Flüchtlinge in Europa
So läuft es in den anderen Ländern

Tausende Flüchtlinge machen sich auf den Weg nach Europa. Sie treffen auf Schleuser und Grenzzäune, auf hilfsbereite Menschen, aber auch auf Ablehnung. Wie gehen die europäischen Länder mit ihnen um? Eine Übersicht.
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Auf dem Mittelmeer spielen sich Dramen ab: Diese Woche ist ein aus Libyen gestartetes Flüchtlingsboot binnen kurzer Zeit gesunken – nachdem sich Rettungsboote genähert hatten. Offenbar hatten sich die Flüchtlinge an Bord massenhaft auf eine Seite bewegten. Mehr als 370 Menschen konnten gerettet werden, allerdings wurden auch die Leichen von 25 Todesopfern geborgen. Die Opferzahl dürfte deutlich höher liegen – etwa 200 Flüchtlinge seit dem Unglück vermisst wurden.

Trotz aller Risiken machen sich täglich Tausende Menschen auf den Weg nach Europa. Seit Jahresbeginn sind nach Uno-Angaben bereits 224.000 Flüchtlinge über das Mittelmeer nach Europa gelangt. Allein 124.000 Migranten seien zwischen Anfang Januar und Ende Juli in Griechenland eingetroffen. Aus Afrika oder auch aus dem Bürgerkriegsland Syrien.

Was tun? Die Flüchtlings-Debatte kocht nicht nur in Deutschland hoch. Notunterkünfte werden errichten, das Asylverfahren diskutiert. Im Handelsblatt wurden gleich 150 Leserfragen zu diesem Thema gestellt und mit Hilfe von Experten beantwortet. Ganz Europa sucht nach Antworten. Wie es in den anderen Ländern aussieht? Eine Übersicht.

So läuft es in Griechenland

In Griechenland herrschen wegen der schwierigen Finanzlage chaotische Zustände für die Migranten. Schätzungen nach kamen allein im ersten Halbjahr 40.000 Flüchtlinge an. Im Juli waren es nach offiziellen Angaben weitere 32.000. In ihrer Mehrheit stammen sie aus Syrien. Sie kommen aber auch aus Somalia, Afghanistan, Pakistan und allen Staaten des Nahen Ostens.

Die Route, der sie folgen, führt über Syrien in die Türkei bis auf die griechischen Ostägäisinseln. Dort (etwa auf Samos, Kos, Rhodos oder Lesbos) kommen nach Schätzungen eines Offiziers der Küstenwache auf der Insel Chios rund 2000 Menschen täglich an. Auf den Inseln ist die Lage dramatisch. Die lokalen Behörden sind überfordert. Hilfsorganisationen stehen vor Problemen, weil ihr bei griechischen Banken deponiertes Geld wegen der Kapitalverkehrskontrollen blockiert ist.  

Die Migranten stellen meist keinen Asylantrag. Sie wollen nach Mitteleuropa weiterreisen. Es hat sich inzwischen eine neue Route gebildet: Fast täglich kommen mit den Linienfähren Hunderte von den Inseln in Piräus an. Sie bleiben ein paar Tage in Piräus und Athen, übernachten in billigen Hotels oder im Freien und machen sich danach auf den Weg in den Norden des Landes. Einige reisen mit dem Zug.

Eine Fahrt in einem Auto bis zur Grenze nach Mazedonien kostet etwa 500 Euro für drei Personen. Kurz vor der Grenze steigen die Migranten aus und queren sie illegal. Das griechische Fernsehen zeigt immer wieder regelrechte Flüchtlingstrecks, die sich entlang der Eisenbahnlinie Thessaloniki-Skopje bewegen. Die Polizei lässt sie weiterreisen. Strenge Kontrollen und Ausweisungen wie in den vergangenen Jahren sind kaum mehr auszumachen. 

