Säureangriff auf Bernhard Günther: Hans Bünting übernimmt kommissarisch Finanzvorstand bei Innogy
Der Innogy-Vorstand wurde Opfer eines Säureanschlags.
Foto: dpaDüsseldorf. Das Säureattentat auf den Finanzvorstand von Innogy, Bernhard Günther, hat im und außerhalb des Unternehmens tiefe Bestürzung ausgelöst. Der Chef von Innogy-Mutter RWE, Rolf Martin Schmitz, zeigte sich am Montagmorgen „erschüttert“. „Die unfassbare Attacke auf Bernhard Günther hat uns zutiefst getroffen“, erklärte RWE-Chef Rolf Martin Schmitz. „Wir alle sind bestürzt und entsetzt über die schreckliche Tat. Unsere Gedanken sind jetzt bei Bernhard und seiner Familie.“
Das Motiv der Tat ist nach Angaben der Polizei weiter unklar. Nach Informationen des Handelsblatts aus Konzernkreisen war es aber nicht das erste Mal, dass der Finanzvorstand Opfer eines Überfalls wurde. Vor wenigen Jahren, als er noch Finanzvorstand beim Mutterkonzern RWE war, war Günther beim Joggen attackiert und zusammengeschlagen worden.
Die Polizei wollte sich auf Anfrage nicht äußern, ob sie einen Zusammenhang zwischen den beiden Taten prüft. Sie ermittelt nach wie vor „in alle Richtungen“ – also sowohl im privaten wie im beruflichen Umfeld.
Deshalb wurde auch der Staatsschutz hinzugezogen. Er wird üblicherweise eingebunden, wenn eine Verbindung zur beruflichen Funktion abgeklärt wird. Nach Informationen des Handelsblatts wurde die Sicherheit der übrigen Vorstände von Innogy erhöht. Das gilt auch für RWE. Beide Konzerne wollten das auf Anfrage aber nicht bestätigen.
Unbekannte hatten den 51-jährigen Manager am Sonntagvormittag in Haan bei Düsseldorf mit Säure übergossen. Der Mann wurde in eine Spezialklinik gebracht. Er ist schwer verletzt, aber außer Lebensgefahr. Sein Gesundheitszustand sei unverändert, sagte der Sprecher der Polizei am Montag.
Günthers Aufgaben bei Innogy werden kommissarisch von seinem Vorstandskollegen Hans Bünting übernommen. Dies erfuhr das Handelsblatt aus Konzernkreisen. Der 53-jährige ist seit 2016 im Vorstand für Erneuerbare Energien zuständig – und soll das parallel auch weiter machen.
Der promovierte Wirtschaftswissenschaftler ist seit rund 20 Jahren im Konzern tätig. Als Manager war er in verschiedenen Konzerngesellschaften für Controlling und Finanzen verantwortlich, unter anderem bei RWE Supply & Trading und der RWE AG. Ab 2008 hatte er zunächst als Finanzvorstand und dann als CEO der damaligen RWE Innogy GmbH das Geschäft für Erneuerbare Energien aufgebaut.
Energiekonzerne erhöhen ihre Sicherheitsvorkehrungen
Die Täter sind weiter flüchtig. Die Polizei fahndet nach „zwei circa 20 bis 30 Jahre alten Männern mit südländischem Aussehen“. Beim Polizeipräsidium wurde eine Mordkommission eingerichtet, und es wurden Ermittlungen „hinsichtlich eines versuchten Tötungsdeliktes“ aufgenommen. Die Ermittler suchen insbesondere weiterhin nach Zeugen.
Andere Energiekonzerne erhöhen nach der Attacke auf den Innogy-Finanzvorstand ihre Sicherheitsvorkehrungen. Konkurrent Eon hat die Sicherheitsvorkehrungen erhöht. „Wir stimmen unsere Sicherheitsmaßnahmen eng mit der Polizei ab“, sagte ein Sprecher der Essener RWE. Der Karlsruher Energieversorger EnBW ist nach eigenen Angaben im Austausch mit der Polizei, ob es neben dem persönlichen Fall auch eine erhöhte Gefährdungslage gibt.
Bei Innogy ist man erschüttert über den Vorfall. „Wir sind tief geschockt. Die Nachricht von dem Anschlag hat uns alle sehr betroffen gemacht“, teilte der kommissarische Innogy-Chef Uwe Tigges am Sonntag mit: „Wir sind in unseren Gedanken bei Bernhard und seiner Familie und wünschen ihm baldige Genesung.“ Auch bei Innogy wurde der Schutz hochgefahren.
Johannes Teyssen, Chef des Konkurrenten Eon, schrieb im Intranet an seine Mitarbeiter, der Anschlag auf Günther mache ihn „fassungslos“. „Was für eine schreckliche Tat. Ich habe ihm und seiner Familie – auch in Ihrer aller Namen – unser Mitgefühl und unsere besten Wünsche für eine baldige Genesung übermittelt.“
Auch in sozialen Medien gab es viel Anteilnahme. So schrieb Germanwatch-Geschäftsführer Christoph Bals auf Twitter, ein solcher Angriff sei „immer auch einer auf die Zivilgesellschaft und Rechtsstaatlichkeit“.