein – bei rund 1,5 Milliarden Euro Umsatz im Jahr. Hinzu kommen noch einmal rund 650 Millionen Euro in Österreich und Osteuropa.
Aber er rechnet „fest damit, dass wir uns 2018 wieder steigern werden“. Wie der Diplom-Kaufmann den nach der Otto Group, H&M und C&A insgesamt siebtgrößten Textileinzelhändler in Deutschland auf Wachstumskurs bringen will? „Es wird wichtig, den Durchschnittsumsatz pro Kunde steigern zu können“, sagt er. So will er beispielsweise mehr Premiummarken verkaufen. Er spricht mit Unternehmen wie Furla und Kate Spade, um die Handtaschenkollektion aufzuwerten.
Für Männer hat er einen neuen Designerbereich eröffnet, mit Marken wie Marni oder auch handgenähten Hemden aus Neapel. Und er will „nicht ausschließen, dass wir künftig noch mehr Schuhe anbieten werden, weil wir auch online gute Erfahrungen machen konnten“. Gleichzeitig will er aber auch mit günstiger Kleidung punkten. Mit Eigenmarken wie McNeal erwirtschaftet er bereits ein Drittel des Umsatzes. Das soll noch mehr werden. „Wir eröffnen in jedem unserer Häuser Shop-in-Shops unserer sich sehr gut entwickelnden Marke Jake’s“, sagt Cloppenburg.
Internetpotenzial zunächst unterschätzt
Er räumt aber auch ein: „Wir haben das Potenzial des Internets anfänglich unterschätzt.“ Doch daraus hat die Familie gelernt. Das Onlinegeschäft erreicht in Deutschland bald acht Prozent des Umsatzes. Um aufzuholen, haben die Cloppenburgs zuletzt 100 Millionen Euro in ihre IT investiert. Das geht, weil sie über eine Eigenkapitalquote von 45 Prozent verfügt sowie in den vergangenen 30 Jahren immer Gewinne erzielte.
Und dafür kämpft John Cloppenburg, der zur vierten Generation der Unternehmerfamilie gehört. Allerdings nicht alleine. Er sitzt unter anderem mit seinem Bruder Patrick, 35, zuständig für das operative Geschäft, und seiner Schwester Catharina, 31, Marketing, in der Geschäftsführung, die noch immer Vater Harro Uwe, 77, leitet.