Nach Informationen aus Polizeikreisen hat sich entlang der Flüchtlingsroute ein richtiger „Markt“ entwickelt. Billige Hotels in Athen verdienen daran, die Transporteure auch. Zudem soll es Bestechungen in großem Umfang geben, vor allem an den Häfen Westgriechenlands. Für ein paar Hundert Euro lässt der eine oder andere Kontrolleur einen mit Migranten voll beladenen Lastwagen unkontrolliert auf eine der Fähren, die nach Italien auslaufen.

Übergriffe der Bevölkerung hat es bislang nicht gegeben. Lediglich die rechtsradikale und ausländerfeindliche Partei Goldene Morgenröte macht Stimmung gegen die Migranten. Auf den Ägäisinseln – auch auf den kleinsten mit 100 bis 150 Einwohnern – versuchen die Menschen mit ihren wenigen Mitteln, den Ankömmlingen zu helfen. Die Stimmung könnte aber kippen, wenn noch mehr Flüchtlinge eintreffen.

Integrationsprogramm gibt es kaum. Dennoch werden Ausländer auch ohne Aufenthaltserlaubnis an Schulen aufgenommen. Arbeiten können sie praktisch nur schwarz, so wie auch viele Griechen wegen der Finanzkrise.

Kommentare zu " Flüchtlinge in Europa: So läuft es in den anderen Ländern"

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  • Vorbeugen ist besser als heilen; aber das versteht die Politik ja nicht.
    Durch eine Vielzahl von schwachsinnigen Exporten auf den schwarzen Kontinent werden ganze bescheidene Wirtschaftsbereiche zerstört. Hinzu kommt das durch geopolitische Kriegsspiele noch mehr Chaos gesät wird. Waffenverkäufe für einen schönen Bürgerkrieg gibt es noch dazu, und zwar reichlich.

    Was würden Sie denn alle hier machen, die sich so derart gegen diese Leute stemmen, wenn sie an der ihrer Stelle wären?

    Investiert der Westen in Bildung auf dem Kontinent? Wohl kaum. Hilfe gibt es ein bißchen dann wenn größte Not ist; aber keine Hilfe zur wirklichen Selbsthilfe.
    Schönes Beispiel: Hungerhilfe. Seit Jahrzehnten gibt es so etwas.Hat sich was gravierend geändert? Hätte doch oder?

    Ich kann die Flüchtlinge verstehen. Nur durch Ausnahmesituationen baut man Druck auf. Und ob einem mit Sicherheit früher oder später der Kopf dort an Land weggebombt wird oder man nur u.U. bei einer Überfahrt tot ins Wasser fällt....was wählt man dann?

    Klar kann man nicht Millionen dauerhaft aufnehmen; aber die Politik die die Suppe kocht soll sie auch auslöffeln. Allen voran die USA.

  • Die Wahrheit ist für Journalisten wohl schwer zu ertragen. Als Folge wird sich der Wutbürger radikalisieren. Das hat nichts mit RECHTS zu tun!! Der Tag der Abrechnung mit diesen Politversagern in D wird kommen. Lügen, veruntreuen, täuschen & tricksen kann die Rübe kosten.

  • Aus der Übersicht geht hervor, daß selbst äußerst liberale Länder, wie etwa die Niederlande längst Maßnahmen zur Begrenzung des Zustroms von Flüchtlingen implementiert haben. In Deutschland wird das Thema einer sachgerechten Begrenzung des Zustroms noch nicht adäquat behandelt. Dabei geht es nicht um die Aushölung des vom Grundgesetz gewährleisteten Asylrechts, sondern um eine stringente Bekämpfung seines Mißbrauchs und die letztlich fehlende Diskussion über ein sachgerechtes Einwanderungsrecht. Aus der Befürchtung, als fremdenfeindlich oder gar rassistisch gebrandmarkt zu werden, scheuen die etablierten Parteien davor zurück, sachgerechte Regelungen für eine Einwanderung auf den Weg zu bringen. Sie überlassen das Feld damit Parteien und Gruppierungen, die außerhalb des demokratischen Spektrums stehen oder sich von einer weiterhin ungereglementierten Zuwanderung eine Verbreitung ihres Wählerpotentials versprechen. Beides wird den Interessen unseres Landes sowie seiner Bevölkerung nicht gerecht.

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