Stadtwerke: Energiepreise treiben kleinere Gasversorger in die Not
Die Zahl der kommunalen Versorger mit Zahlungsschwierigkeiten durch die hohen Energiepreise steigt.
Foto: dpaDüsseldorf. Nach den großen Gashändlern kommen jetzt auch erste Energieversorger in die Bredouille. Sie kündigen Verträge, müssen mit Millionenbeträgen gerettet werden oder rutschen gar komplett in die Insolvenz. Schwierigkeiten melden kleinere Versorger wie E-Optimum oder Kehag, aber auch erste Stadtwerke wie Bad Säckingen, Bad Belzig und zuletzt Leipzig.
Das ist aber offenbar nur der Anfang. Nach Handelsblatt-Informationen aus Branchenkreisen haben bereits weitere Stadtwerke Zahlungsschwierigkeiten. Mehre Energieversorger haben auch schon mögliche finanzielle Unterstützung für Sicherheitszahlungen bei der Bundesregierung beantragt, wie aus einem Dokument hervorgeht, dass dem Handelsblatt vorliegt. Das Volumen umfasst demnach einen zweistelligen Milliardenbetrag.
„Die Energiekrise hat bereits die Dimension der Krise, die die Lehman-Brothers-Pleite ausgelöst hat“, warnt Experte Tobias Federico vom Marktforschungsunternehmen Energy Brainpool. Die Insolvenz der US-Bank hatte 2008 eine Kettenreaktion ausgelöst: systemrelevante Banken mussten mit Milliardensummen gestützt werden.
Energiekrise: Stadtwerke kaufen kurzfristig zu hohen Gaspreisen und Strompreisen ein
Genau das passiert gerade auf dem Energiemarkt: Die Regierung muss immer mehr Konzerne mit Milliardensummen stützen – damit sie die teure Energie noch liefern können. Und die Verbraucher, damit sie die Energie noch bezahlen können. Nach den Worten von Henry Otto von der Unternehmensberatung PwC seien inzwischen nicht nur Versorger mit riskanten Einkaufsstrategien betroffen. „Alle werden nach und nach ein Liquiditätsproblem bekommen“, hält Otto fest. PwC berät selbst zahlreiche Stadtwerke.