Investor Paul Singer Argentiniens Staatsfeind Nummer eins

„Geier“, „gieriger Spekulant“ – das sind noch nette Bezeichnungen für Paul Singer. Der Hedgefonds-Manager gilt als der Mann, der Argentinien in die Pleite getrieben hat. Er eignet sich hervorragend als Sündenbock.
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Paul Singer, Gründer des Hedgefonds Elliott Management, gilt als unerbittlicher Investor. Quelle: Bloomberg

Paul Singer, Gründer des Hedgefonds Elliott Management, gilt als unerbittlicher Investor.

(Foto: Bloomberg)

DüsseldorfDer Pleitegeier hat ein Gesicht: Graues Haar, grauer Vollbart, runde Brille, strenger Blick. Es ist das Gesicht von Paul Singer, Hedgefonds-Manager und Milliardär. Seit heute gilt er als der Mann, der Argentinien in die Pleite getrieben hat.

Singer ist Wortführer einer Gruppe von Investoren, die das südamerikanische Land auf Rückzahlung von Schulden in Höhe von 1,3 Milliarden Dollar verklagt hatten. Argentinien verweigerte die Zahlung. Die Hedgefonds lehnten einen Kompromiss ab. Die Frist, doch noch zu einer Einigung zu kommen, ist in der vergangenen Nacht abgelaufen. Damit wird das Land zum zweiten Mal innerhalb von 13 Jahren offiziell als zahlungsunfähig eingestuft

Die Argentinier sehen in Singer den Hauptschuldigen ihrer Misere. Argentiniens Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner geißelte ihn und seine Mitstreiter als „Geierfonds“. Kein Präsident einer souveränen Nation könne sein Land einer solchen Erpressung unterwerfen. In einer beispiellosen Aktion schaltete die argentinische Regierung weltweit ganzseitige Zeitungsanzeigen. Singer sei ein „gieriger Spekulant“, hieß es darin.

Der berüchtigte Ruf, der dem Investor aus New York vorauseilt, kommt nicht von ungefähr. Der 69-Jährige steigt ein, wenn andere Anleger aussteigen. Er investiert mit Vorliebe in bankrotte Unternehmen und klamme Staaten. Seine Forderungen setzt der gelernte Jurist anschließend mit allen Mitteln durch, notfalls vor Gericht.

Als Argentinien im Jahr 2001 vor der Pleite stand, war der Moment für Singer gekommen. Nachdem die Kurse für argentinische Staatsanleihen eingebrochen waren, investierte sein Fonds NML Capital knapp 50 Millionen Dollar in die Papiere. Den Schuldenschnitt, den Argentinien in der Folge mit den meisten Investoren aushandelte, verweigerte Singer. Er und einige andere Fonds führten stattdessen einen jahrelangen Rechtsstreit, bei dem sie auf die volle Rückzahlung plus Zinsen pochten. Zwischenzeitlich ließ er ein Segelschulschiff der argentinischen Marine vor der ghanaischen Küste als Pfand festsetzen.

Ein Bundesgericht in New York sprach ihm und einem weiteren US-Hedgefonds im Jahr 2012 schließlich 1,3 Milliarden Dollar zu, Mitte Juni lehnte der Supreme Court in Washington eine letzte Beschwerde des südamerikanischen Landes ab. Das Gericht ordnete an, dass Argentinien zunächst diese Schulden tilgen muss, ehe es all jene Gläubiger bedienen darf, die sich an dem Schuldenschnitt beteiligt haben. Anders ausgedrückt: Zahlt das Land in dem einen Fall nicht, darf es auch in anderen Fällen nicht zahlen – und ist damit faktisch zahlungsunfähig.

Singer mischt auch in Deutschland mit
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44 Kommentare zu "Investor Paul Singer: Argentiniens Staatsfeind Nummer eins"

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  • "Mit der Moral an den Finanzmärkten verhält es sich so wie mit einzelnen Strümpfen. Man findet sie erst, wenn man aufgehört hat zu suchen", so Georg on Wallwitz in seiner schonungslosen Analyse der Finanzmärkte unter dem Titel: "Odysseus und die Wiesel"; und Singer scheint zu der Sorte zu gehören, die gar nicht erst sucht. In einem hat er aber Recht: Für miserable Politik kann er nichts!!

