Regionalflughäfen in der Krise: Nur „Landratspisten“ ohne Perspektive?

Regionalflughäfen in der Krise
Nur „Landratspisten“ ohne Perspektive?

Viele der kleineren deutschen Flughäfen kämpfen um ihre Existenz. Doch nicht jeder Regionalflughafen ist überflüssig. Warum Weeze gut dasteht – und wie Amazon den Airport Kassel retten könnte.

FrankfurtSie sind als „Landratspisten“ verschrien: Start- und Landebahnen, die Landespolitiker zwar wollten, auf denen aber kaum ein Flugzeug zu sehen ist. Deutschlands Regionalflughäfen geben derzeit überwiegend ein trauriges Bild ab.

Der Flughafen Zweibrücken etwa musste Insolvenz anmelden und wurde an das Immobilienunternehmen Triwo verkauft, das dort einen Gewerbepark errichten will. In Lübeck sucht man derzeit den mittlerweile vierten Investor, nachdem drei scheiterten. Nicht weit davon entfernt bastelt der Flughafen Schwerin-Parchim, seit 2007 im Besitz der chinesischen Link Global Logistics, nach wie vor an einem nachhaltigen Geschäftsmodell. Und in Hahn, gute 120 Kilometer westlich von Frankfurt, hoffen alle auf einen Investor – wahrscheinlich ebenfalls chinesischer Herkunft – der den defizitären Airport retten soll.

Das ist nur ein kleiner Auszug aus der aktuellen Welt der Regionalflughäfen, doch er wirft eine Frage auf: Brauchen wir die kleineren Flughäfen überhaupt? Gerald Wissel von dem auf Luftfahrt spezialisierten Berater Airborne Consulting aus Hamburg glaubt, ja: „Regionalflughäfen haben durchaus eine Existenzberechtigung. Sie müssen sich aber die richtige Nische suchen.“

Wie eine solche Nische aussehen kann, zeigt der Flughafen Weeze unmittelbar an der deutsch-niederländischen Grenze. Mehr als zwei Million Euro Gewinn erzielte der Flughafen auf dem ehemaligen Areal der Royal Air Force im vergangenen Jahr. Damit nicht genug: „Wir haben in zurückliegenden zehn Jahren keinen Cent an Subventionen bekommen. Der Kreis Kleve hat uns gemeinsam mit der Gemeinde Weeze lediglich einen Kredit gegeben – zu üblichen Marktkonditionen“, sagt Airport-Chef Ludger van Bebber.

Zwar helfen dem Flughafen auch externe Faktoren, etwa das Einzugsgebiet. „Wir erreichen bei einer Stunde Fahrzeit elf Millionen Menschen, bei zwei Stunden sind es ganz Nordrhein-Westfalen sowie die Niederlande“, sagt van Bebber. Aber der Erfolg von Weeze hat auch interne Gründe.

Der erste: Das Management achtet gnadenlos auf die Kosten und fährt den Betrieb mit kleiner Mannschaft. So gut haushaltet man in Weeze, dass man dafür sogar jüngst Lob vom Bund der Steuerzahler bekam. „Wenn man einen Kostenführer wie Ryanair als großen Kunden hat, bleibt einem nichts anderes übrig, als selbst Kostenführer zu sein“, sagt van Bebber, und fügt hinzu: „Wenn wir ein Feuerwehrfahrzeug brauchen, muss es eben kein neues sein. Wir schauen uns gute Gebrauchte an, am Ende muss ja auch die Abschreibung verdient werden.“

1,9 Millionen Fluggäste nutzten den Flughafen im vergangenen Jahr, ein Plus von 5,5 Prozent. Kritiker monieren, Weeze sei auf Gedeih und Verderb von der irischen Billigfluggesellschaft Ryanair abhängig.

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