„Wem gehört die Welt?“
Lehrstunde in Kapitalismus

Nach der US-Wahl wird die Welt politisch neu vermessen. In dieser herausfordernden Zeit bringt das Handelsblatt ein Buch heraus, das ein brisantes Thema in den Blick nimmt: die Machtverhältnisse im globalen Kapitalismus.
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BerlinSeit Donald Trump zum neuen US-Präsidenten gewählt wurde, macht sich der Rest der Welt ausschweifende Gedanken darüber, was sich denn nun alles ändert. Dass nun ein Milliardär und Geschäftsmann die Geschicke der Weltmacht USA lenken wird, hat viele in eine Art Schockzustand versetzt. Kaum jemand vermag eine Prognose zu stellen, was diese Wahl für das Weltgeschehen bedeutet. Zumal sich viele politische Fragen plötzlich ganz neu stellen – und damit verbunden die wohl alles entscheidende Frage nach den Auswirkungen auf die Weltwirtschaft.

Eine nicht sehr euphorische Antwort gibt der Senior Editor des Handelsblatts, Hans-Jürgen Jakobs. Zwar gebe es zu wenige Fakten, um Trump beurteilen zu können, sagt er. Aber mit seinem „verschachtelten Imperium“ habe es der Unternehmer sehr weit gebracht. So weit, dass er jetzt Präsident der Vereinigten Staaten ist und in dieser Rolle wohl, so die Prognose von Jakobs, mit den Regeln der Finanzmärkte nicht brechen wird. Im Gegenteil: „Ich glaube, es wird ein Liebesverhältnis, weil die Banken seine politischen Projekte finanzieren sollen.“

Der Analyse des Wirtschaftsjournalisten, der auch schon für den „Spiegel“ und die „Süddeutsche Zeitung“ tätig war, hören knapp 100 Zuhörer aufmerksam zu. Sie sind in die Berliner Bundespressekonferenz gekommen, weil der studierte Volkswirt heute sein neues Buch vorstellt. Ein fulminantes Werk, dass nicht die Politik zum Thema hat. Aber wunderbar zu den jüngsten Entwicklungen in den USA und der Debatte um Trump passt. Jakobs hat die Strippenzieher des Weltfinanzwesens in den Blick genommen. Mit „Wem gehört die Welt?“ (Knaus Verlag) hat er nicht nur eine spannende Frage gestellt, er hat in seinem großen Report dann auch kenntnisreiche und in ihrer zahlenträchtigen Detailschärfe auch äußerst beeindruckende und zugleich beängstigende Antworten geliefert.

Auf 680 Seiten beschreibt Jakobs unter Mitwirkung von 20 Auslandskorrespondenten und 30 Fachredakteuren des Handelsblatts sowie der Hilfe von Mitarbeitern des von Bert Rürup geleiteten Handelsblatt Research Instituts, wer die zentralen Felder der Weltwirtschaft dominiert und welche Geldmassen dabei im Spiel sind. Die Politik, so scheint es, spielt in dem Werk eine Nebenrolle. In Wahrheit ist sie aber geforderter denn je. In einer Zeit, in der Trump zum US-Präsident gewählt werde, die Briten sich für den Brexit entschieden und populistische Tendenzen in Europa zunähmen, sei es „höchste Zeit“, so Jakobs, „soziale Verpflichtungen von Eigentum und Kapital nicht nur einzufordern, sondern zu garantieren“.

Die Schwierigkeiten, vor der die Politik in dieser Hinsicht steht, klingen in der Diskussion zum Buch an. So stellt Wolfgang Herles, der Moderator der Runde mit Jakobs und Steffen Kampeter, dem Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) und ehemalige Staatssekretär im Bundesministerium der Finanzen, die naheliegende Frage, ob Trump als Präsident womöglich die Marionette von Larry Fink sein wird.

Vergegenwärtigt man sich, welches Gewicht der CEO und Chairman des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock hat, zeigt sich schnell, dass die von Herles gestellte Frage einen ernsten Hintergrund hat. Denn es geht bei all dem, was das Buch auf sehr eindrucksvolle Weise darstellt, nur zu einem geringen Teil um politische Macht.

Vielmehr bekommt man, wenn man sich durch die fast 700 Seiten Porträts und Analyse gekämpft hat, eine Ahnung davon, welchen Einfluss Akteure wie Fink inzwischen schon haben. Nicht umsonst wird der Manager im Buch als der „der unerklärte Präsident der Weltfinanzgemeinde, der Oberste der Ober-Kapitalisten, der Gesetze und Geschicke des Kapitalismus mehr bestimmt als viele andere“ beschrieben. Das lässt sich auch als Anspielung darauf verstehen, dass die Politik solchen mächtigen Finanzjongleuren nur wenig entgegenzusetzen hat.

Im Fall von Blackrock wird schon beim Blick auf eine Zahl deutlich, mit welcher ökonomischen Macht man es hier zu tun hat: 4,9 Billionen Dollar (30. Juni 2016) bringt das Unternehmen in die Weltwirtschaft ein. So viel Vermögen wird dort verwaltet. Und noch eine Zahl ist interessant, die Jakobs in seinem Buch zutage fördert: 47 Billionen US-Dollar. Das ist der Betrag, mit dem die 200 mächtigsten Vermögensverwalter, Fondsmanager, Scheichs, Oligarchen und Familien spekulieren und investieren.