  • Sehr geehrter Herr Schmidt, ich geben Ihnen in fast allen Punkten recht. Ausnahme: In der Natur "tötet" der Parasit für gewöhnlich seinen Wirt nicht. Die Natur kennt ihre Grenzen, die "Paul Singers" nicht ... aber das kenne wir ja.

  • Zwar würde ich unterschreiben, dass es immer zwei Beteiligte an einer Misere gibt. Zum einen sollten Wetten um die Insolvenz ganzer Volkswirtschaften absolut verboten werden; zum anderen darf eine Regierung nicht so wirtschaften, dass das Land durch eine handvoll Hedgefonds Managern expressbar wird. Paul Singer's Methoden sind bekannt und typisch für einen bestimmten Schlag von Menschen. Sein Vermögen hat er durch gezielte rechtliche Erpressung unterstützt durch Urteile manipulierter, amerikanischer Gerichte zusammengerafft.

  • Bei Bank/Geldgeschäften ist eine Moral noch nie zu finden gewesen.
    Lesen sie mal die Menge der Anzeigen der zwangsversteigerten Häusern in Old Germany!

  • Was kann man dem Hedgefonds vorwerfen?

    Das Anleihen zur Fälligkeit zu 100% wieder ausgezahlt werden sollen ist allseits bekannt. Herr Singer hat Risiko in Kauf genommen und zugeschlagen!
    Das er jetzt Druck ausübt bzw. ausüben kann ist doch normal!
    Argentinien hat die Anleihen selbst emmitiert und wusste auch wann diese fällig sind und wenn dann ein Gläubiger seine 100% haben will, dann hat er diese auch zu bekommen solange der Emmitent sie auf irgendeine Art und Weise zahlen kann!

    Sie ALLE hier würden auch auf ihre Rechte bestehen..
    Und wenn jetzt das Volk bluten muss kann man es vielen Leuten vorwerfen, aber nicht dem Hedgefonds.. Der hat das Investment gerochen, das Risiko abgewägt und investiert...

    Wieso sollte er sich hunderte Millionen Dollar entgehen lassen aus.. Aus Wohlwollen? Heutzutage bekommt man nichts mehr geschenkt... und wenn Argentinien sich jetzt verzockt hat müssen die auch verdammt nochmal die Suppe auslöffeln!

    Ich finde es schon mehr als peinlich dass der Argentinische Staat die Schuld auf Herrn Singers Hedgefonds schiebt... Er beharrt nur auf seinen Rechten und wenn er keinen Bock auf eine Einigung hat dann ist das seine Entscheidung..

    Hätte sich das Gericht anders entschieden hätte er auch eine Menge verlieren können!

  • und die Bolschewiki erkannte diese Schulden nicht an und stellten die Zahlungen ein.

  • Kosto war Ungar ^^

  • @ H. Reissner

    Nun, diplomatischer oder persönlicher (K. war ja Russe)Druck haben eine andere Qualität als bestellte Gerichtsurteile. Sie würden einen Schuldner
    ja auch diskret mahnen, seinen Verpflichtungen nachzukommen.
    Außerdem sei bemerkt, daß Russland immer seine Staatsschulden beglichen hat, selbst die aus der Zarenzeit durch die Bolschewiken. Sowas schafft schon eine gewisse Vertrauensgrundlage.

  • Aber dann hat er gewartet, bis R wieder zu Kräften kam und die alten Anleihen freiwillig einlöste.

    So richtig freiwillig war das wohl nicht. Der gute Kosto hat Druck ausgeübt, das Russland erst nach dem Zugeständniss der Begleichung der Altschulden, sich auf dem freien Markt bedienen durfte.
    Der Unterschied liegt ehr darin, das die Summe im Verhältnis zum erwarteten Staatseinkommen Pinats waren.

    Es wurden bei ihren Beispielen keine Gerichte benötigt, weil freiwillig bezahlt wurde. Mit Griechenland kommt das gleiche Szenario. Die Staatengemeinschaft beschließt einen "freiwilligen" Schuldenschnitt, den aber nicht alle mitgemacht haben. Ergo wird Griechenland zahlen müssen.

  • Jetzt schieben die Argentinier die Staatspleite auf diesen einen Mann!

    An seiner Stelle hätte ich genauso gehandelt. Argentinien wusste auf was man sich einlässt wenn man sich frisches Geld besorgt und Herr Singer's Risiko war auch nicht gerade unnennenswert...

    SELBST SCHULD ARGENTINIEN!

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