
Frau Benedikt, Sie sind seit Januar eine der ersten Frauen, die Finanzvorstand bei einer Aktiengesellschaft ist – wie waren die ersten Wochen auf dem neuen Posten?
Es hat sich nicht so viel verändert für mich, alles ist mir sehr vertraut. Als Direktorin für Finanzen war ich seit 2004 schon für die Zahlen verantwortlich. Und bei einem börsennotierten Unternehmen ist das schon eine sehr große Verantwortung.
Ihre Karriere klingt beeindruckend. War das alles eiskalt geplant?
Nein, ganz ehrlich, ich hatte weder das Ziel mit 28 Jahren Finanzdirektorin noch den Plan, mit 36 Jahren Finanzvorstand zu werden. Das hat sich einfach so ergeben. Der Posten ist damals frei geworden und wurde mir angeboten. Da habe ich zugegriffen.
Woher kommt ihre Begeisterung für Zahlen? Wann hat das angefangen?
Das kam eigentlich relativ spät, erst im Abitur. Ich war auf einem Wirtschaftsgymnasium und hatte da als Leistungsfach Rechnungslegung. Da habe ich meine Leidenschaft für Bilanzierung und Unternehmensbesteuerung entdeckt.
Sie haben dann in Mannheim ein duales Studium absolviert und zunächst für einen Versicherungskonzern in Frankfurt gearbeitet. Wie hat es sie dann zu einem Vakuumpumpenhersteller verschlagen? Klingt nicht wie eine sexy Branche.
Ich hatte mich in meinem Studium auf die amerikanische Rechnungslegung US-GAAP spezialisiert. Danach habe ich für einen Versicherungskonzern in diesem Bereich gearbeitet. 1999 habe ich dann in der Lokalpresse eine Stellenanzeige von Pfeiffer Vacuum gesehen, die eine Fachkraft für US-amerikanische Rechnungslegung suchten, da sie 1996 an die New Yorker Börse gegangen waren. Das fand ich einfach wahnsinnig spannend, dass ein Mittelständler so einen Schritt wagt. Und deshalb hab ich mir das Unternehmen mal genauer angesehen.
Das Schlusslicht ist Portugal. Hier gibt es nur 4,7 Prozent Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten. Der Anteil bei Neubesetzungen liegt bei 22,2 Prozent.
Eine ganz niedrige Frauenquote hat Österreich: 8 Prozent. Der Frauenanteil bei Neubesetzungen beträgt 12,5 Prozent.
11,8 Prozent beträgt der Frauenanteil in Spanischen Top-Etagen. Bei Neubesetzungen wurden in 22,7 Prozent Frauen berücksichtigt. (Quelle: Egon Zehnder & FAZ)
Deutschland befindet sich schon in der unteren Hälfte der Tabelle. Frauenanteil in Vorständen und Aufsichtsräten: 12,8 Prozent. Frauenanteil bei Neubesetzungen: 40,7 Prozent. (Quelle: Egon Zehnder & FAZ)
Insgesamt beträgt der Frauenanteil in Europa 15,6 Prozent in Vorständen und Aufsichtsräten. Der Frauenanteil bei Neubesetzungen liegt bei 30,8 Prozent. (Quelle: Egon Zehnder & FAZ)
In Dänemark liegt der Frauenanteil bei 17 Prozent unter den Vorständen und Aufsichtsräten. Dafür geben die Skandinavier bei Neueinstellungen Gas: Hier wurden in 50 Prozent Frauen eingestellt. (Quelle: Egon Zehnder & FAZ)
In England arbeiten 18,2 Prozent Frauen als Vorstand und Aufsichtsrat. Bei Neubesetzungen liegt der Frauenanteil bei 31,6 Prozent. (Quelle: Egon Zehnder & FAZ)
In den Führungsetagen der Franzosen liegt der Anteil der Frauen bei 20,5 Prozent. Bei Neubesetzungen (von Mai 2011 bis Mai 2012) wurden Frauen zu 52,7 Prozent berücksichtigt. (Quelle: Egon Zehnder & FAZ)
Bei den Finnen beträgt der Frauenanteil in Vorständen und Aufsichtsräten 27,1 Prozent. Bei Neubesetzungen (von Mai 2011 bis Mai 2012) wurden Frauen zu 23,1 Prozent berücksichtigt. (Quelle: Egon Zehnder & FAZ).
Der Frauenanteil in Vorständen und Aufsichtsräten beträgt in Norwegen 36,4 Prozent. Bei Neubesetzungen (von Mai 2011 bis Mai 2012) wurden Frauen zu 21,4 Prozent berücksichtigt. (Quelle: Egon Zehnder & FAZ)
… und waren offenbar zufrieden mit dem, was sie das entdeckten …
Ja, ich habe die Finanzzahlen des Unternehmens bewundert, schon zur damaligen Zeit. Es war eine tolle Bilanz, die Pfeiffer Vacuum vorgewiesen hat. Und dann habe ich mich aus Neugierde einfach beworben.
Hatten Sie jemals das Gefühl, dass sie als Frau Nachteile im Berufsleben haben?
Nein, ich glaube nicht, dass man als Frau benachteiligt ist und ich habe das Gefühl auch nie gehabt.

