
Ich kam ins Gefängnis, weil ich nicht mehr in meinem Land eingesperrt sein wollte. 1986, da war ich gerade 22 Jahre alt, habe ich es einfach nicht mehr ausgehalten. Ich war kein Aktivist, kein Systemkritiker: Ich wollte einfach nur reisen. Nach Amerika, nach Kanada, Norwegen und Schweden. Aber ich durfte nicht. Meine Lösung für das Problem machte dann alles nur noch schlimmer.
Ich kündigte meine Arbeitsstelle als Maschinenschlosser. Meinem Chef sagte ich: „Wenn ich dem Staat jetzt nicht mehr nutze, dann kann er mich ja gehen lassen.“ Dann stellte ich einen Ausreiseantrag. Ein paar Tage später bekam ich Post von der Abteilung für innere Angelegenheiten.
Nach drei Monaten Untersuchungshaft in Berlin wurde ich in das Gefängnis Naumburg verlegt. Dass wir arbeiten mussten, war von vornherein klar. In der DDR gab es ein Gesetz, dass alle zur Arbeit verpflichtete. Das galt auch hinter Gefängnismauern.
Der Bus, der uns zur Ikea-Arbeit brachte, war vergittert. Wir fuhren durch ein großes Metalltor, und sobald wir in dem Gebäude waren, gab es nur noch Neonlicht. Kein Fenster, keine Sonne. Wegen meiner Vorkenntnisse kam ich an die Metallstanze. Die Maschinen waren grün, sonst war alles grau.
Historiker sehen Ikea nun in der Bringschuld. „Wenn sich die Vorwürfe bestätigen, dass Ikea von der Häftlingsarbeit in der DDR profitiert hat, dann muss das Unternehmen die Betroffenen entschädigen“, sagt Hubertus Knabe, der Direktor der Stasiopfer-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen. „Der Hinweis, man habe davon nichts gewusst, entbindet nicht von der Verantwortung, an der Ausbeutung politischer Häftlinge mitgewirkt zu haben.“
Knabe forderte, dass die Stasiunterlagen-Behörde den Vorwürfen nachgeht. Er unterstrich, dass Ikea nicht das einzige betroffene Unternehmen sei. Auch Firmen wie der Kamerahersteller Pentacon und das Optikunternehmen Carl Zeiss Jena hätten jahrelang von der DDR-Zwangsarbeit profitiert. „Auch diese Firmen beziehungsweise ihre Rechtsnachfolger müssen sich ihrer Verantwortung stellen.“ Die Bundesregierung sei aufgefordert, alles zu tun, dass die Umstände des Häftlingseinsatzes in der DDR aufgeklärt und die Opfer entschädigt werden
Die Firma in Naumburg, zwanzig Minuten vom Gefängnis entfernt, hieß Mewa. Wir Häftlinge waren abgeschottet von allen anderen Arbeitern, ich habe nie ein Wort mit den Zivilisten gewechselt. Es gab nur: raus aus dem Bus, arbeiten, rein in den Bus.

Ist doch Kappes, seit wann hat man eine Verantwortung weil man Teile für einen Stuhl kauft? Was ist mit den Kunden die davon profitiert haben dass der Stuhl so billig ist? Was ist mit dem Staat der an den Steuern profitiert hat.
Es ist tragisch in einem Unrechtsstaat gefangen zu sein und dazu gezwungen zu werden in unmenschlichen Bedingungen zu arbeiten und davon noch Schäden davonzutragen. Punkt. Verantwortlich ist der Staat der das getan hat, der aus seinen Bürgern bestand und von diesen getragen wurde. Klag Deine Nachbarn an. Wäre es nicht Ikea gewesen, wären es Gehäuseteile für Robotron gewesen. Den Kunden zu verfolgen oder auch nur zu beschuldigen ist hier doch grober Unfug von Möchte-Gern-Aposteln.

Seit der Arbeit in der Galvanik in Naumburg, leide ich heute noch an der sogenannten "Nickelkretze"
Den vergitterten Bus, die neonbeleuchte (ohne Fenster!) Halle gab es auch zu meiner Zeit 1974 - 1975.
Eine Aufarbeitung finde ich richtig, nur - diese Zeit kamm mir keiner zurückgeben!
Günter Rincke, Brieske-Senftenberg

Als Nächstes kommen entlassene Strafgefangene der BRD, die in einer beliebigen deutschen JVA z. B. für SMART Sitzpolster hergestellt haben und verlangen einen neuen Mercedes als "Entschädigung".
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