
Der "Zeit"-Reporter Ulrich Stock hat die "Bild"-Zeitung einmal mit einem Jahrmarkt verglichen: "mit Schießbuden, Achterbahnen, Gruselkabinetten, Fischbrötchen, Handlesen und Hau-den-Lukas".
Am Sonntag wird "Bild" 60 Jahre alt - und noch immer ist das Blatt laut, grell, bunt - selten dumm, manchmal vulgär, gelegentlich hintergründig, schon auch mal ungerecht und verletzend, oft kreativ, häufig platt, ab und zu genial, immer unterhaltsam und niemals langweilig.
"Bild" ist das pralle Leben mit seinen Sternstunden und seinen Abgründen. Und "Bild" polarisiert - immer noch.
Für Günter Grass ist das vom Presserat meistgerügte Blatt Deutschlands ein "Instrument des Appells an die niederen Instinkte" und "regelrecht widerlich". Sein Schriftstellerkollege Max Goldt findet: "Diese Zeitung ist ein Organ der Niedertracht. Es ist falsch, sie zu lesen." "Bild"-Redakteure hält er für "schlechte Menschen, die Falsches tun".
Viele Intellektuelle und Künstler stören sich vor allem daran, dass "Bild" die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Ereignisse nicht (nur) beobachtet - sondern Position bezieht und Teil des Geschehens wird. Während andere Zeitungen oft krampfhaft versuchen, nüchtern, sachlich und - scheinbar - objektiv zu erscheinen, hält sich "Bild" mit solchen Fragen nicht auf. Von Fall zu Fall kämpfte das Blatt leidenschaftlich - gegen die Studentenbewegung, für die deutsche Einheit, gegen Sozialhilfemissbrauch oder für eine deutsche Stabilitäts- und Geldwertkultur in der Euro-Krise. "Bild" deckte Skandale wie die Bonusmeilen- und die Wulff-Affäre auf oder identifizierte pointiert und treffsicher gesellschaftliche Stimmungen, beispielsweise mit der legendären Schlagzeile: "Wir sind Papst."
Axel Springer hatte ein großes Ziel: Er wollte "das größte Zeitungshaus Europas" schaffen - und es gelang ihm. Streitbar war der Verleger der Bild-Zeitung immer, aber besonders Ende der 60er-Jahre. Der Historiker Tim von Armin hat Springers Leben in seiner Biografie "Und dann werde ich das größte Zeitungshaus Europas bauen" (Campus Verlag) festgehalten. Es folgt der spannende Teil über die Einführung der Bild-Zeitung.
Inspiriert wurde Axel Springer von der Hamburger Morgenpost und dem britischen Daily Mirror. Beide zielten auf die Psyche des Ins-Büro-Fahrenden, wie Springer es ausdrückte. Damals war es ungewöhnlich, dass Tageszeitungen auf dem Weg zur ARbeit erworben wurden.
Axel Springer persönlich war die treibende Kraft der Bild-Zeitung. Viele Details der Gründungsphase sind nur spärlich überliefert. Die Idee war von Beginn an eine am Morgen erscheinende, niedrigpreisige Boulevardzeitung. Vorbilder gab es nicht nur im Ausland ...
Die Bild-Zeitung sollte der Preisführer unter den deutschen Zeitungen und schon für zehn Pfennig zuhaben sein. Das entspricht dem Bestreben, die Bedürfnisse der breiten Bevölkerung zu erfüllen. Hier sah Springer ein enormes Absatzpotenzial.
Natürlich gab es das Seite-1-Mädchen (übrigens jüngst in den Innenteil verbannt) damals noch nicht. Aber klar war von Beginn an, dass der Name "Bild"-Zeitung kein Zufall war. Springer war fasziniert von der fortschrittlichen anglo-amerikanischen Presse und der konsequenten Betonung visueller Effekte.
Die vier dicken Buchstaben gibt es noch heute. Entworfen hat das Logo der Werbegrafiker Günther T. Schultz, ein langjähriger Freund Springers. Über den vier Lettern stand "10 Pfg" und darunter Zeitung".
Die erste Seite 1 der Bild-Zeitung sah völlig anders aus als heute. Sie bestand ausschließlich aus Fotos und Unterzeilen. Plus natürlich die dicke Überschrift. Die Fotos waren schwarz-weiß und entsprechend groß. So sollte die Wirkung der Bilder voll zur Geltung kommen.
Kritik daran gab es im Verlagshaus durchaus. Doch Springer setzte sich durch gegenüber der Meinung, dass eine Seite 1 nicht nur aus Bildern bestehen könne.
Die Druckkosten-Kalkulation gab es im Oktober 1951. Es folgten viele Gespräche mit führenden Verlagsvertretern. Die erste Ausgabe hielten Leser am 24. Juni 1952. Die erste Auflage lag bei 500.000 Exemplaren. Sie wurden kostenlos in Hamburg verteilt.
Springer nutzt die kurz darauf beginnenden Olympischen Spiele in Helsinki, da gerade zu dieser Zeit das Informationsbedürfnis der Leser besonders hoch war.
Ein Erfolgsmodell von Beginn an war die Bild nun wahrlich nicht. Trotz der vielen Bilder auf der Seite 1 und den boulevardesken Inhalten inklusive der Sinnsprüche und der berühmten Kolumne "Hans im Glück" war das Interesse am ersten Verkaufstag (25. Juni 1952) gering. Bis Ende 1952 lag die durchschnittliche verkaufte Auflage bei 165.000 Exemplaren und es war keine Besserung in Sicht.
Axel Springer hielt aber an seinem Vorhaben fest - ließ aber mit sich reden. Umfang und Bedeutung der Textelemente wurden erhöht. Im Januar 1953 sagte Springer: "Wir müssen mehr Text machen." Es folgte ein experimenteller Prozess. (Wenig) Sex und (viel) Crime machten den wesentlichen Teil aus. Bis 1958 wuchs die Zahl der Redakteure von einer Handvoll auf über 100.
Der Erfolg setzte nach rund einem Jahr ein. Neben der redaktionellen Umgestaltung halfen auch Verbesserungen beim Vertrieb. Im September 1953 wurden erstmals über eine Million Exemplare verkauft. Ein Jahr später war die Bild Europas größte Tageszeitung.
Nach dem Durchbruch der Bild zog sich Axel Springer aus dem redaktionellen Tagesgeschäft zurück. Prägende Chefredakteure werden in den kommenden Jahren Rudolf Michael, Peter Boenisch und Günter Prinz.
Und ist das nicht eigentlich viel ehrlicher, als dem Leser eine (Schein) Objektivität vorzugaukeln und dabei sogar in Meinungsbeiträgen auf Ausgewogenheit zu achten? Keine Frage: "Bild" ist einseitig, dabei aber eben auch offen und direkt. Jeder Leser weiß, unabhängig von seinem Bildungsgrad, was das Boulevard-Blatt denkt, fühlt und fordert - und doch bringt gerade diese Meinungsstärke Teile unserer linken Eliten immer wieder gegen "Bild" auf.
Im Grunde offenbart diese Kritik ein Weltbild der willenlosen, manipulierbaren Massen, die jederzeit bereit sind, jemandem hinterherzulaufen - und sei es einer Zeitung. Dieser Blick auf die Menschen lag übrigens auch dem "Proletarischen Theater" des Regisseurs Erwin Piscator zugrunde, einer Agitprop-Truppe, die in der Weimarer Republik Arbeiter zu guten Sozialisten bekehren wollte.

