Luftfahrt: Weitere Kapitalrunde bei Drohnen-Start-up Wingcopter
Frankfurt. Der deutsche Drohnenspezialist Wingcopter hat sich frisches Kapital beschafft. Zu den Geldgebern gehören der dänische Nordic Secondary Fund, die Europäische Investitionsbank sowie Altinvestoren. Das gab das Unternehmen aus Weiterstadt bei Darmstadt am Freitag bekannt. Wie viel Kapital bereitgestellt wird, teilte Wingcopter nicht mit. Nach Informationen aus Branchenkreisen soll es sich um eine achtstellige Summe handeln.
Wingcopter wurde 2017 von Tom Plümmer zusammen mit Studienkollegen aus Darmstadt gegründet. Ihre Idee: eine elektrisch betriebene Drohne, die senkrecht starten und landen kann. Sie kann bis zu fünf Kilogramm Last – zum Beispiel medizinische Waren – ungefähr 100 Kilometer weit befördern.
Plümmer ist CEO des Unternehmens. Zur Unterstützung bekommt er nun einen Co: den früheren Continental-Manager Bernhard Klumpp. Bei dem Autozulieferer war er zuletzt Leiter des Geschäftsbereichs hydraulische Bremssysteme. Bei Wingcopter soll er unter anderem dabei helfen, die Fertigung der Drohnen kosteneffizient hochzufahren.
Das Start-up hat bislang mehr als 100 Millionen US-Dollar an Kapital eingesammelt, unter anderem bei der Rewe Group, Salvia, XAI Technologies, Xplorer Capital, Futury Capital, Itochu, Drone Fund und Hessen Kapital. Auch die Europäische Investitionsbank hat bereits Mittel beigesteuert. Sie stellte 2023 rund 40 Millionen Euro zur Verfügung.
Dass mit dem Nordic Secondary Fund nun ein neuer Kapitalgeber gewonnen werden konnte, hat auch mit einem neuen Geschäftsbereich zu tun, den Wingcopter zu Jahresbeginn gestartet hat. Das aktuellste Produkt, die Drohne Wingcopter 198, soll nicht nur für den Transport von Waren genutzt werden können. Ausgestattet mit einem modernen Laserscanner und einem Kamerasystem soll das Fluggerät auch für die Vermessung von Infrastruktur eingesetzt werden können.
Investor lobt Geschäftsfelder
Das System wiegt rund 4,5 Kilogramm. Laut Wingcopter können damit etwa Stromleitungen, Pipelines, Schienen oder Straßen auf einer Länge von bis zu 60 Kilometern präzise vermessen werden – selbst in schwer zugänglichen Regionen.
„Wir teilen die Vision des Teams, sinnvolle Veränderungen voranzutreiben“, wird Peter Sandberg, Gründungspartner und Geschäftsführer des Nordic Secondary Fund, in der Mitteilung von Wingcopter zitiert. Mit Sofortlieferungen und der effizienten Inspektion kritischer Infrastrukturen bediene das Unternehmen zwei schnell wachsende Märkte.
Wingcopter braucht ein breites Anwendungsfeld. Das zeigte sich 2023, als ein Großprojekt mit Continental Drones platzte. Geplant war, mit 12.000 Drohnen ein Liefersystem in zahlreichen Ländern Afrikas aufzubauen. Doch die Wingcopter-Führung musste das Vorhaben stoppen. Nach Angaben des Unternehmens hatte der Vertragspartner seine Verpflichtungen nicht erfüllt.