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Tesla-Chef Elon Musk in BerlinEin Visionär auf Stippvisite

Im Schatten des VW-Skandals wirbt Tesla-Chef Elon Musk in Berlin für mehr elektrische Mobilität und einen Abschied vom Verbrennungsmotor. Einen Seitenhieb auf die VW-Tochter Porsche kann er sich nicht verkneifen.Lukas Bay 25.09.2015 - 10:22 Uhr Artikel anhören

Tesla-Chef Elon Musk will in Deutschland perspektivisch mehr als 1000 Autos im Monat verkaufen.

Foto: AFP

Berlin. „Elon Musk? Hamwa hier nicht. Soll dit een Abjeordneter sein?“ – die Sicherheitsbeamtin am Eingang zum Jakob-Kaiser-Haus des Deutschen Bundestags kennt keine Gnade. Wer rein will, braucht eine Einladung eines deutschen Bundestagsabgeordneten, „sonst jibtet keen Interview“. Der derzeit gefragteste Mann der Autoindustrie ist nicht allen im Bundestag ein Begriff.

Dabei ist Musk nach Berlin gekommen, um die Deutschen vom Elektroauto zu überzeugen. Den Zeitpunkt hätte er kaum besser wählen können. Während das ganze Land über manipulierte Dieselmotoren diskutiert, wirbt er für den Abschied vom Verbrenner. „Es ist ganz einfach“, sagt Musk im Gespräch mit dem Handelsblatt. Der Verbrenner lasse sich nicht mehr wesentlich verbessern. Wer das erreichen wolle, müsse mogeln. Darum sei es nun auch für Deutschland an der Zeit, stärker auf das Elektroauto zu setzen.

Tesla-Chef Elon Musk

„VW sollte sich vom Verbrenner verabschieden“

Das ist die Botschaft seines Berlin-Besuchs, der im Bundestag beginnt. Doch zunächst muss auch der Elektropionier seinen Ausweis am Eingang vorzeigen. Regeln sind Regeln. Und Visionen sind Visionen.

Wie seine Visionen der zukünftigen Mobilität aussehen, erklärt Musk am frühen Donnerstagmorgen vor 30 Abgeordneten bei einem Parlamentarischen Frühstück. Während die großen deutschen Autobauer sich eigene Lobbyisten in der Hauptstadt leisten, ist die politische Überzeugungsarbeit bei Tesla noch Chefsache. „Ich denke, die Regierung hört zu sehr darauf, was die deutschen Automobilhersteller sagen“, sagt Musk im Interview mit dem Handelsblatt. „Und wenn die falsch liegen, passieren die falschen Dinge.“

Die deutsche Öffentlichkeit sei da schon viel weiter. Nun müsse auch die Regierung handeln. „Ich will nicht den Regierungsberater spielen, aber ich denke für eine große Wirtschaftsnation wie Deutschland wären finanzielle Unterstützungen für den Kauf eines Elektroautos wichtig“, sagt Musk. Am Nachmittag diskutiert er darüber auch öffentlich mit Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel.

Die Firmen von Elon Musk
Als das Internet massentauglich wurde, gründeten Elon Musk und sein Bruder Kimbal die Firma Zip 2, ein durchsuchbares Firmenverzeichnis – damals eine Innovation. Große Zeitungsverlage schlossen mit dem Start-up Verträge ab. 1999 übernahm der Computerhersteller Compaq die Firma für gut 300 Millionen Dollar, Musk erhielt 22 Millionen Dollar.
Musk dachte schon länger darüber nach, wie man mit einer Online-Bank die Finanzbranche umkrempeln könnte. Er engagierte die besten Programmierer und gründete 1999 mit dem Großteil des Verkaufserlöses von Zip2 X.Com. Die Firma experimentierte mit radikalen Konzepten und ermöglichte etwa den Versand von Geld per E-Mail.
Auch andere entwickelten ein Bezahlsystem fürs Internet – etwa das Start-up Confinity mit seinem Dienst Paypal. Erst konkurrierten X.com und Confinity, dann schlossen sie sich zusammen. Eine große Finanzierungsrunde ermöglichte weiteres Wachstum, 2002 übernahm Ebay den Dienst für 5,1 Milliarden Dollar. Musk erhielt davon 165 Millionen Dollar.
Mit dem Geld konnte Musk seine Faszination für den Weltraum ausleben. Die erträumte Marsmission war zunächst unrealistisch, der Unternehmer ließ sich aber 2002 davon überzeugen, eine günstige Rakete zu entwickeln. Heute bietet Space X tatsächlich Raumflüge zu deutlich günstigeren Konditionen an als etwa Boeing oder Lockheed Martin.
Das bekannteste Musk-Projekt ist Tesla, auch wenn andere die Firma gründeten und der Macher erst 2004 mit seinem Geld dazustieß. Zunächst nahm in der Autobranche niemand die Idee eines reinen Elektrofahrzeuges ernst, dank der Ingenieursleistung von Tesla ist das jetzt anders. Bei allem Erfindergeist ist die börsennotierte Firma immer noch nicht profitabel.
Weil Solarzellen teuer waren, gründeten Lyndon und Peter Rive 2006 die Firma Solar City. Sie produzierte selbst keine Module, sondern finanzierte die Anlage vorab, sodass die Kunden sie nicht auf einen Schlag bezahlen mussten. Ihr Cousin Elon Musk stieg als Investor ein und war größter Anteilseigner. Die Firma gehört zu den größten Anbietern von Solarzellen in den USA. Im November 2016 stimmten die Aktionäre Musks Plan zu, Solar City durch den Autobauer Tesla übernehmen zu lassen.
Als Musk vom Eisenbahnsystem enttäuscht war, ersann er eine Alternative: Transportkapseln sollen durch Druckluftröhren schießen und so auch lange Strecken in kurzer Zeit bewältigen. Mehrere hochrangige Ingenieure von Space X und Tesla erarbeiteten ein Konzept. Derzeit ist eine Verbindung zwischen Los Angeles und Las Vegas geplant. Kosten: mehr als 8 Milliarden Dollar.

