Analyse zu 25 Jahre Deutsche Einheit
Eine Frage der Mentalitäten

25 Jahre nach der Wiedervereinigung ist der Unterschied zwischen Ost und West groß. Noch immer. Das hat mit der DDR-Vergangenheit zu tun. Und mit einem Erbe, das wenig greifbar, aber immer spürbar ist: mit Mentalitäten.
  • 3

Ja, es gibt sie, sie sind keine Fata Morgana: die blühenden Landschaften im Osten. Aber nicht überall. Ja, es gibt sie: die verödeten, verarmten, trostlosen Landstriche im Osten. Aber nicht überall. Ja, es gibt ihn, den Wohlstand, vor allem rund um die Leuchttürme des Ostens, bei den Großstädten und in den Regionen, in die viel Geld für die Infrastruktur und die Forschung geflossen sind. Aber ja doch: Es gibt ihn noch, den Unterschied zwischen Ost und West.

Im Gegensatz zu den Unterschieden zwischen Süd und Nord, arm und reich im Westen, allerdings, ist der Unterschied zwischen Ost und West gewaltig. Noch immer. Das hat mit der DDR-Vergangenheit zu tun. Und auch mit einem Erbe, das wenig greifbar, kaum sichtbar, aber immer spürbar ist: mit Mentalitäten.

Helmut Kohl, der ehemalige Bundeskanzler, hatte den „Brüdern und Schwestern“ im Osten nach dem Fall der Mauer und der Zonengrenze blühende Landschaften versprochen. Mit dem 1:1-Umtausch für die marode Währung der DDR allen demonstriert, dass es ihm – Ökonomie hin, Produktivität her – ernst war mit seinem Versprechen, nicht länger zwei Deutschlands auf der politischen Landkarte zu akzeptieren.

Doch was ist aus den Versprechungen, den Plänen und den unterschiedlichen Mentalitäten in Ost und West wirklich geworden, 25 Jahre nach der Wiedervereinigung? Wie nahe sind sich Deutsche, Ost und Deutsche, West geworden. Sind sie nun tatsächlich Brüder und Schwestern geworden oder bleibt es bei dieser ideologischen Hülse, die Jahrzehnte des Kalten Kriegs dazu diente, die Einheit Deutschlands emotional wach zu halten?

Das Berlin Institut für Bevölkerung und Entwicklung, selber an der Nahtstelle zwischen Ost und West gelegen, beantwortet die Frage in einer Studie, die heute veröffentlicht wurde, auf vielfältige Art. Unter dem Nenner ist die Aussage so klar wie erwartbar. Eine einzige Generation reicht beileibe nicht aus, um über zwei Generationen gewachsene Mentalitäten, Lebensbilder und gewachsene und gelernte, aber auch weitergegebene Vorstellungen vom richtigen Leben zu tilgen, heißt es in der Studie: „So geht Einheit – Wie weit das einst geteilte Deutschland zusammengewachsen ist.“


25 Jahre nach der Wiedervereinigung, so die Forscher, haben noch sehr viele Menschen zahlreiche Vorurteile über die jeweils anderen. Ein Drittel der Ostdeutschen hält ihre Landsleute im Westen für arrogant. Offenbar zementiert und weit verbreitet ist weiterhin die Vorstellung, Wessis seien besserwisserisch und egoistisch. Natürlich spiegelt sich darin auch das weiterhin immense wirtschaftliche Gefälle zwischen Ost und West, natürlich speist sich daraus auch ein Teil der Aversion gegenüber den „Siegern“ und den Wohlhabenderen. Auch das ist eine Form der Normalität.

Seite 1:

Eine Frage der Mentalitäten

Seite 2:

Negativ, gebrochen, zweifelnd

Kommentare zu " Analyse zu 25 Jahre Deutsche Einheit: Eine Frage der Mentalitäten"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Unsere Politiker, Manager und Banker, sowie Juristen wollen keine Angleichung. Sie verhindern sie mit aller Macht!

  • KaderFrau Margrit Steer@
    die alten Kader sind die neuen Kader.
    War doch schon immer so oder wer soll den Laden führen? Die Deppen?

  • Beim der Wiedervereinigung sagten einige, bis wir wieder ein Gesamt-Volk sind, dauert es 2 Generationen. Ja, das war richtig,
    Aber unsere Politik hat nicht danach gehandelt.
    Heute kann man ganz getrost sagen, die alten Kader sind die neuen Kader
    So sagten es mir sogar Leute aus dem Osten, als ich dort war

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%