Geldpolitik: Verbraucher setzen ihre kurzfristige Inflationserwartungen nach oben
Berlin. Die Verbraucher in der Euro-Zone haben einer EZB-Umfrage zufolge ihre kurzfristigen Inflationserwartungen nach oben geschraubt. Im Mittel gingen sie im September davon aus, dass die Teuerung binnen zwölf Monaten bei 4,0 Prozent liegen wird, wie die Europäische Zentralbank (EZB) am Mittwoch in Frankfurt mitteilte. In der August-Umfrage hatten sie lediglich 3,5 Prozent veranschlagt.
Binnen drei Jahren erwarten die Konsumentinnen und Konsumenten eine Teuerung von 2,5 Prozent. Dieser Wert hatte sich auch in der August-Erhebung ergeben. Die EZB strebt eine Inflationsrate von zwei Prozent an, die als ideal für die Wirtschaft gilt.
Die Zentralbank kommt diesem Ziel wieder etwas näher, nachdem die Inflationswelle im Euro-Raum zuletzt deutlich abebbte. Die Verbraucherpreise stiegen im Oktober um 2,9 Prozent zum Vorjahresmonat. Das ist das niedrigste Niveau seit Juli 2021. Im September hatte die Teuerung noch bei 4,3 Prozent gelegen. Die EZB hatte auf ihrem jüngsten Zinstreffen angesichts des nachlassenden Preisdrucks beschlossen, die Serie von Zinserhöhungen vorerst zu stoppen.
Die EZB selbst stellt sich auf einen langen Kampf gegen die Inflation ein. 2024 würden sich die Raten vermutlich im „hohen Zweier- oder niedrigen Dreier-Bereich“ bewegen, sagte EZB-Chefvolkswirt Philip Lane am Mittwoch auf einer Konferenz in Riga. Lane sagte, es seien einige Fortschritte beim Absenken des zugrundeliegenden Preisdrucks zu erkennen, aber das reiche noch nicht aus.
Auch Bundesbank-Chef Joachim Nagel erklärte, dass angesichts des Konjunkturabschwungs die „letzte Meile“ vor Erreichen des Inflationsziels die schwierigste sein könnte. Mit der geldpolitischen Straffung gehe eine Verschärfung der Finanzierungsbedingungen einher. Diese bremsten die Wirtschaft: „Das ist der Punkt, an dem wir uns gerade befinden“, betonte Nagel. Mit der Zeit werde die schwächere Konjunktur auch die Inflation weiter bremsen: „Die Geldpolitik hat bereits begonnen, die Inflation zu dämpfen. Und das wird auch 2024 und 2025 so bleiben.“