Starinvestor in der Ukraine: Soros wirbt in Kiew für Geldsegen

Starinvestor in der Ukraine
Soros wirbt in Kiew für Geldsegen

Die Ukraine diskutiert darüber, wie viel Geld sie zum Wiederaufbau nötig hat. US-Investor George Soros glaubt, die Ukraine brauche 50 Milliarden Dollar. Heute ist er in Kiew und wirbt für internationale Gelder.
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KiewAnna Gopko und Alex Ryabchin stehen an diesem verregneten, nasskalten Montagvormittag in der Lobby eines Kiewer Nobelhotels, in der Präsidenten-Suite wartet der 84-jährige Multimilliardär George Soros auf die Jung-Politiker. Zusammen mit Vertretern der ukrainischen Regierung und der Nationalbank soll die katastrophale Wirtschaftslage des Landes besprochen werden.

Ende vergangener Woche hatte Soros in einem Interview mit der „Financial Times“ die internationale Gemeinschaft aufgefordert, der Ukraine so schnell wie möglich, am besten noch im ersten Quartal dieses Jahres, Finanzhilfen in bisher unbekannten Größenordnungen zukommen zu lassen. Soros sprach von 50 Milliarden Dollar, die nicht nur zum Wiederaufbau des Landes, zur Modernisierung der Wirtschaft und zur Beseitigung der Kriegsschäden in der Ost-Ukraine nötig seien. Das Geld werde auch der EU, insbesondere bei der Rettung des Euros helfen.

Soros’ Idee sieht so aus: Mit den Hilfen könne der Westen ein wichtiges psychologisches Signal setzen. Der Geldsegen für die Ukraine werde beim russischen Präsidenten Wladimir Putin ein Umdenken erzeugen, um seine Aggressionen gegen Kiew einzudämmen.

Der ukrainische Ministerpräsident Arsenij Jazenjuk blieb bisher eine Antwort auf die Frage schuldig, wie groß der Finanzbedarf seines Landes für 2015 und die kommenden Jahre ist. In einem Gespräch mit dem Handelsblatt verbat sich Finanzministerin Natalia Jaresko alle Spekulationen über einen bevorstehenden Staatsbankrott der Ukraine.

Fakt ist jedoch, dass im Jahr 2014 die Landeswährung Griwna fast 60 Prozent ihres Wertes verlor, die Inflation lag bei 25 Prozent, die Devisenreserven der Nationalbank betrugen im Dezember 2014 noch etwas mehr als zehn Milliarden US-Dollar, laufende Rechnungen für Gas aus Russland werden mit Mitteln aus Krediten des Internationalen Währungsfonds gezahlt. Obwohl westliche Partner aus EU und den USA der Ukraine seit fast einem Jahr zu massiven Wirtschaftsreformen raten, werden dringend notwendige Maßnahmen aufgeschoben.

Anna Gopko und Alex Ryabchin sind erst seit Ende Oktober Parlamentsabgeordnete. Beide stehen für einen politischen Neuanfang in der Ukraine. Die 32-Jährige frühere Journalistin Anna Gopko leitet den Auswärtigen Ausschuss der Werchowna Rada. Sie gehört der als Bürgerrechtspartei geltenden Vereinigung Samopomitsch an, eine politische Neugründung des vergangenen Jahres. Für sie ist Soros nicht nur der „reiche Onkel aus den USA“, sondern auch jemand, der den Aufbau von Zivilgesellschaften unterstützt.

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  • Bei aller Kritik an der Euro-Rettung - aber die Ukraine bräuchte auch die EU-Troika im Land. Jetzt wird die Rente mit 55(!) für Frauen eingeführt und man will in einer Mobilmachung für den Krieg in der Ostukraine 50.000 junge Männer einziehen. Wie man hört, können sich die, die Geld haben, auch freikaufen. Was aber ist mit den anderen? Werden sie nicht gebraucht?

  • Soros soll die 50 Mrd geben. wir schauen dann zu, ob das wirkt oder nicht, gell?

  • Die neuen Bundesländer haben bis heute ( incl. PEgidA & Leipziger Wasserwerke) nur wenige Billionen Euro gekostet. Da sollte man vernünftigerweise bei einem Land der Größenordnung der Ukraine von einem niedrigen vierzehnstelligen Finanzbedarf ausgehen.

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