Wer nur Bild liest ist für mich ein ungebilderter Mensch
( Diskussionen zwecklos).Es werden massiv in der
BZ Menschen in Europa und anderswo gegeneinander
aufgehetzt, Vorurteile geschürt um die Auflagen zusteigern.
Ich drau mich momentan aufgrund der Hasschlagzeilen
nicht nach GL um Urlaub zu machen. Merkel, Schäuble und
Bild lassen grüßen. So werden Völker bewusst auseinander
dividiert. Es muss bei Bild ein umdenken erfolgen. Wie heißt es
so schön:"der Mensch( Politiker) ist das Problem."
MfG
Walter Schmid

auf den Punkt getroffen..
Wer differenzieren kann,darf eh alles lesen..
und solange Bild neben dem Busenbild auch noch
Politisches Interesse weckt in dem Malocher,
welches er in seiner Stammpinte diskutiert..wunderbar.
Nichts trifft den Nagel oftmals dermaßen auf den
Punkt,wie die einfache Volksseele.Da ist einiges an
Unverfälschtheit zu registrieren.
Dem Volk aufs Maul geschaut..auch wenns dem
Intellektuellen schmerzt.

Auch nach 60 Jahren gilt immer noch: BILD, blind, blöd! Die miserablen Pisa-Ergebnisse sind doch durch BILD erst möglich geworden. Denn schließlich liegt das Schmutzblatt in paar Millionen Haushalten herum und infizieren Kinder schon in frühen Jahren. Und nur noch peinlich finde ich es, dass jede Menge Promis, darunter sogar einer der SAP-Gründer vor diesen Jauchewagen spannen lassen. Es gibt kein Presseorgan in Deutschland, das häufiger zurecht verklagt und gerügt wurde. Und mit Einführung der Herdprämie kann in naher Zukunft vielleicht der Leser- und Auflageschwund wieder gestoppt werden. Eine ordentliche Spende von Springer an die CSU sollte dabei rausspringen.
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