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Rohstoff-Förderung Dieser Mittelständler hat den Kampf um Boliviens Lithium gewonnen

Wolfgang Schmutz schnappte Großkonzernen den Zugang zum Lithiumschatz weg. Doch der Schwabe wird für das Vorhaben starke Partner brauchen.
13.12.2018 - 18:05 Uhr Kommentieren
Darunter liegt das größte Lithium-Vorkommen der Erde. Quelle: picture alliance/ASSOCIATED PRESS
Salzabbau am Uyuni-Salzsee in Bolivien

Darunter liegt das größte Lithium-Vorkommen der Erde.

(Foto: picture alliance/ASSOCIATED PRESS)

Salvador, Stuttgart Es klingt unglaublich: Der schwäbische Mittelständler Wolfgang Schmutz, Eigentümer der ACI-Gruppe, will künftig mit dem bolivianischen Staatskonzern Yacimientos de Litio in einem Joint Venture 70 Jahre lang Lithium in den Anden fördern.

Zu dem Konsortium gehört auch das Unternehmen K-Utec aus Thüringen, das die Förderanlagen planen soll. Zum Gründungs-Festakt des Joint Ventures reisten eigens der bolivianische Energieminister Rafael Alarcon und Präsident Evo Morales nach Berlin an.

Wer ist dieser Mann, der sich gegen internationale Großkonzerne durchgesetzt hat. „Wir haben seit drei Jahren intensive Kontakte in Bolivien aufgebaut und schon gemeinsam geplant“, sagt Schmutz. Und dabei sei gegenseitiges Vertrauen entstanden.

Und manchmal sind auch kleine Dinge entscheidend. Einer seiner engsten Mitarbeiter Stefan Kosel ist nicht nur mit einer Bolivianerin verheiratet, sondern hat auch exzellente Kontakte in das Land. Schmutz ist 64 Jahre alt, von Haus aus Maschinenbauer und verließ 1990 das Stuttgarter Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA, um sein eigenes Ding zu machen.

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    Der Schwabe, der auch als Honorarprofessor in Erlangen Vorlesungen hält, gilt als Wegbereiter in der Mikroelektronik mit spezialisierten Reinraumkonzepten. Lange Jahre konzentrierte er sich auf Anlagen vor allem für Photovoltaik.

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    Die operativen Geschäfte führt inzwischen sein Sohn mit. Der Vater konzentriert sich auf Kontakte und Strategie. „Vor drei Jahren erkannte ich die strategische Bedeutung von Lithium“, erinnert sich der Unternehmer. Und jetzt dreht er ein ganz großes Rad.

    Schlüsselrohstoff des 21. Jahrhunderts

    Das Budget des Projektes taxiert er auf 300 Millionen Euro. Die Hälfte davon muss er mit Partnern bringen. „Ein bissle haben wir schon selbst“, sagt der Schwabe. Seine eigene Gruppe ist verhältnismäßig klein und kommt nur auf 25 Millionen Euro Umsatz. Bedenken, dass er das Geld nicht zusammenbekommt, hat er nicht. „Es gibt sehr viele Interessenten.“ Und Schmutz ist glänzend vernetzt.

    Auch Baden-Württemberg feiert das Event stolz in der Berliner Vertretung: Peter Altmaier, Bundesminister für Wirtschaft und Energie, und Nicole Hoffmeister-Kraut, baden-württembergische Landesministerin für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau, gehören zu Schmutz‘ Unterstützern.

    Es ist ja auch eine Sensation: Ein deutscher Mittelständler soll künftig als Erster das weltweit größte Lithiumvorkommen anzapfen können. Es ist der Salar de Uyuni, ein Salzsee in 4000 Meter Höhe, wo 5,4 Millionen Tonnen Lithium lagern.

