„Studio Friedman“: AfD erringt nach Eklat juristischen Sieg gegen N24

„Studio Friedman“
AfD erringt nach Eklat juristischen Sieg gegen N24

Der Versuch des N24-Moderators Michel Friedman, die AfD mit ihren eigenen Aussagen zu entzaubern, ist von einem Gericht kassiert worden. Die Anti-Euro-Partei feiert den Sieg. Der Sender will das jedoch nicht hinnehmen.
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BerlinDie Alternative für Deutschland (AfD) hat gegen den Sender N24 und seinen Moderator Michel Friedman einen juristischen Sieg errungen. Konkret geht es um den N24-Talk „Studio Friedman“, in dem jede Woche ein Thema von zwei Gästen diskutiert wird.

In der Ausgabe vom 27. Februar waren der Grünen-Politiker Manuel Sarrazin und AfD-Chef Bernd Lucke zu Gast. Es ging um EU-Einwanderung und um die Frage, wie Luckes Partei dazu steht. Friedman nahm Lucke mit zugespitzten Fragen in die Zange. Der sah sich im Verlauf der Sendung schließlich so unfair in die Enge gedrängt, so dass er kurzerhand das Studio verließ.

Die AfD ließ den Eklat nicht auf sich beruhen und klagte dagegen, dass Friedman mit aus ihrer Sicht unlauteren Mitteln versuchte, die AfD mit ihren eigenen Aussagen zu entzaubern. „Die Frage, um die es geht“, sprach Friedman damals Lucke direkt an und leitete damit den dann folgenden Eklat ein: „Die AfD sieht sich immer als Opfer und sagt: Wir tun das, was andere Parteien nicht mehr tun. Wir sprechen doch nur die Ängste der Bevölkerung aus. Ihre Europawahl-Kandidatin Beatrix von Storch sagt: ,Multikulti hat die Aufgabe die Völker zu homogenisieren und damit religiös und kulturell auszulöschen.' Wenn das nicht Rassismus ist, was ist dann Rassismus?“

Nach etwa elf Minuten fragte Friedman dann noch einmal konkret bei Lucke nach: „Stehen Sie hinter der Aussage Ihrer Kandidatin?“ Da aber Lucke offenbar keine präzise Antwort geben wollte, hakte Friedman mehrfach nach, bekam jedoch eben keine konkrete Aussage von seinem Gast. Lucke verließ das Studio. Später stellte sich heraus, dass das besagte Zitat gar nicht von der AfD-Politikerin von Storch stammt, sondern von einem Blogger.

Das Landgericht Berlin folgte der Argumentation der AfD, wie die Partei mitteilte. N24 wurde demnach wegen eines von Friedman verwendeten falschen Zitates zur Gegendarstellung verurteilt. Von Storch zeigte sich zufrieden. „Das Urteil zeigt einmal mehr, dass sich Friedman bei seiner Gesprächsführung in jeder Hinsicht unzulässiger Methoden bedient.“

Mit der Gegendarstellung ist der Streit aber wohl noch nicht zu Ende. „Die Gegendarstellung ist nicht rechtswirksam zugestellt. Wenn wir eine solche bekommen, werden wir sie prüfen“, sagte N24-Sprecherin Kristina Faßler dem Medienmagazin DWDL.de. Auf die von Storch geäußerte Kritik wollte Faßler nicht eingehen. „Das muss man schon wegen den enthaltenen Unsachlichkeiten nicht kommentieren“, sagte sie.

Luckes Gesprächspartner, der Grünen-Politiker Sarrazin, hatte nach der Aufzeichnung der Sendung erklärt, die Reaktion des AfD-Chef habe ihn „absolut überrascht“, und er finde, dass er „unangemessen reagiert“ habe. „Wer bei Friedman zusagt, muss sich kritische Fragen gefallen lassen“, sagte Sarrazin Handelsblatt Online.

Andererseits muss der Sender damit leben, im Fall der Fälle falsche Behauptungen richtigzustellen. „Ich habe den Sender N24 zur Erklärung aufgefordert, ob Rechtsmittel eingelegt werden bzw. wann die Gegendarstellung im "Studio Friedman" verlesen wird", heißt es dazu in einem Handelsblatt Online vorliegenden Schreiben des AfD-Anwalts an die AfD-Bundesgeschäftsstelle.

Dietmar Neuerer
Dietmar Neuerer
Handelsblatt / Reporter Politik

Kommentare zu " „Studio Friedman“: AfD erringt nach Eklat juristischen Sieg gegen N24"

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  • N24 versucht sich dem Urteil mit Winkelzügen zu entziehen. Naja, wenig überraschend, wissen wir doch alle, wie es mit Moral und Ethik im Medienwesen bestellt ist.

    Schlimmere Zustände herrschen wohl nur im organisierten Verbrechen ... obwohl ...

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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