Der nächste Topmanager vor dem Fall: Deutschlandchef von Sarasin im Visier

Der nächste Topmanager vor dem Fall
Deutschlandchef von Sarasin im Visier

Die Schweizer Privatbank steht wegen einer Steuerhinterziehungsaffäre und einer fatalen Investitionsempfehlung für eine Windkraftfirma unter Druck. Deutschlandchef Frank Niehage könnte vor der Ablösung stehen.

DüsseldorfDie Durchsuchungen der Staatsanwaltschaft München bei der Schweizer Bank Sarasin und Proteste von Anlegern könnten dazu führen, dass das Schweizer Bankhaus seinen Deutschlandchef Frank Niehage ablöst. Damit würde ein weiterer Topbanker in Deutschland seinen Posten letztlich aufgrund behördlicher Ermittlungen verlieren.

Niehage hatte den deutschen Teil der Bank über Jahre hinweg erfolgreich von Frankfurt aus geführt. Sein Konzept bestand unter anderem darin, die Bank konsequent auf nachhaltige Investments auszurichten. Auf eigenen Veranstaltungen vor Anlegern und Unternehmern warb Niehage beispielsweise für Investitionen in Windparkbetreiber und Solarzellen-Hersteller.

Inzwischen allerdings ist die Nachhaltigkeits-Branche in Schwierigkeiten geraten. Geänderte Fördermodelle lassen deutsche Solarunternehmen reihenweise pleite gehen. Windkraftbetreiber, die in der Nord- und Ostsee Windparks errichten wollen, stehen vor ungeahnten technischen und infrastrukturellen Herausforderungen, die ihre Projekte stark verzögern. Selbst Dax-Konzerne wie Siemens haben Schwierigkeiten, geplante Anlagen rechtzeitig zu errichten.

Die Probleme, mit denen die Branche kämpft, schlagen voll auf die Bank durch. Sarasin ist sowohl über Kredite wie über Anleihen von Windparkbetreibern und Solarunternehmen, die sie Anlegern empfohlen hat, mit der Branche verknüpft. Wacklige Kredite und unzufriedene Kunden haben Niehage seit Wochen unter Druck gesetzt. Dass er nun vor der Ablösung steht, wollte der Schweizer Bankmiteigentümer Eric Sarasin auf Anfrage von Handelsblatt Online nicht kommentieren. Niehage selbst sagt dazu: "Ich bin Vorstandsvorsitzender der Bank und befinde mich im geplanten Weihnachtsurlaub."

Handelsblatt Online liegen Schreiben von Anlegern vor, die sich darüber beschweren, dass Sarasin-Berater in Deutschland empfahlen, Unternehmensanleihen der Firmen Windreich und Sic-Processing zu kaufen. In Einzelfällen sind dadurch bereits Buchverluste im siebenstelligen Bereich für Sarasinkunden entstanden.

Sic-Processing beschäftigt sich mit dem Recycling von Solarzellen und musste in der vergangenen Woche Antrag auf "Einleitung eines Schutzschirmverfahrens in Eigenverwaltung" beim Amtsgericht stellen. Damit steht das Unternehmen möglicherweise vor der endgültigen Insolvenz und die Anleihe wird zum Totalausfall. Starke Nerven brauchen Anleger auch, die auf Sarasin-Empfehlung Anleihen von Deutschlands größtem Offshore-Windparkbetreiber Windreich gekauft haben. Sie notieren derzeit bei wenig mehr als der Hälfte ihres Nominalwertes.

Windreich-Chef Willi Balz sagte dazu gegenüber Handelsblatt Online: "Der Finanzmarkt versteht nicht, wie wir wirklich dastehen, sondern wirft uns in einen Topf mit den Problemkandidaten der Branche." Balz sieht sein Unternehmen auf Kurs und macht den Anlegern immerhin Hoffnung, dass sie am Ende der Laufzeit der Anleihen ihr investiertes Geld inklusive der versprochenen Zinsen wiedersehen.

Einige Anleger fühlen sich dennoch von Sarasin übervorteilt, weil sie nicht ausdrücklich erfuhren, dass ihre Bank erst einen 70-Millionen-Euro Kredit an Windreich vergeben hat und anschließend die Anleihe empfahl. Ihnen fallen auch persönliche Verbindungen zwischen Balz und Niehage auf, die beispielsweise in diesem Sommer gemeinsam mit ihren aufwendigen Oldtimern an einer Rallye teilgenommen haben. Die empörten Anleger haben sich inzwischen an den Münchner Anwalt und Kapitalmarktspezialisten Klaus Rotter gewandt, der prüft, inwieweit sie dadurch bewusst hinters Licht geführt wurden.

Eine Schlüsselrolle könnte Sarasin auch in einem Fall von Steuerhinterziehung spielen, in dem die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt. Sie hatte deswegen Ende November Filialen der Schweizer Bank in Deutschland sowie der Hypovereinsbank durchsucht. Die Schweizer Bank, so der Verdacht der Ermittler, soll Initiator von Aktiengeschäften gewesen sein, mit denen der deutsche Fiskus um 124 Millionen Euro betrogen wurde. Sarasin sieht in dieser Sache nach eigener Auskunft keine "Anzeichen für ein Fehlverhalten", hat aber "interne Untersuchungen" eingeleitet.

In den vergangenen Wochen waren zahlreiche Topmanager – unter ihnen Banker – ins Visier der Ermittler geraten: Gegen den ehemaligen Morgan-Stanley-Chef Dirk Notheis wird wegen des Verkaufs von Anleihen am Versorger EnBW ermittelt. Die Deutsche-Bank-Vorstände Jürgen Fitschen und Stefan Krause müssen sich wegen ihrer Unterschrift unter einer Steuererklärung verantworten, die sich als falsch herausstellte und gegen den Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes Michael Kemmer wird seit Monaten wegen seiner Rolle beim missglücktem Kauf einer österreichischen Bank ermittelt.

 
Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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