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Märkte InsightGute Zahlen – schlechte Kurse

Die Quartalssaison in Europa läuft auf Hochtouren und sorgt für mitunter heftige Kursausschläge bei Einzelaktien. Dabei gibt es einige Überraschungen.Andrea Cünnen 08.11.2023 - 20:00 Uhr aktualisiert

An den Börsen sieht es oberflächlich ruhig aus. Am Mittwoch stieg der deutsche Leitindex Dax bis kurz vor Handelsende um 0,5 Prozent auf 15.224 Punkte. Dabei liegen seit Ende vergangener Woche die Differenzen zwischen Hoch- und Tiefpunkt im Tagesverlauf bei maximal einem Prozent. Am breiten europäischen Aktienmarkt sieht es ähnlich aus. Doch der Eindruck eines entspannten Handels täuscht.

In der Quartalssaison, die in dieser Woche in Europa ihren Höhepunkt erreicht, geht es bei Einzelwerten ordentlich rund: Die Kursreaktionen auf die vorgelegten Ergebnisse und Ausblicke sind mitunter heftig. Auffällig finden Experten wie Marc Decker, Aktienchef bei der Quintet-Mutter Merck Finck, dass Enttäuschungen heftiger an der Börse bestraft werden als positive Überraschungen.

Auch am Mittwoch gab es dafür einige Beispiele. So steigerte im Dax der Rückversicherer Munich Re seinen Gewinn im Vergleich zum Vorjahresquartal um sechs Prozent. Auch die im Oktober angehobene Prognose für einen Jahresgewinn von 4,5 Milliarden Euro wurde bestätigt. Die Aktie legte rund ein Prozent zu.

Im Nebenwerteindex MDax enttäuschte dagegen der Medienkonzern RTL, der wegen des mauen Werbegeschäfts zum zweiten Mal in diesem Jahr seine Ziele für das laufende Jahr herunterschraubte. Demnach wird der Betriebsgewinn mit rund 900 Millionen Euro um die 5,5 Prozent niedriger ausfallen als vor einem Jahr. Die RTL-Aktie geriet daraufhin deutlich unter Druck und verlor viereinhalb Prozent.

Noch auffälliger war zur Wochenmitte indes ein anders Phänomen. Die Aktien von Unternehmen, die gute Zahlen vorlegten, fielen, die von Unternehmen, die enttäuschten, legten zu. So verdiente im Dax zum Beispiel der Versorger Eon in den ersten neun Monaten mit knapp 7,8 Milliarden Euro 27 Prozent mehr – die Aktie verlor dennoch ein Prozent. Der Chiphersteller Elmos steigerte seinen Betriebsgewinn sogar um fast 40 Prozent auf 41,6 Millionen Euro – die im Kleinwertesegment SDax notierte Aktie rutschte zwischenzeitlich um vier Prozent ab, reduzierte das Minus aber später immerhin auf 0,4 Prozent.

Auf der anderen Seite legten die Aktien der Deutschen Post mehr als zweieinhalb Prozent zu, obwohl der als DHL Group firmierende Konzern im dritten Quartal einen Umsatz- und Gewinnrückgang verbuchte und außerdem seine Prognose für den operativen Gewinn im Gesamtjahr leicht auf 6,2 Milliarden bis 6,6 Milliarden Euro senkte.

In den Niederlanden verlor die Aktie von ABN Amro neun Prozent, obwohl die Bank im dritten Quartal mit 759 Millionen Euro mehr verdiente als Analysten erwartet hatten. Anleger störten sich aber am gesunkenen Zinsüberschuss.

Außerdem zeigte sich am Beispiel der Commerzbank, wie schnell die Meinungen der Investorinnen und Investoren drehen. Sie pendelte zwischen einem Plus von fast sieben und einem Minus von knapp fünf Prozent. Zunächst goutierten Anleger die Verdreifachung des Konzerngewinns auf 684 Millionen Euro, doch die später vorgestellten langfristigen Zielsetzungen des Geldhauses überzeugten die Börse nicht.

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Die unterschiedlichen Reaktionen auf die vielen Zahlen lassen sich als Zeichen der Unsicherheit am Aktienmarkt interpretieren. Die ist nachvollziehbar, denn wie stark sich die allenfalls mäßige Konjunktur in Europa und die gestiegenen Zinsen auf die Unternehmen und ihre Margen auswirken werden, ist noch nicht klar.

Das zeigt sich auch an den sehr unterschiedlichen Einschätzungen von Analysten. Die Experten der Dekabank zum Beispiel gehen davon aus, dass die Gewinnerwartungen an die Unternehmen im nächsten Jahr noch zu gering sind – die Commerzbank ist mit Blick auf die Unternehmen im Dax vom Gegenteil überzeugt.

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