Wochenend-NewsletterEin Onlineshop, der vor Weihnachten richtig nervt – Das Handelsblatt-Wochenende

Wo Deutschland analoger ist, als es scheint, warum Arbeitszeitbetrug floriert, welche Aktien ganz besondere Dividenden bieten und warum ein Abendessen zu Recht 350 Euro kostet: unsere Leseempfehlungen.Sven Prange 20.12.2024 - 12:08 Uhr

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich habe in den vergangenen Wochen die Welt der Kundenbindungsapps für mich entdeckt. Wie andere vor Netflix hänge ich also vor der dm-App, ordere Zahnpasta, Feuchttücher oder Windeln und freue mich, wenn ich die danach in einer Abholbox nur noch aufpicken muss. Je mehr ich in die Welt der Verbraucher-Apps gerutscht bin, desto mehr zweifle ich aber am Stand der Digitalisierung in deutschen Unternehmen.

Als Erstes hat Obi meine Begeisterung getrübt. Die per App georderten Sachen storniert der Baumarkt gern nach der App-Bestellung, weil sie doch nicht vorrätig sind. Offenbar kommuniziert die App nach dem Einkauf mit einem Lagerarbeiter, der dann schaut, ob die Ware vorhanden ist, um dann einzugeben, dass sie nicht da ist. So hatte ich mir bisher eher die Digitalisierung auf dem Gesundheitsamt vorgestellt als bei Leuten, die damit Geld verdienen wollen.

Oder Media-Markt-Saturn. Mein Weihnachtseinkauf über das sehr schicke Portal dort zieht sich durch die ganze Vorweihnachtszeit. Ich darf, falls die zu Beschenkenden hier mitlesen, nicht zu sehr ins Detail gehen. Aber das von mir auserkorene Geschenk lässt sich prima dort bestellen. Die Beschreibung ist top, der Bestellvorgang geht schnell. Leider kommt das Gerät dann nicht.

Ich habe jetzt mehrere Bestellungen durch. Alles läuft immer reibungslos, inklusive Abrechnung. Bis eine Mitarbeiterin schreibt, das Produkt habe man gar nicht vorrätig. Ich habe es mal bei Media-Markt versucht, mal bei Saturn. Es läuft immer gleich. Nun bin ich immerhin einen Schritt weiter: Man könne mir das Gerät mit Kratzern verkaufen. Gut, besser ein Geschenk mit Lebensspuren als gar kein Geschenk. Denke ich mir. Möglicherweise ist Wirtschaftsdeutschland aber auch eine einzige digitale Fassade, hinter der einfach alles analog weiterläuft. Hinter der man sich auch mal mit der B-Lösung zufriedengibt, Hauptsache, vorne steht irgendwas mit digital drauf.

Ich frage mich, ob das noch mehr Menschen nervt. Und ob nicht irgendwann jemand kommt und als Ausweg eine irre Idee umsetzt. Man könnte etwa Räume in Innenstädten schaffen, wo echte Menschen Dinge verkaufen, die man sofort mitnehmen kann. Ohne weiteren Aufwand. Vielleicht ist das ja eine Vision zu Weihnachten. Man könnte sie Laden nennen.

Ich hoffe, Sie haben die Vision schöner Feiertage vor sich – vielleicht ja auch dank unserer zehn Leseempfehlungen.

Ihr
Sven Prange

Ressortleiter Wochenende

Arbeitszeit
Arbeitszeitbetrug kann hohe wirtschaftliche Schäden für die betroffenen Unternehmen verursachen. Foto: GETTY IMAGES

„Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“

Als mir Annika Keilen neulich erzählte, wie viel Aufwand Menschen betreiben, um bei der Arbeitszeiterfassung zu betrügen, dachte ich: Die Zeit kann ich dann auch gleich arbeiten und habe anschließend keine Probleme. Offenbar sehen das aber viele anders. Arbeitszeitbetrug scheint der neue Volkssport der Büroarbeitenden zu sein – Annika hat hier aufgeschrieben, wie es funktioniert und wem das schadet.

Donald Trump: Der erneut gewählte US-Präsident bereitet sich auf eine Rückkehr nach Washington vor – und Washington auf ihn. Foto: picture alliance / AP Images, AFP

Die ersten Wochen nach dem Trump-Beben

Ich ertappe mich bei einer Marotte, die ich vor vier Jahren erfolgreich abgelegt hatte: Wache ich morgens auf, schaue ich heimlich als Erstes auf eine News-Site. Zu spannend ist die Frage, was Donald Trump und sein Irren-Kabinett da wieder angestellt haben. Meistens wird mein Voyeurismus auch bedient. Während ich das Ganze halb schaudernd, halb amüsiert aus der Ferne beobachte, lebt meine Kollegin Annett Meiritz mittendrin. Hier hat sie aufgeschrieben, wie Trump schon heute das Leben vor Ort verändert.

