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Bausparkassen: Eine Branche am Pranger

exklusivFrüher galt Bausparen als langweilig. Nach Enthüllungen über die Wüstenrot-Tricks bricht nun ein Sturm der Entrüstung über die Branche her. Ausgerechnet AWD-Gründer Maschmeyer wird zum Kronzeugen für den Verbraucher.

Die Bausparkasse Wüstenrot.
Die Bausparkasse Wüstenrot.

DüsseldorfDie Fehlberatungen der Bausparkasse Wüstenrot empören die Kunden. Sie treffen aber auch auf heftige Kritik in Politik und Wirtschaft. Verbraucherministerin Ilse Aigner warnte gegenüber dem Handelsblatt vor Übervorteilung der Kunden. Die Chefin der Finanzaufsicht (Bafin), Elke König, stellte fest, Umdeckungen störten das Vertrauensverhältnis zwischen Anbieter und Kunden. Und der Gründer des Finanzvertriebs AWD, Carsten Maschmeyer, forderte schärfere Gesetze.

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Bausparberatung „Das ist der Gipfel der Verlogenheit“

Verbraucherschützer Niels Nauhauser attackiert die Bausparkasse Wüstenrot heftig. Deren Chef hatte im Handelsblatt seinen Beratern mehr Fairness empfohlen. Nauhauser rät Kunden, sich zu beschweren.

Die drittgrößte deutsche Bausparkasse Wüstenrot, die zur Wüstenrot & Württembergische Gruppe gehört, hatte Kunden von hoch verzinsten Verträgen in schlechtere gelockt. Gleichzeitig versprach sie jedem Vermittler bis zu 1300 Euro und mehr Provision pro Umdeckung.

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU). Quelle: dapd
Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU). Quelle: dapd

Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) sagte: „Ich erwarte, dass Vertragspartner fair miteinander umgehen." Die Fairness werde verletzt, wenn ein Vertragspartner das Vertrauen des anderen ausnutze, um diesen zu finanziell nachteiligen Entscheidungen zu bewegen, die dem eigenen Vorteil dienten. „Bei jeder Vertragsumwandlung ist Vorsicht geboten. Wer die finanziellen Konsequenzen nicht abschätzen kann, sollte unabhängigen Rat in Anspruch nehmen“, forderte Aigner die Kunden vor Abschluss eines neuen Vertrages auf.

Die Provisionen der Banker im Überblick

  • Die Liste

    Eine exklusive, längst nicht abschließende Aufstellung. Sie zeigt, die Höhe der von den entsprechenden Instituten vereinnahmten Rückvergütungen. Die Quelle sind Auskünfte, die vorwiegend die Kanzlei Nittel aber auch andere Kanzleien von den Instituten erhalten haben. Zum Teil antworteten die Banken erst, nachdem diese zur Auskunft verurteilt wurden.

  • BBBank

    Sie bekam für „GAF Active Life 2“ 8,5 Prozent. Beim “BAC LifeTrust 14” kassierte sie dann immerhin schon 6,35 Prozent. Beim Schiffsfonds MT „King Edwin“ waren es 12 Prozent, beim
    “Life Trust 6” waren es 7 Prozent.

    Beim „BBBank Dynamik Union“ waren es 2,5 Prozent einmalig und 0,55 Prozent pro Jahr.

  • BW Bank (LBBW)

    Für die Vermittlung des „LHI Fonds Kaledo I“ nahm das Institut 5,15 Prozent.

  • Commerzbank

    Ein Urteil des Oberlandesgerichts Frankfurt (Az.: 9 U 153/09) belegt, dass die Bank für den Verkauf zweier Medienfonds (VIP3 und VIP4) Zahlungen von 8,25 beziehungsweise bis zu 8,75 Prozent bekam.

  • Fürstlich Castell’sche Bank

    Ist eher bescheiden. Für den „DWS Inter Genuss“ bekam sie 1,95 Prozent.

  • DAB Bank

    Sieben Prozent bekam sie für die Vermittlung von drei Zertifikaten im Wert von 30.000 Euro.

  • Deutsche Bank

    Sie kassierte erhielt bei einem Nordcapital-Fonds 13 Prozent.

  • Deutsche Apotheker und Ärztebank

    Für „MPC MS Santa P Schiffe“ vereinnahmte sie 14 Prozent. Für „Carmignac Patrimonie“ waren es 6,8 Prozent. Für den „KanAm Grundinvest“ gab es 8,4 Prozent. Für Commerzbank Capped Garantieanleihen III bekam sie 3,75 Prozent.

