„Zypern-Hilfen sind in gewisser Hinsicht pervers“

Interview mit Bernd Lucke
„Zypern-Hilfen sind in gewisser Hinsicht pervers“

Eine Euro-Politik, die nur Banken hilft, lehnt Bernd Lucke ab. Im Interview erläutert der Gründer der neuen Anti-Euro-Partei „Alternative für Deutschland“, wie seine Lösung aussieht und wie er sie durchsetzen will.
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Handelsblatt Online: Herr Lucke, war mit der D-Mark alles besser?

Bernd Lucke: Es war für die anderen Länder in der heutigen Euro-Zone auf jeden Fall einfacher, wettbewerbsfähig zu sein und zu bleiben. Heute können die Krisenstaaten dem Wettbewerbsdruck, der in der Euro-Zone herrscht, nicht mehr standhalten. Und das müssen wir zur Kenntnis nehmen.

Welche Fehler wurden bei der Einführung des Euro gemacht?

Man hat die Fähigkeit der Teilnehmer, sich real an die Bedingungen einer einheitlichen Währung anzupassen, eindeutig überschätzt. Man  hätte mit einem sehr viel kleineren Währungsgebiet beginnen müssen, das man dann langsam hätte ausweiten können – und zwar nur in dem Maße, in dem die neuen Mitgliedsstaaten demonstrieren, dass sie eben auch im Stande sind, mitzuhalten.

Was werfen Sie den etablierten deutschen Parteien vor?

Ich werfe ihnen vor, dass sie aus dem Schaden in Europa nicht klug werden. Dass sie nicht bereit sind, Fehler einzugestehen und den Kurs zu ändern. Der Euro ist sichtlich gescheitert. Ganz Europa wird in eine tiefe, schwere Krise gestürzt.

Woran machen Sie das fest?

Das mache ich fest an dem Niveau der Rezession, die über mehrere Jahre – in Griechenland jetzt schon seit sechs Jahren – in Südeuropa zu beobachten ist, an dem gravierenden Anstieg an Arbeitslosigkeit und an Jugendarbeitslosigkeit. An der Tatsache, dass die Leistungsbilanzdefizite ungeahnte, historische Ausmaße angenommen haben. Der Euro hat nicht zu einer tieferen Einigung, sondern zu einer Spaltung in Europa geführt.

Bereits in der kommenden Woche könnte der Bundestag über Hilfen für Zypern beraten. Was halten Sie davon?

Die Zypern-Hilfen sind in gewisser Hinsicht pervers. Bei Zypern wird von einem Hilfsvolumen von 17 Milliarden Euro gesprochen. Das entspricht dem gesamten Bruttoinlandsprodukts des Landes. Und das Geld wandert dann nicht an die Zyprioten, sondern sofort in das marode Bankensystem, an Banken, die womöglich Steuerflüchtlingen helfen.

Kommentare zu "„Zypern-Hilfen sind in gewisser Hinsicht pervers“"

Alle Kommentare
  • Zypern: Bundesregierung will von den Geldwäschevorwürfen nichts mehr wissen. Nach Informationen des Magazins "Cicero" sollen auch russische Schwarzgeldkonten kein Thema mehr sein. Monatelang hatten entsprechende Vorwürfe für Wirbel gesorgt. Offenbar muss Berlin den Weg für ein Hilfsprogramm freimachen und lässt die Vorwürfe deshalb fallen.

    Quelle: Jandaya 9:23

  • "Und das Geld wandert dann nicht an die Zyprioten, sondern sofort in das marode Bankensystem, an Banken, die wohlmöglich Steuerflüchtlingen helfen."

    Bedeudet das, das diese Partei auch gegen deutsche Steuerverbrecher vorgehen will?

  • Die Vasallen-Blätter von Staat und Alt-Parteien brechen in sich zusammen SUPER !!

    "Desaster-Woche für Spiegel, stern und Focus: Miserable Kiosk-Verkäufe für Sexismus- und Familienpolitik-Titel .."

    http://info.kopp-verlag.de/nachrichten/desaster-woche-fuer-spiegel-stern-und-focus-miserable-kiosk-verkaeufe-fuer-sexismus-und-familienp.html

    "Spiegel" Stern" "Focus" "Welt" die kann man getrost zum Tapezieren verwenden aber nicht lesen ! Da wird einem nur noch schlecht. Linker Scheindebatten-Müll ... jeden Tag.