Die Realität auf den deutschen Straßen musste auch Tesla zunächst hart lernen, verrät Musk im Gespräch mit dem Handelsblatt. Die Autobahn sei für jedes Elektroauto eine Herausforderung, selbst für das Model S. Die Beschleunigung sei immer schon hervorragend gewesen, doch die Leistung bei hohen Durchschnittsgeschwindigkeiten habe anfangs zu wünschen übrig gelassen. Auch die schönsten Visionen haben oft mit profanen Problemen zu kämpfen. Bei Tesla war es ein Fenster, das bei hoher Geschwindigkeit zu rappeln begann. „Wir haben nun alles getan, was wir tun mussten“, sagt Musk.

Tatsächlich hat Tesla in den vergangenen Monaten einige Achtungserfolge in Deutschland eingefahren. Ohne ein flächendeckendes Vertriebsnetz hat der Absatz in den ersten sechs Monaten deutlich zugelegt, in einigen Regionen in Deutschland konnte das Model S sogar mächtige Konkurrenzmodelle wie den auslaufenden 7er von BMW und den Porsche Panamera hinter sich lassen. Trotzdem: von den 200 bis 300 Fahrzeugen pro Woche, die Elon Musk perspektivisch in Deutschland verkaufen will, sind die Elektropioniere noch ein gutes Stück entfernt.

Die Liste der Aufgaben ist lang. In wenigen Tagen will Musk auch das Model X präsentieren, ein elektrisches Crossover-Modell. Für Tesla immens wichtig, denn haben die Amerikaner mit dem Model S bisher nur einen Wagen im Angebot. Selbst mit dem Model X sind die Amerikaner weiter in der preislichen Oberklasse unterwegs. Die größte Herausforderung steht darum noch bevor: Musk will die elektrische Mobilität in die breite Masse bringen.

Dafür will er auch die Deutschen gewinnen. Vor Jahren lieferte Tesla schon die technische Basis für die elektrische B-Klasse. „Das Problem unserer Programme mit Toyota und Daimler war, dass sie am Ende zu klein waren“, erinnert sich Musk. Die Partner hätten nur geschaut, wie viel sie brauchen, um die Aufsichtsbehörden glücklich zu machen und das Programm so klein wie möglich angelegt. „Wir wollen Programme, die die Welt verändern.“ In Europa bräuchte man dafür ein Volumen von 100.000 Einheiten im Jahr.

Der nächste große Schritt soll darum das Model 3 werden – ein vergleichsweise günstiges Elektroauto mit hohem Volumen. Doch dafür muss Musk seine Gigafactory in den USA ans Laufen kriegen. Jene riesige Batteriefabrik in Nevada, aus der die günstigen Lithium-Ionen-Zellen kommen sollen, die das Elektroauto massentauglich machen. Dort sollen auch die neuen Energiespeicher von Tesla gebaut werden, die es ermöglichen sollen, erneuerbare Energie zu speichern. Schon im kommenden Jahr wolle man einen positiven Cashflow erwirtschaften.

„Wir können nicht ewig Verluste machen“, sagt Musk. Es werden entscheidende Monate für die Amerikaner.

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Dass am Ende die Konkurrenz dem Pionier den Rang ablaufen könnte – diesen Eindruck will der Tesla-Chef bei seinem Berlin-Besuch unbedingt vermeiden. Die Führungsriege der deutschen Autokonzerne sei im Denken immer noch „zu Old School“. Die neuen Elektromodelle der deutschen Autobauer wie den Audi E-tron Quattro und den Porsche Mission E hat er zur Kenntnis genommen. Jeder Schritt in Richtung der elektrischen Mobilität sei wichtig, so Musk. Einen kleinen Seitenhieb kann er sich aber nicht verkneifen. Als er ein Diagramm des Mission E von Porsche gesehen habe, hätte er gedacht: „Mensch, der sieht ja aus wie unser Auto.“

Insgesamt tritt der Tesla-Chef in der Bundeshauptstadt aber deutlich leiser auf als noch im Jahr 2013, als Musk breitspurige Wachstumsziele für die Expansion auf dem deutschen Markt formulierte. „ Wir werden jetzt nicht sagen, dass wir den Markt übernehmen“, so Musk. Und das klingt fast ein bisschen bescheiden für einen Visionär.

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