  • Dresdner Bank (Commerzbank)

    Sie bekam für den BGF-New Energy FD NAM. A2 zunächst einen Ausgabeaufschlag von fünf Prozent und dann eine Vertriebsfolgeprovision in Höhe von 1,140 Prozent. Für den F.TEM.INV-T.GWTH A ACC bekam sie einen Ausgabeaufschlag von 5,54 Prozent und eine Vertriebsfolgeprovision in Höhe von 0,975 Prozent. Beim BGF-World Gold NAM.A2 gab es fünf Prozent Ausgabeaufschlag und 1,140 Prozent Vertriebsfolgeprovision.

  • Freie Finanzberater (Fondsdepotbank)

    Für den „Morgan Stanley P2value“ erhielten freie Berater via Fondsdepotbank sie 3,8 Prozent einmalig und 0,2 Prozent pro Jahr von der Gesellschaft..

    Die Fondsdepotbank hat weder einen eigenen Vertrieb noch betreut sie Direktkunden. Das Institut fungiert als Administrator von Investmentkonten für freie Finanzberater. Die Konditionen legen die Kapitalanlagegesellschaften fest und werden von der Fondsdepotbank weitergereicht.

  • Kreissparkasse Reutlingen

    Sie bekam für einen in den 1990er Jahren vertriebenen geschlossenen Immobilienfonds acht Prozent Provision.

  • Kreissparkasse Tübingen

    Sie kassierte auch gleich zweimal für den Vertrieb eines Deka-Fonds. 3,75 Prozent als einmalige Provision und weitere 1,25 Prozent pro Jahr Bestandsprovisionen.

  • Sparkasse Hildesheim

    Üppig. Sie bekam für „MPC Offen Produktentanker“ stolze 11 Prozent.

  • Sparkasse Jena‐Saale‐Holzland

    Hier gab es für den „HGA Mitteleuropa V“ 7,5 Prozent.

  • Sparkasse Stakenburg

    Für den Hannover Leasing Fonds Nr. 177 „Maritime Werte 3“ erhielt sie 6,8 Prozent.

  • Targobank (Citibank)

    Hier ging es um Zertifikate der Lehman Brothers. Die ehemalige Citibank bekam hier eine einmalige Provision von drei Prozent sowie eine Bestandsprovision von weiteren 3,05 Prozent.

  • Volksbank Kraichgau

    Sie vermittelte den Atlantic Fonds MS “Saylemoon Rickmers”/ MS “Nina Rickmers” und bekam 12 Prozent.

    Für den “AAA Capital Game Production” bekam sie 7 Prozent.

Auch die Präsidentin der Finanzaufsichtsbehörde Bafin, Elke König, kritisiert provisionsgetriebene Umdeckungs-Praktiken von Versicherern und Bausparkassen. „Wenn ein Versicherer einen Kunden dazu überredet, einen Vertrag aufzulösen, um einen neuen, für den Kunden weniger günstigen Vertrag bei ihm abzuschließen, ist das ein Problem – nicht nur für die Reputation des Unternehmens“, sagte König im Interview mit dem Handelsblatt.

Ein solches Verhalten sei mit geltenden Beratungspflichten kaum in Einklang zu bringen und berge daher ein hohes Schadensersatzrisiko, sagte König. „Dass dadurch das Vertrauensverhältnis von Versicherern und Versicherungsnehmern gestört wird, versteht sich von selbst.“ König zufolge handelt es sich dabei um „bedauerliche und ärgerliche Einzelfälle“.

  • 27.12.2012, 14:28 UhrKassandra

    Massen-Party geht weiter. Habe heute Schreiben ohne konkretes Datum bekommen: "Zu Ihrem Bausparvertrag gibt es dringenden Gesprächsbedarf".
    Keine Bauspar-Nummer! Keine Unterschrift!
    Also Massen-"Drucksache"!
    Aktion "Kampf um Gold" vom Großen Alexander läuft planmäßig weiter!
    Wie hieß der Laden früher: Gesellschaft der Freunde Wüstenrot - die war so honorig, denen konnte man eine Blanko-Unterschrift geben. Heute lieber gar keine Unterschrift.
    Kassandra - geläutert

  • 21.12.2012, 11:23 Uhrpedro

    falsche rechtschreibung ist immer noch besser als eine rechtsschreibung
    der sinn macht die musik
    schreiberei im obdachlosenblatt braucht andere themen
    usw...usw...usw

  • 21.12.2012, 08:08 Uhrmanfred

    Von Wüstenrot hätte ich Seriösität erwartet. Aber Sie Reihen sich in die Reihe der schwarzen Schafe ein. Es geht nicht um die Kunden, sie sind nur die Bauern auf dem Schachbrett. Es geht um Macht,Profit und hervorragende Kennzahlen. Ein ähnliches "Betrügererlebnis" hatte ich mit der VPV-Versicherung. Eigentlich müsste man Roß und Reiter nennen, um andere Kunden vor diesen Individien zu warnen.

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