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Nokia-Chef Elop„Trojanisches Pferd“ kann sich auf Geldregen freuen

Nokia-Chef Stephen Elop kam von Microsoft und wechselt im Zuge des Verkaufs des Handygeschäfts der Finnen zurück zum Software-Konzern. Die Rückkehr wird ihm mit fast 20 Millionen Euro versüßt. 20.09.2013 - 09:18 Uhr aktualisiert Artikel anhören

18,8 Millionen Euro erhält Nokia-Chef Stephen Elop, wenn er wie geplant zu Microsoft zurückkehrt.

Foto: dpa

Espoo. Der Verkauf von Nokias Handygeschäft an Microsoft bringt dem bisherigen Konzernchef Stephen Elop rund 19 Millionen Euro ein. Elop werde unter anderem das Gehalt für die restliche Laufzeit seines Vertrages sowie den Wert von Aktienpaketen ausbezahlt bekommen, teilte Nokia am Donnerstagabend in Unterlagen für eine außerordentliche Aktionärsversammlung mit. Die Hauptversammlung ist für den 19. November geplant.

Der Betrag wurde auf 18,8 Millionen Euro geschätzt, Microsoft soll 70 Prozent davon übernehmen. Elop kehrt im Zuge des Verkaufs von Nokias Handysparte zu seinem früheren Arbeitgeber Microsoft zurück. Er übernimmt dort die Führung der Geräte-Sparte.

Elop gilt als heißer Kandidat für die Nachfolge des scheidenden Microsoft-Chefs Steve Ballmer. Bevor er zu Nokia kam, hatte er bereits für Microsoft gearbeitet, weswegen ihn finnische Medien auch lange als „trojanisches Pferd“ bezeichneten.

Nokias Baustellen
Es ist eine Zeitenwende für Nokia: Der finnische Konzern hat sein Kerngeschäft mit Handys an Microsoft verkauft. In den letzten Jahren hatte er an Marktanteilen verloren und rote Zahlen geschrieben. Das neue Nokia ruht auf drei Säulen.
Nokia ist immer noch einer der wichtigsten Hersteller günstiger Handys – sie finden vor allem in den Schwellenländern immer noch Käufer. Allerdings machen Hersteller wie Huawei und ZTE dem finnischen Unternehmen das Leben schwer, zudem können sich auch in Indien, China oder auf den Philippinen immer mehr Menschen Smartphones leisten. Auch diese Sparte verkauft der finnische Konzern nun an Microsoft.
Die wichtigste Säule des Konzerns ist jetzt die Netzwerktechnik. Im Juli 2013 kaufte Nokia den Partner Siemens für 1,7 Milliarden Dollar aus dem Joint Venture heraus, um das Geschäft wieder allein zu betreiben. Angesichts des Smartphone-Booms wirkt der Aufbau von Netzen der Mobilfunk-Anbieter auf den ersten Blick als sicheres Geschäft, doch in der Branche herrscht ein harter Wettbewerb. NSN konkurriert mit Ericsson, Alcatel-Lucent und den chinesischen Rivalen Huawei und ZTE. Der Preiskampf wird weiter anhalten, zumindest muss sich Nokia nicht mehr mit einem Partner über die Strategie streiten.
Das zweite große Nokia-Standbein sind die Kartendienste unter dem Markennamen Here. Hier kauften die Finnen bereits 2007 für gut acht Milliarden Dollar den Karten-Spezialisten Navteq und investierten seitdem massiv in den Aufbau eines vollwertigen Online-Angebots sowie Navigationsdiensten. Allerdings ist das Geschäft teuer und die Konkurrenz groß – gerade Google gibt viel Geld aus. Nokia will seine Kartendienste auf andere Betriebssysteme bringen, die Daten werden bereits in vielen Auto-Navigationssystemen genutzt. Zu einem großen Teil werden die Nokia-Kartendienste in Berlin entwickelt.
Nokia hält ein umfangreiches Patentportfolio – das Geschäft mit Lizenzen soll künftig die dritte Säule des neu ausgerichteten Konzerns werden.

Das Geld wäre sofort fällig, wenn die Handy-Sparte in die Hände von Microsoft wechselt. Mit Abschluss der Übernahme wird im ersten Quartal gerechnet. Der einstige Weltmarktführer Nokia hatte Anfang des Monats den Verkauf des Handygeschäfts an Microsoft angekündigt. Microsoft zahlt dafür 3,79 Milliarden Euro und legt noch 1,65 Milliarden Euro für Patentlizenzen drauf.

Elop war im September 2010 Nokia-Chef geworden. Im Februar 2011 ging er eine enge Allianz mit Microsoft ein, die Finnen stiegen bei ihren Smartphones auf Microsofts Betriebssystem Windows Phone um. Bei Microsoft hatte Konzernchef Steve Ballmer im August angekündigt, sich bis zum kommenden August von der Konzernführung zurückzuziehen. Ballmer hatte im Jahr 2000 die Führung des Konzerns von Microsoft-Gründer Bill Gates übernommen.

Übernahme von Nokia

Aus Microsoft wird Microhard

Laut Microsoft ist noch kein Nachfolger in Sicht. „Es gibt keinen neuen Stand“, sagte Finanzchefin Amy Hood am Donnerstag auf einem Treffen mit Analysten in Bellevue nahe Seattle. Die Suche laufe. „Wir lassen Sie es wissen, wenn die Zeit gekommen ist.“ Ein Sonderausschuss des Verwaltungsrats, dem Firmengründer Bill Gates angehört, treibt die Suche nach einem neuen Konzernlenker voran.

Ballmer grämt sich derweil wegen des verpassten Einstiegs des US-Konzerns in den zukunftsträchtigen Markt der Smartphones. „Das ist die Sache, die ich am meisten bedaure“, sagte Ballmer am Donnerstag auf dem Analystentreffen. Der Blick Microsofts sei nach der Jahrtausendwende so stark auf das PC-Betriebssystem Windows gerichtet gewesen, dass es das Unternehmen nicht geschafft habe, Personal für das sich abzeichnende Geschäft um „das neue, Telefon genannte Gerät“ abzustellen.

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Sich stärker um das Feld mobiler Geräte zu kümmern, „wäre besser gewesen für Windows und unseren Erfolg in anderen fremden Feldern“, sagte Ballmer. Heute habe Microsoft „praktisch keinen Anteil“ in dem milliardenschweren Zukunftsmarkt.

Microsoft tut sich noch immer schwer, im Markt für mobile Endgeräte wie Smartphones oder Tabletcomputer Fuß zu fassen. Im Feld der Smartphones hatte Microsoft bereits mit Nokia kooperiert. Microsoft stattet Smartphones von Nokia mit seinem Betriebssystem Windows Phone aus.

dpa, rtr, afp
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