Tesla-Chef Elon Musk in Berlin
Ein Visionär auf Stippvisite

Im Schatten des VW-Skandals wirbt Tesla-Chef Elon Musk in Berlin für mehr elektrische Mobilität und einen Abschied vom Verbrennungsmotor. Einen Seitenhieb auf die VW-Tochter Porsche kann er sich nicht verkneifen.

Berlin„Elon Musk? Hamwa hier nicht. Soll dit een Abjeordneter sein?“ – die Sicherheitsbeamtin am Eingang zum Jakob-Kaiser-Haus des Deutschen Bundestags kennt keine Gnade. Wer rein will, braucht eine Einladung eines deutschen Bundestagsabgeordneten, „sonst jibtet keen Interview“. Der derzeit gefragteste Mann der Autoindustrie ist nicht allen im Bundestag ein Begriff.

Dabei ist Musk nach Berlin gekommen, um die Deutschen vom Elektroauto zu überzeugen. Den Zeitpunkt hätte er kaum besser wählen können. Während das ganze Land über manipulierte Dieselmotoren diskutiert, wirbt er für den Abschied vom Verbrenner. „Es ist ganz einfach“, sagt Musk im Gespräch mit dem Handelsblatt. Der Verbrenner lasse sich nicht mehr wesentlich verbessern. Wer das erreichen wolle, müsse mogeln. Darum sei es nun auch für Deutschland an der Zeit, stärker auf das Elektroauto zu setzen.

Das ist die Botschaft seines Berlin-Besuchs, der im Bundestag beginnt. Doch zunächst muss auch der Elektropionier seinen Ausweis am Eingang vorzeigen. Regeln sind Regeln. Und Visionen sind Visionen.

Wie seine Visionen der zukünftigen Mobilität aussehen, erklärt Musk am frühen Donnerstagmorgen vor 30 Abgeordneten bei einem Parlamentarischen Frühstück. Während die großen deutschen Autobauer sich eigene Lobbyisten in der Hauptstadt leisten, ist die politische Überzeugungsarbeit bei Tesla noch Chefsache. „Ich denke, die Regierung hört zu sehr darauf, was die deutschen Automobilhersteller sagen“, sagt Musk im Interview mit dem Handelsblatt. „Und wenn die falsch liegen, passieren die falschen Dinge.“

Die deutsche Öffentlichkeit sei da schon viel weiter. Nun müsse auch die Regierung handeln. „Ich will nicht den Regierungsberater spielen, aber ich denke für eine große Wirtschaftsnation wie Deutschland wären finanzielle Unterstützungen für den Kauf eines Elektroautos wichtig“, sagt Musk. Am Nachmittag diskutiert er darüber auch öffentlich mit Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel.

Die Realität auf den deutschen Straßen musste auch Tesla zunächst hart lernen, verrät Musk im Gespräch mit dem Handelsblatt. Die Autobahn sei für jedes Elektroauto eine Herausforderung, selbst für das Model S. Die Beschleunigung sei immer schon hervorragend gewesen, doch die Leistung bei hohen Durchschnittsgeschwindigkeiten habe anfangs zu wünschen übrig gelassen. Auch die schönsten Visionen haben oft mit profanen Problemen zu kämpfen. Bei Tesla war es ein Fenster, das bei hoher Geschwindigkeit zu rappeln begann. „Wir haben nun alles getan, was wir tun mussten“, sagt Musk.

Tatsächlich hat Tesla in den vergangenen Monaten einige Achtungserfolge in Deutschland eingefahren. Ohne ein flächendeckendes Vertriebsnetz hat der Absatz in den ersten sechs Monaten deutlich zugelegt, in einigen Regionen in Deutschland konnte das Model S sogar mächtige Konkurrenzmodelle wie den auslaufenden 7er von BMW und den Porsche Panamera hinter sich lassen. Trotzdem: von den 200 bis 300 Fahrzeugen pro Woche, die Elon Musk perspektivisch in Deutschland verkaufen will, sind die Elektropioniere noch ein gutes Stück entfernt.

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„Wir können nicht ewig Verluste machen“

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