Berlins Erzbischof Heiner Koch: „Demokratische Wahlen sind kein Glaubensbekenntnis.“ Foto: picture alliance/dpa

„Wir brauchen Milei und Musk nicht als Vorbild“

Der Berliner Erzbischof Heiner Koch ist maßlos enttäuscht über die schnelle Forderung der Politik nach Abschiebung syrischer Flüchtlinge. Thomas Sigmund hat mit dem Geistlichen darüber gesprochen, in welchem Gemütszustand das Land dieses aufreibende Jahr beendet. Ich habe aus dem Gespräch drei Dinge gelernt: Deutschland braucht vieles, nur nicht eine komplett freidrehende FDP, die sich an Clowns wie Musk und Milei orientiert. Die Küchengespräche von Robert Habeck sind schlauer, als viele Berufsspötter schreiben. Und ich sollte doch die Memoiren von Angela Merkel lesen.

Gastronomie
Marco Müller: Die kulinarische Biografie des Sternekochs hat deutsche wie französische Komponenten. Foto: PR

Warum ein Menü 350 Euro kostet

Vielleicht habe ich das hier schon mal erwähnt: Ich teile mit meinem Kollegen Thorsten Firlus ein kleines Laster – die Vorliebe für tendenziell höherpreisigen Wein und Essen. Diese Vorliebe ist anderen schwer zu vermitteln, wenn in dieser Welt ein Menü auch mal mehr als 300 Euro kostet. Um diese Vermittlung etwas zu erleichtern, hat Thorsten den Berliner Koch Marco Müller besucht – einen der zehn besten Deutschlands. Müller hat ihm vorgerechnet, warum sein aktueller Menüpreis von 350 Euro kein Wucher, sondern betriebswirtschaftliche Notwendigkeit ist – die genaue Aufschlüsselung lesen Sie hier.

Büchersterne: Die Handelsblatt-Redaktion empfiehlt zehn Sachbücher. Foto: Getty Images

Zehn Wirtschaftsbücher, die Sie lesen sollten

Vergangene Woche haben wir Ihnen an dieser Stelle zehn Romane zum Jahresende empfohlen. Falls Sie sich nicht nur unterhalten, sondern auch inspirieren lassen wollen: Diese Woche legen wir mit zehn Sachbüchern nach. Unser Team hat die Titel der zweiten Jahreshälfte zusammengestellt, die Sie nicht verpassen sollten.

Bier, Schokolade und Schlafanzüge: Bei manchen Aktien erhält man unterschiedlichste Sachdividenden. Foto: Getty Images, PR

Fünf ganz besondere Aktien

Sie suchen noch eine Gelegenheit, Ihr Weihnachtsgeld anzulegen? Diese Woche hat Benjamin Ansari fünf ganz besondere Aktien für Sie herausgesucht. Die Unternehmen zahlen alle eine ordentliche Dividende, zum Teil schon seit Jahrzehnten – sie zahlen sie aber nicht unbedingt in Geld aus. Was dahintersteckt und wie sich solche besonderen Aktien lohnen, lesen Sie hier.

Stress bei den Weihnachtsbesorgungen: Weihnachten ist für viele Menschen eine mental belastende Zeit. Foto: DigitalVision/Getty Images

Weihnachten nervt? Hier finden Sie eine Lösung

Seit ich Kinder habe, freue ich mich tatsächlich wieder richtig auf Weihnachten. In den Jahren davor schwankte ich da stärker. Zu viel Familie, zu viel Rituale, Sie kennen das vermutlich. Warum Weihnachten für viele so belastend ist und was dagegen hilft, hat Annika Keilen aufgeschrieben.

Zwischen Sehnsucht und Wirklichkeit entsteht zum Jahresende eine Spannung, die diese Tage oft ambivalent macht, schreibt Patricia Thielemann. Foto: Knickriem, Getty Images

Neun Tipps für friedliche Feiertage

Wenn Ihnen das noch nicht reicht, können Sie gleich bei unserer Kolumnistin Patricia Thielemann weiterlesen. Sie hat neun konkrete Merksätze zusammengestellt, wie Sie an Weihnachten nicht wahnsinnig werden.

Das Fest der Liebe sollten auch ambitionierte Hobbysportler mit ein oder zwei Keksen feiern, schreibt Thorsten Firlus. Foto: PRIVAT

Fit trotz Festessen

Und wenn Sie das Ganze nicht nur mental, sondern auch körperlich belastet, was ja an der einen oder anderen Festtafel vorkommen soll: Thorsten Firlus isst nicht nur gern, sondern ist ja auch unser Fitnesskolumnist. Hier hat er für Sie aufgeschrieben, wie Sie fit über den Jahreswechsel kommen.

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1957, Mercedes-Benz 300SL Gullwing: Oldtimerhändler Benjamin David bezeichnet dieses Modell als Evergreen. Foto: picture alliance / Heritage Images

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