Kommentare zu " „Wem gehört die Welt?“: Lehrstunde in Kapitalismus"

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  • Wem gehoert die (Finanz-)Welt, die Investments von Blackrock, Allianz und Co? Ganz einfach: UNS SELBST, mit unseren Pensions- und Kaptallebensversicherungen und anderen Ersparnissen.

    Wir koennten auf Hauptversammlungen GEGEN Managergehaelter stimmen, gegen Stellenabbau. Doch mit einem Fondsinvestment ist dies nicht moeglich. In Zeiten des Internets waere es einfach, diese Stimmrechte weiter zu reichen und dem Endinvestor zumindest durch grobe Schablonen zum Abstimmen zu geben.

    Im jetzigen System versklavt sich der Angestellte durch seinen Pensionsfonds selbst - denn sein Pensionsfondsmanager soll ja die Rendite maximieren...

    Eine andere Zahl fehlt auch: mindestens 10-15 Billionen USD liegen in Steueroasen und zahlen keine Steuern. Hier waere es PFLICHT seitens der Politik einzugreifen.

    Herr Kampeter (=typischer Politiker) dagegen versteht diese Zusammenhaenge nicht und schimpft lieber auf (Schatten-)banken. Man fragt sich, wer hier boeser Populist ist....

  • Interessante These über den "Kapitalismus" wie er uns verkauft wird...Natürlich hat Black Rock und andere riesige Vermögen und Kapital zum Einsatz...Die Welt wird nicht neu vermessen, die Hintermänner, die die FED beherrschen und die Zentralbanken kontrollieren, mit Goldman & Sachs an der Spitze, die Rothschilds, die in keiner FORBES Liste auftauschen, beherrschen den westlichen Kapitalismus und auch die Regierungen der westlichen Welt...Die Schlussfolgerungen in den Ausführungen von Hans-Jürgen Jakobs und Steffen Kampeter sind geradezu abenteuerlich...Die Globalisierung kommt diesen anonymen Global- Fonds /Hedgfond und Hintermännern doch geradezu entgegen, wurde vielleicht sogar dazu geschaffen, alles Nationalstaatliches wie unabhängige Währung und Regierung und Nationalvolk abzuschaffen... Mit dem EURO und der EU, das Abgeben von nationalen Kompetenzen hat man ein Instrument geschaffen, nach dem Europa und die Welt durch diese Clique beherrscht werden kann...Die "human resources" können zum Lohndumping und aufkommenden Aufständen und Rebellion immer mehr lobal eingesetzt werden...Die Folge können wir jetzt schon sehen, daß es eine dynamische Entwicklung der Verarmung und Verelendung der Völker in Europa gibt und auch nicht mehr aufzuhalten ist...

    Nationale Regierungen können jederzeit ausgewechselt werden und haben auch keine echte Entscheidungs- Gewalt mehr...

    Der Turbo- Kapitalismus wird die Anhäufung von Macht und Kapital in wenigen Händen (Wallstreet/FED) noch beschleunigen... Letztlich kann man davon ausgehen, daß sich der westlich Kapitalismus in der Endstufe befindet und in einem großen Knall platzen wird...Wann, das wissen die Götter...

  • „Wem gehört die Welt?“

    Das ist einfach: Denjenigen, die genug Geld haben, um sich das Leben darauf leisten zu können.
    Heißt: Je mehr Geld sie haben, desto mehr von der Welt gehört Ihnen auch. Ist das nur zynisch?

    „Warum sind Asset-Manager so erfolgreich?“, fragt Kampeter. „Und schiebt kurz und knapp hinterher: „Weil sie gut sind.““

    Kommt wohl sehr darauf an, was man unter "erfolgreich sein" versteht. Es zu schaffen, das Geld der Kunden zu „vermehren“, egal wie?

    Nur zur Erinnerung:

    Geld ist ein bloßes "Instrument" der Wirtschaft, und die sollte eigentlich so organisiert sein, dass sie den Interessen der Menschen (a l l e r Menschen!) dient. Nicht umgekehrt.

    Der erste notwendige Schritt, um eine Marktwirtschaft in die Lage zu versetzten, diesem Anspruch zu genügen, müsste eigentlich eine komplette Neubewertung aller„Assets“ unter völlig neuen Kriterien sein.

    Aber wer soll die vornehmen und die Kriterien für die Bewertung festlegen, bevor der „Startschuss“ für die Märkte unter den neuen Regeln fallen kann?

    Manager wie „der unerklärte Präsident der Weltfinanzgemeinde, der Oberste der Ober-Kapitalisten, der Gesetze und Geschicke des Kapitalismus mehr bestimmt als viele andere“ (Fink) oder andere „mächtige Finanzjongleure“ scheiden ja wohl aus.

    Die Bürger allerorten auf diesem Planeten wären da schon der richtigere Ansprechpartner.

    Eine seriöse „Befragung“ bzw. Datenerhebung will aber erstmal auf die Beine gestellt werden.

    Leider also alles noch Zukunftsmusik.

    Merkt man ja schon an den ganzen wiederaufkeimenden Debatten über "Renationalisierung" (warum sagen wir nicht gleich "Regression"?...).

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