  • Die 17 Mrd. € sind eher "Peanuts" von der Höhe her, aber "Big Points" von der Signalwirkung her. Fällt Zypern in die Insolvenz ist das ein Zeichen für Handlungsunwilligkeit.
    Das Schwarzgeldproblem ist im türk. Teil Zyperns viel virulenter, aber wenig publiziert. Wobei manche dort installierte Banken bereits seit Jahren lizensierte Töchter im Euroraum haben!
    Im Verhältnis zu den Auswirkungen des Scheiterns ist die Schwarzgeldproblematik eher ein philosophisch, ethisch, moralischer
    Aspekt! Also für meist nichtgelesene Bücher und Aufsätze.

  • @R.Rath

    Ich bin dabei. Im September gibt es endlich mal wieder eine Partei, die man wählen kann. Weg mit den Volkskammer-Abnicker-Parteien!! Die sollten mal alle zurückschauen, was sie Dank Merkel aus sich machen lassen haben. Ich wette soviel DDR-Volkskammer hätte sich vor Jahren noch keiner im Bundestag träumen lassen.
    Als ehemaliger DDR-Bürger kann man sich über soviel freiwilliges Mitläufertum nur wundern. Eine Schande für alle Menschen, die gegen das DDR-Regim gekämpft und sich dafür in Gefahr gebracht haben.

  • (...)
    Ich unterstütze sie!
    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Nichts Rechtsradikales, nichts Nationales

    Prof. Luckes Interview enthielt keine "rechten" oder nationalen Töne oder Untertöne. (Solche Bestrebungen werden der Alternative für Deutschland häufig unterstellt). Es enthielt zum Glück nicht einmal eine Pauschalbeschimpfung anderer Parteien als "inkompetent" oder "betrügerisch". So bleibt die Alternative glaubwürdig. Weiter so!

  • Prof Bernd Lucke überzeugt durch eine stringente Logik, die den Block Parteien längst entfallen ist. Er spricht offen aus, was Sache ist. Und die Entwicklung und die Realität gibt ihm recht. Man kann nur hoffen, dass er rhetorisch dem Berlin-Zirkus gewachsen ist und den unfairen, aber wirkungsvollen Shit-Storm Attacken der Blockparteien gewachsen sein wird. Er sollte sich gut vorbereiten, um neben fachlicher Kompetenz auch emotional und verbal diesen Profi-Diffarmierern und dem Intrigenspiel Stand halten zu können. Ich drücke ihm die Daumen, die EU braucht diese Partei.

  • Unter rein wirtschaftlichen Aspekten ist der Euro die solideste große Währung. Man sollte ihn nicht einfach kippen, weil er für ein paar unbedeutende Mitläufer nicht passend ist, also nicht das Kind mit dem Bad ausschütten.

    Aber Herr Lucke bietet ja selbst im Interview die mögliche Lösung. Zitat "Aber es ist notwendig, dass Italien zum Beispiel durch eine Parallelwährung eine gewisse währungspolitische Flexibilität eingeräumt bekommt ..."

    Angewandt auf alle Notleider ist das der Schlüssel zur Lösung. Der Euro bleibt erhalten als inter-europäische Währung und als Außenwährung, nationale Währungen werden bei Bedarf zugelassen und flexibel an den Euro gebunden.

    Es gibt genügend Beispiele von Ländern, die zweigleisig fahren (im €- oder $-System) und damit glänzend abschneiden.

  • „Zypern-Hilfen sind in gewisser Hinsicht pervers“

    Wenn es der AfD gelingt soziale Komponente zusätzlich in ihrem Wahlprogramm hinzuzufügen, die die anderen Parteien in den Schatten stellen, sind 20% und mehr möglich.

    Die AfD werden ich und mein gesamter Bekanntenkreis wählen. Wir alle haben die Sch… von dem Euro und den Lügen die damit verbunden sind endgültig voll.

    Wie ich in der Vergangenheit erwähnte, es könnte auch einen Nordeuro für wenige Länder mit gleichstarkem Wirtschaftswachstum geben. Die Gefahr besteht dennoch, dass immer Ausgleichszahlungen erforderlich wären, so wie das mit dem Bundesländerfinanzausgleich in Deutschland nötig ist. Ob das auf Dauer gewollt wird, bezweifel ich jetzt.

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