Französisch-Kompetenz: Saarland will zweisprachig werden

Französisch-Kompetenz
Saarland will zweisprachig werden

Die saarländische Landesregierung hat eine Vision: Binnen einer Generation soll das Bundesland zweisprachig werden. Ein Plan steht bereits. Unklar ist aber noch, wie das klamme Bundesland ihn umsetzen kann.
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SaarbrückenMittwoch ist Französisch-Tag in der Kindertagesstätte „Kinderladen“ in Saarbrücken. Dann trommelt Erzieherin Régine Heinzelmann die 40 Kinder zusammen und lehrt sie spielerisch Sprache und Gepflogenheiten des nur wenige Kilometer entfernten Nachbarlandes. „Wir schauen uns Bilderbücher an, machen Sing- oder Fingerspiele oder ich erzähle etwas auf Französisch“, berichtet die gebürtige Bretonin. „Die Kinder sollen ein offenes Ohr für die Sprache bekommen und die Kultur kennenlernen“, meint Heinzelmann. Ein derartiger Unterricht biete sich einfach an, denn „Frankreich ist ja so nah“.

Das dachte sich auch die saarländische Landesregierung und entwarf einen Plan: „Wir haben die Vorstellung, dass wir ein mehrsprachiger Raum werden“, sagt Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU). Innerhalb von 30 Jahren, bis 2043 genau, solle Französisch unter den Saarländern eine Verkehrs- und Umgangssprache werden, beschreibt die Ministerpräsidentin, die auch die Kulturbevollmächtigte der Bundesrepublik für deutsch-französische Belange ist.

Einem Eckpunktepapier zufolge sollen dazu in der Hälfte aller Kitas im Land neben deutschen auch französischsprachige Erzieher arbeiten. Grundschüler sollen von Klasse eins an Französisch-Unterricht bekommen, gerne auch in bilingualen Klassen. Dafür wiederum soll bei der Ausbildung der Grundschullehrer „die Frankreichorientierung einen besonderen Stellenwert bekommen“. Und schließlich sollen auch die weiterführenden Schulen die Sprache des Nachbarn pflegen. Die Landesverwaltung ihrerseits will Französisch-Kenntnisse als Einstellungskriterium festlegen und die übrigen Mitarbeiter für Sprachkurse gewinnen.

Schon heute hat das Französische einen besonderen Stellenwert im Saarland: Eltern können ihre Kinder in Kindergärten mit Französisch-Anteil anmelden. Schulen bieten bilinguale Klassen und deutsch-französische Abschlüsse an. Es gibt ein deutsch-französisches Sekretariat für den Austausch in der beruflichen Bildung und entsprechende Studiengänge an Universität und Fachhochschule. Dass die große Mehrheit der Saarländer aber fließend Französisch reden könne, ist ein Irrglaube.

Handlungsbedarf besteht also, die Frankreichstrategie aber steht noch auf tönernen Füßen. So konkret die Landesregierung ihre Wünsche formuliert hat, so vage kommen noch die Antworten auf die entscheidenden Fragen zu deren Umsetzung daher: Offen ist etwa die Frage, wie viele zusätzliche Französisch-Lehrer das Land einstellen müsste, das wegen seiner Haushaltsnotlage zum Beispiel gerade mit Gewerkschaften über den Abbau von 2400 Stellen in der Landesverwaltung verhandelt.

Wie Sparzwang und Französisch-Pläne zusammenpassen, fragen auch Vertreter der Landtagsopposition. Es „passt definitiv überhaupt nicht“, wettert Barbara Spaniol von der Linken. „Der Landesregierung muss klar sein, dass sie für den Ausbau des Französisch-Unterrichts an Grund- und weiterführenden Schulen zusätzliche Lehrerstellen benötigt“, gibt der Grünen-Abgeordnete und ehemalige Saar-Bildungsminister, Klaus Kessler, zu bedenken. Die Personalfrage müsse „noch ausgearbeitet werden“, sagt eine Sprecherin der Staatskanzlei.

Bis zum Sommer soll das Konzept mit Bürgern und Verbänden diskutiert werden. Erst danach soll endgültig feststehen, welche der Vorschläge tatsächlich umgesetzt werden. Régine Heinzelmann übt währenddessen mit ihren Kita-Kindern ungerührt weiter Französisch, Mittwoch für Mittwoch – schon seit 20 Jahren.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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  • Hallo,
    mit Interesse habe ich den Artikel gelesen. Ich selbst stamme aus Elsaß-Lothringen. Das sage ich bewußt, da ich zu denen gehöre, die dort noch kulturell und abstammungsmäßig deutsch reden. Leider hat die französische Sprachpolitik es geschafft, daß die letzte deutsche Regionalzeitung dicht machen mußte. Zudem wird es trotz der Sprachencharta der EU der deutsch redenden Minderheit in Frankreich immer schwerer gemacht, ihr kulturelles Erbe zu wahren. Und jetzt ist das Saarland dran? Womöglich werden viele sich freuen, wieder ein Stück Deutschland abgeschafft zu haben und aufrecht für diese Idee trommeln, aber merke: ein Stock im Hintern bedeutet nicht , ein Rückgrat zu haben...

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