Frauen sind nur als Einzelbesetzung in führenden Positionen von Interesse. Leider zerfleischen sich Frauen nur allzu gern
gegenseitig und verlieren dabei das eigentliche Ziel aus den Augen.Oft ist auch die Härte die von Frauen ausgeht gegen Kollegen/innen einfach unerträglich. Allerdings setze ich gerne aus diesem Grund Frauen für Entlassungsgespräche ein.

Sabine B.
Die Bemerkungen einiger Kommentatoren, machen mir deutlich, dass wir Frauen noch ein wenig mehr Geduld haben müssen.
Bis dahin – so schlage ich vor, liebe Geschlechtsgenossinnen – machen wir weiter wie bisher: wir erkennen unsere Stärken, unsere Talente und unsere Leidenschaften. Wir entschieden selbst, ob und welchen beruflichen Weg wir einschlagen wollen oder ob wir unsere Erfüllung in Familie, Kindern und der Unterstützung der Karriere unserer Männer finden. Oder – und das ist euch jungen Frauen heute eher möglich als den Frauen meiner Generation (Fünfziger Jahre) – ob wir beides irgendwie vereinbart bekommen.
Ich bin zuversichtlich, dass auch in Deutschland bald verstanden wird, dass die Selbstverwirklichung der Frauen nicht mit Egoismus gleichzusetzen ist. Dass die Fähigkeiten und Potenziale der Frauen für eine gesunde Entwicklung dieses Landes, ebenso wie für die Zukunft dieser Welt, gebraucht werden und wir froh sein können, dass Frauen unter den gegebenen Voraussetungen diesen Weg gehen. Dass dies nur mit Unterstützung möglich ist. Nicht Frauenquote sondern neue Männer.
Erfreulich: Es wächst eine neue Männergeneration heran. Die jüngeren Frauen finden heute Söhne weiser Mütter – manchmal auch schon weiser Väter - die die gesamte Bandbreite ihrer wundervollen Männlichkeit entwickeln durften: Beschützerinstinkt, Kämpfer aber auch empathischer Unterstützer und verständnisvoller Partner auf Augenhöhe. Und in ihrer Doppelrolle werden die jüngeren Frauen mit einem solchen Partner an ihrer Seite ihren Kindern auf liebevolle Weise vorleben, wie es möglich ist, dass Männer und Frauen mit ihren ganz spezifisch unterschiedlichen Eigenschaften und Talenten selbstbestimmt, verantwortungs- und liebevoll Berufs- und Familienleben miteinander vereinbaren können. Ich halte es sogar für möglich, dass Frauen eines Tages dafür anerkannt werden, dass sie unbeirrbar diesen Weg gegangen sind.
Frau Benedikt: großartig!

Es ist auffallend, dass Frauen, die Karriere machen wollen und dabei gut vorankommen, alle GEGEN die Quote sind. - Nach recht durchwachsenen Erfahrungen mit offensichtlichen Quotenfrauen als Vorgesetzten (dort zählten Intrigen, Gejammere und Schleimereien mehr als vernünftige Argumente) fände ich es absolut wünschenswert, dass Frauen wie Nathalie Benedikt mehr Gehör in der Gesellschaft finden und auch von Politikern wahrgenommen werden.
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