    ACI-Chef Wolfgang Schmutz (l.) mit Juan Carlos Montegro, Chef des staatlichen bolivianischen Partners YLB Quelle: Reuters
    Unterzeichnung des Joint-Venture-Abkommens

    ACI-Chef Wolfgang Schmutz (l.) mit Juan Carlos Montegro, Chef des staatlichen bolivianischen Partners YLB

    (Foto: Reuters)

    Lithium ist einer der Schlüsselrohstoffe des 21. Jahrhunderts, ein Leichtmetall, das aus Sole von Salzseen oder aus Lithiummineralen im Bergbau gewonnen wird. Es steckt vor allem in Batterien. Das Leichtmetall kann so viel Energie speichern wie kein anderes. Mit dem Boom der Elektromobilität wird Lithium künftig immer wichtiger – insbesondere für Deutschlands Autoindustrie.

    Das Problem: Bisher fehlte ein eigener Zugang zu Lithiumvorkommen. Das soll sich nun mit dem deutsch-bolivianischen Joint Venture ändern. „Deutschland erhält durch die Partnerschaft erstmals seit Jahrzehnten wieder einen eigenen Zugang zu einem wichtigen, nicht heimischen Rohstoff“, sagt Schmutz. Dahinter steht auch, dass Wirtschaftsministerin Hoffmeister-Kraut die Hoffnung auf eine Batteriezellenfertigung noch nicht aufgegeben hat. Und dafür braucht Deutschland einen eigenen Zugang zum Rohstoff.

    Als das „neue Gold“ der Automobilbranche wird Lithium bezeichnet. Goldman Sachs spricht vom „neuen Benzin“. Etwa 50 Kilogramm des Alkalimetalls werden für die Kathode einer Lithium-Ionen-Batterie eines Elektroautos gebraucht. Das Karlsruher Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung rechnet damit, dass es im Jahr 2050 bei der Lithium-Versorgung eng werden könnte, falls Autos mit Verbrennungsmotor bis dahin weitgehend vom Markt verdrängt sind.

    Während heute 120 Gigawattstunden (GWh) Leistung in Form der strombetriebenen Akkus produziert werden, sollen es 2025 nach Berechnungen der französischen Energieagentur Avicenne Energy schon 520 GWh sein.

    Förderung derzeit vor allem in Australien und China

    Fast 80 Prozent davon gehen an die Automobilindustrie. Nach Berechnungen der Deutschen Bank lag die Nachfrage nach Lithium im Jahr 2016 weltweit bei 209 000 Tonnen. Bis zum Jahr 2025 sollen es 534 000 Tonnen sein.

    Kein Wunder, dass der Preis für eine Tonne Lithium-Karbonat sich in fünf Jahren auf 14.000 Dollar verdreifacht hat. Ein Wettlauf um die globalen Lithium-Vorräte hat begonnen: Lithium wird derzeit vor allem in Australien und Chile gefördert, aber auch in Argentinien, den USA und China.

    Rund 13 Millionen Tonnen sind mit existierenden Methoden abbaubar. Dabei wird die Sole der Salzseen abgepumpt und getrocknet. 5,4 Millionen Tonnen liegen unter Boliviens Uyuni-Salzsee, mehr als irgendwo sonst. Die Ressourcen des Landes werden gar auf neun von weltweit 25,5 Millionen Tonnen geschätzt.

    Den Weltmarkt dominieren die vier Großkonzerne Albemarle aus den USA, SQM aus Chile, FMC (USA) und Tianqi aus China. Sie decken 90 Prozent des weltweiten Lithium-Bedarfs. Der deutsche Mittelständler will also künftig bei den ganz Großen mitspielen und die bisher kaum genutzten Vorkommen in Bolivien industriell abbauen und aufbereiten.

    Bisher stand sich der bolivianische Staatskonzern bei der Nutzung der Vorkommen meist selbst im Weg. Der staatliche Konzern hat immer wieder Abkommen ausgehandelt, aber im letzten Moment wieder scheitern lassen. ACI ist damit einen entscheidenden Schritt weiter als Chinesen, Russen, Iraner und Koreaner, die mit ihren Ambitionen bisher stets scheiterten.

    Mittelständler Schmutz wird also in jedem Fall starke Partner brauchen, um durchzuhalten. Das die dann auch viel Einfluss haben, muss er in Kauf nehmen. „Unser Kalkül ist, dass wir eben auch bei den Produktionsanlagen zum Zuge kommen“, sagt Schmutz. Und das würde unserem Maschinenbau nutzen.

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